04.02.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Postkarte an Duzfreund Dr. Berthold Rebitzer - Eine der interessantesten Neuanschaffungen des ...: Max Reger lädt zum Treffen ins Hotel Post

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Klein, aber oho! Das gilt für eine Postkarte von Max Reger, die das Stadtmuseum im Jahr 2003 erworben hat. Denn: "Obwohl wir auch zwei Reger-Briefe angekauft haben, ist die kleine Postkarte für uns doch besonders interessant, da sie an Regers Hausarzt und Freund, Dr. Berthold Rebitzer, gerichtet ist", betont Petra Vorsatz. Als Rarität gilt ebenso einer der beiden neu erworbenen Briefe aus der Hand von Max Reger, "da er in Weiden geschrieben wurde und Briefe aus dieser Zeit eher selten sind".

Mediziner mit Herz

Dr. Rebitzer war der erste jüdische Bürger mit universitärem Abschluss, der sich nach Angaben von Petra Vorsatz in Weiden niederließ. Er galt als leutselig und war bekannt dafür, dass er arme Patienten umsonst behandelte. Der Duzfreund Regers heilte 1898 ein schweres Halsleiden des Komponisten. Dieser wiederum widmete ihm 1990 seine Romanze opus 50 Nr. 2 in D-Dur. Auf der Postkarte lädt Reger den Freund zu einem Treffen ins Hotel Post ein, in dem er eine Nacht verbringen wird. Er fügt hinzu: "Bitte sag das auch Herrn Bürgermeister und sag ihm schönste Grüße, er möchte sicher auch kommen am 6. März abend 8 Uhr in die Post! Beste Grüße, Dein Max Reger".

Am 13. Mai 1899 verfasste der Komponist in Weiden, bayerische Oberpfalz, Allee 22, einen Brief an den Sänger und Gesangspädagogen Prof. Felix Schmidt in Berlin. Reger dankt dafür, dass Prof. Schmidt seine Volkslieder vom Lehrergesangverein singen lassen will. "Vielleicht wenn die Herren Appetit bekommen haben durch die 4, die ich ihnen sandte, daß sie sich entschließen, noch mehrere zu machen. (...) Es ist ja heutzutage so schwer, sich als Komponist ein bißchen bekannt zu machen." An die Genossenschaft deutscher Tonsetzer wendet sich der dritte Neuerwerb aus der Hand von Max Reger. In diesem Brief nimmt er die Wahl in den Beirat der Genossenschaft "mit Vergnügen an" und weist zugleich darauf hin, dass im Falle seine Todes seine Frau Elsa Reger als alleinige Universalerbin berechtigt sei, "die auf mich entfallenden jährlichen Tantiemen von der Genossenschaft deutscher Tonsetzer zu beziehen!" Neben den Briefen für die Max-Reger-Sammlung erwarb das Stadtmuseum 2003 u.a. zwei Wachs-Jesulein, eine große Kastenkrippe, Porzellan aus Weidener Fertigung und historische Fotos.

Unter den 2003 organisierten Ausstellungen fand "Weiden 1950 bis 1980 - eine Stadt hat viele Gesichter" eine besonders starke Resonanz, stellt Petra Vorsatz fest. Auf den Bildern des verstorbenen NT-Fotografen Rudi Bonkoß erkannten unzählige Bürger sich selbst oder Angehörige in ihrer Kinder- und Jugendzeit wieder und baten deshalb um Reproduktionen.

Recherche nach Erben

Seit der Übernahme der Altkartei vom Einwohnermeldeamt im Februar 2003 wird das Stadtarchiv auch häufig für Recherchen in Versicherungs- und Nachlassangelegenheiten in Anspruch genommen. "Wir bestätigen zum Beispiel, wann der Verstorbene in Weiden gelebt hat und welche Angehörigen er hatte, so dass sich feststellen lässt, ob es noch Erben gibt."

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