10.03.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Verfahren gegen Pflegekräfte eingestellt - Altenheimbewohnerin starb nach Sprung aus dem Fenster: Geldbuße wegen fahrlässiger Tötung

Die Selbsttötung einer Weidener Altenheimbewohnerin hätte verhindert werden können, wenn die 68-Jährige lückenlos überwacht worden wäre. Dennoch wurde das Verfahren gegen die beiden beteiligten Pflegekräfte nun gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. "Sie haben das spätere Opfer nur zwei bis drei Minuten allein gelassen. Ihr Verschulden ist also gering", erklärt Leitender Oberstaatsanwalt Lutz Höbold.

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft spielte sich am 4. August 2003 Folgendes ab: Die 68-Jährige wollte gegen 16 Uhr aus dem Fenster ihres Zimmers im zweiten Stock springen. Ihre Zimmernachbarin rief um Hilfe. Zwei Pflegekräfte - eine Frau und ein Mann - zogen die Lebensmüde vom Fenster weg. Beide haben dann das Zimmer verlassen, "um den Arzt zu verständigen bzw. sich um andere Bewohner zu kümmern", sagt Höbold. Dies nutzte die 68-Jährige, die mit Psychopharmaka behandelt wurde, zum Sprung aus dem Fenster. Dabei erlitt sie schwere Verletzungen und verstarb wenig später (der NT berichtete).

Damit hätten sich die beiden Pflegekräfte der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Ihr Verschulden sei jedoch gering, da sie die Frau nur wenige Minuten allein gelassen hätten. Zudem sei die Personalsituation in Altenheimen bekanntermaßen recht angespannt, erklärt Josef Sertl gegenüber dem NT. Als zuständiger Staatsanwalt stellte er das Ermittlungsverfahren gegen die Zahlung von Geldbußen ein. Die Frau wurde als Fachkraft mit einer Geldbuße von 2000 Euro belegt, der Mann muss als Hilfskraft 1000 Euro Buße bezahlen.

Tödliche Verletzungen

Der 39-jährige Sohn der Verstorbenen sah im Zusammenhang mit dem Tod seiner Mutter einige Ungereimtheiten, die sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch nicht bestätigten. So wurde seine Mutter nach dem Sturz aufgehoben und in ihr Zimmer zurückgetragen, anstatt das Eintreffen des Notarztes abzuwarten, entrüstete sich der 39-Jährige im Gespräch mit dem NT. "Das Aufheben und Tragen war laut Gutachter in keiner Weise todesursächlich", betont Josef Sertl. "Die Verletzungen, die durch den Sprung aus dem Fenster eintraten, haben zum Tod geführt." Er weist auch die Mutmaßungen des Sohnes zurück, der zuständige Kripobeamte habe in diesem Fall womöglich einseitig ermittelt. "Das ist nicht der Fall. Im übrigen entscheidet die Staatsanwaltschaft völlig eigenständig." Sämtlichen Anträgen des von dem 39-Jährigen beauftragten Rechtsanwaltes sei nachgegangen worden. Josef Sertl verweist zudem auf die psychische Belastung der Pflegekräfte. "Die machen sich selbst die größten Vorwürfe."

Gegen die Einstellung des Verfahrens ist nach Auskunft von Leitendem Oberstaatsanwalt Lutz Höbold kein Rechtsmittel möglich.

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