30.01.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Kripobeamter entlastet Mordverdächtigen - 2002 zur Sonderkommission nach Hof abgeordnet: Überraschung im Peggy-Prozess

Im Prozess um den vermeintlichen Mörder der kleinen Peggy ist ein Weidener Kriminalhauptkommissar (57) unfreiwillig in die Schlagzeilen geraten. Er sorgte mit seiner Aussage vor dem Landgericht Hof am Montag für eine überraschende Wende in dem langwierigen Verfahren. "Top-Polizist entlastet Ulvi K." titelte die "tz" München am Dienstag auf ihrer Seite 11.

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Und spricht bzw. schreibt gleich darauf von einer "Sensation beim Peggy-Prozess". Denn - so die "tz": "... jetzt denken nicht mal mehr Polizisten der vom Innenministerium eingesetzten Sonderkommission daran, dass Ulvi (26) der Mörder ist!" Dem erfahrenen Beamten (57) wird nicht nur ein außergewöhnlich gutes Verhältnis zu dem Angeklagten bescheinigt: "In ihm erkenne ich meinen geistig behinderten Bruder wieder", zitiert die "tz" eine seiner Aussagen vor Gericht. Der 57-Jährige habe zudem seinen Kollegen "ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt", heißt es weiter: "Das Ergebnis der Vernehmungen war unbefriedigend. Ich werde dem Ulvi mit Sicherheit nichts Unrechtes antun!"

Zweifel an Täterschaft

Seit dem Frühjahr 2001 beschäftigt der Fall Peggy die Öffentlichkeit: Das Mädchen aus der Gemeinde Lichtenberg (Oberfranken) ist spurlos verschwunden, weshalb die Experten davon ausgehen, dass sie getötet wurde. Im Mai 2002 wurde der Weidener Kripobeamte zur Verstärkung der Sonderkommission nach Hof abgeordnet und mit der Vernehmung des geistig zurückgebliebenen Hauptverdächtigen beauftragt. In der Verhandlung am Montag habe er als Zeuge nun die Täterschaft des 26-Jährigen, den er selbst immer "Ulvi" nannte und dem er - wie die "tz" mit einem Bild belegt - in der Verhandlungspause zärtlich über den Kopf streichelte, angezweifelt. "Ich bin der Meinung, dass er langsam überfordert war mit den ganzen Vernehmungen", sagte der 57-Jährige. Dieser war nach dem Bericht in der Münchener Boulevardzeitung für die entscheidende Befragung des 26-jährigen am 2. Juli 2002 nicht mehr zuständig.

Der Weidener Beamte äußerte zugleich Zweifel an dem Vorwurf, der Gastwirtssohn habe Peggy vier Tage vor ihrem Verschwinden vergewaltigt. "Das kann ich mir nicht vorstellen, so wie der Ulvi gebaut ist", habe er vor Gericht gesagt. Und - last but not least: Die von einem Labor als Blutspuren identifizierten Flecken auf dem Overall, den der 26-Jährige am Tag von Peggys Verschwinden trug, hätte er als Kriminalbeamter nicht als Blut identifiziert. Dieser Overall gilt im Prozess um Peggy als einziges belastendes Beweisstück gegen den Gastwirtssohn.

Als vierter Mann nach Hof

Weder Polizeidirektor Josef Wittmann noch der betroffene Kriminalhauptkommissar könnten zu dem "tz"-Bericht Stellung beziehen, "weil das Gerichtsverfahren noch läuft", erklärte Polizeipressesprecher Thomas Gallei am Mittwoch auf Anfrage des NT. "Wir können nur bestätigten, dass der Beamte von Mai bis Oktober 2002 zu der Sonderkommission abgeordnet war." Diese Art der gegenseitigen Unterstützung sei durchaus üblich. "Vor ihm waren bereits drei Weidener Beamte nach Hof abgeordnet."

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