27.07.2017 - 18:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Oft fehlen die Worte

Was Manfred Weiß derzeit auf den Nägeln brennt: Die Verständigungsprobleme mit Bewohnern aus afrikanischen Ländern wie Eritrea. "Diese Sprache sprechen wir nicht", erklärt der Asyl-Ehrenamtskoordinator. "Und wir haben auch noch keinen Dolmetscher gefunden."

Almaz bereitet gerade Injera - ein spezielles Fladenbrot - zu. Die junge Frau aus Eritrea spricht bisher weder Deutsch noch Englisch. Mit Flüchtlingen aus afrikanischen Ländern sei die Verständigung häufig schwierig, bedauerte Asyl-Ehrenamtskoordinator Manfred Weiß (hinten, rechts). Er führte die Mitglieder des Integrationsbeirats gemeinsam mit stellvertretender Leiterin Johanna Böhm durch die Gemeinschaftsunterkunft. Bild: Schönberger
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Eines der Probleme, mit denen die Mitarbeiter in der Gemeinschaftsunterkunft zu kämpfen haben, solange die Asylbewerber noch keinen Deutschkurs an der VHS besucht haben. Ein anderes dagegen ist beinahe gelöst. "Unser Ziel war es, die Familien in dezentralen Unterkünften unterzubringen", sagt Weiß. "Inzwischen lebt nur noch eine Familie hier." Für diese Familie wird noch eine Wohnung gesucht.

All das erklärt Diakonie-Mitarbeiter Weiß den Mitgliedern des Integrationsbeirats, die sich am Dienstag zur Besichtigung eingefunden haben. 270 Personen aus 19 Nationen - darunter Christen, Jeziden, Moslems - leben derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Camp Pitman. "Spannungen bleiben da nicht aus", gesteht Weiß. Wobei es vor allem nachts Probleme gebe, wenn kein Hausmeister vor Ort sei, fügt Johanna Böhm hinzu. Die stellvertretende Leiterin der Gemeinschaftsunterkunft betont: "Der Einsatz einer Sicherheitsfirma ist geplant, aber erst zum Ende des Jahres."

Dass es nachts schon mal Randale gebe, sei aus der Zeitung bekannt, räumt Veit Wagner als Leiter des Integrationsbeirats ein. Auch von Drogengeschäften hat der eine oder andere schon mal gehört. Gerade das soll der Sicherheitsdienst künftig verhindern, sagt Weiß. Trotzdem dürften nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm geschert werden. Außerdem ärgert er sich über den Vorfall am Freitag von "Weiden träumt": "Fake News wie die, dass hier 60 Kilogramm Sprengstoff gelagert würden, und die ungeprüft weiterverbreitet werden, das tut uns schon weh."

Unter den 270 Bewohnern sind laut Johanna Böhm rund 70 sogenannte Fehlbeleger: Das sind anerkannte Asylbewerber, die nicht ausziehen können, "weil die Wohnungen so knapp sind". Im Vergleich mit früher habe sich die Situation in der Asylbewerberunterkunft deutlich entspannt, weiß Veit Wagner. Zum einen durch die neuen Container-Wohnblöcke, die in jedem Block und auf jeder Etage mit Küche, Waschmaschinen- und Sanitärräumen ausgestattet sind. Zum anderen durch einen Sozialraum für Treffen und Kurse, den man der Bezirksregierung in intensiven Gesprächen abgerungen habe. Vor allem aber dank der Diakonie, die hier eineinhalb Stellen zur Beratung und Betreuung der Flüchtlinge geschaffen habe, lobt Wagner.

Bei einem Rundgang machten sich die Mitglieder des Integrationsbeirats selbst ein Bild von den Raumverhältnissen. Das Gremium zeigte sich an diesem Tag allerdings recht schwach auf der Brust. Nur fünf der zehn stimmberechtigten Mitglieder waren anwesend sowie Bildungskoordinatorin Julia Lenhardt als neues beratendes Mitglied. Wagner vermutete: "Der eine oder andere ist vielleicht aus Gewohnheit zur Sitzung ins Rathaus gegangen." Dort dürfte die nächste Beiratssitzung tatsächlich wieder stattfinden. (Weiterer Bericht folgt)

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