11.03.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Drei Pflegestufen sind zu wenig für individuellen Bedarf - Offensive der Arbeiterwohlfahrt: Demenz erfordert ständige Betreuung

Immer mehr alte Menschen leiden an Demenz. Doch mit den bisherigen drei Pflegestufen wird man den Bedürfnissen dieser Menschen nicht gerecht, kritisiert die Arbeiterwohlfahrt. Die AWO fordert deshalb die Einführung von Pflegebedarfs- und Personalbemessungssystemen, die sich am individuellen Bedarf der Bewohner orientieren.

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Unter dem Motto "Pflege hat eine Zukunft" startet die Arbeiterwohlfahrt vom 1. bis 14. März eine bundesweite Pflegeoffensive. Die Ziele erläuterte Heidi Heidingsfelder, Leiterin der vom Bezirksverband Niederbayern-Oberpfalz betriebenen Seniorenheime Hans Bauer und Franz Zebisch, in einem Pressegespräch am Dienstag.

"Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass in Zeiten leerer Kassen die Forderungen nicht mehr hochgeschraubt werden können." Doch die bisherigen drei Pflegestufen seien für diesen Bewohnerkreis unzureichend. Der im Sozialgesetzbuch XI festgelegte Pflegebedürftigkeitsbegriff müsse deshalb erweitert werden. "Wir müssen weg vom reinen Pflegestufenschlüssel, hin zur individuellen Bedarfsermittlung", sagte Heidi Heidingsfelder.

"Demenzkranke sind körperlich meist nicht gehandicaped und erhalten deshalb oft eine niedrige Pflegestufe. Aber im Prinzip kann man sie nicht unbeaufsichtigt lassen." Etwa 60 Prozent der Bewohner in beiden Heimen seien demenzkrank, wobei die Krankheit unterschiedlich stark ausgeprägt sei. "Für die 76 Bewohner im Altenheim Hans Bauer stehen 40 Pflegekräfte zur Verfügung, davon etwa 15 in Teilzeit", rechnet Heidingsfelder vor. "Mit drei Teilzeitstellen mehr wäre tagsüber die Betreuung kontinuierlich abgedeckt. Außerdem wäre nachts eine zusätzliche Kraft nötig, weil manche dieser Bewohner vorwiegend nachts aktiv sind." Eine andere Möglichkeit wäre es, eine zusätzliche Stelle für den Sozialdienst zu schaffen, die bei den Pflegekräften nicht mitgezählt wird oder auch der Einsatz von Ehrenamtlichen bzw. Praktikanten unter Anleitung des Sozialdienstes, zeigt Heidingsfelder weitere Lösungsmöglichkeiten auf. Unterstützt wurden ihre Forderungen von den Pflegedienstleiterinnen Waltraud Kahra-Mächtl (Seniorenheim Hans Bauer) und Petra Gierhardt (Seniorenheim Franz Zebisch) sowie von Barbara Rotsch und Christine Kessler, die für den Sozialdienst zuständig sind.

"Demente brauchen eine immerwährende Betreuung", stellte auch Christine Kessler fest. "Wir haben deshalb einen Wochenplan erstellt, der Gymnastik für die körperliche Aktivierung vorsieht. Musiktherapie fördert die Atemtechnik, die Texte trainieren das Gedächtnis. Basteln, Backen und Kochen stärken das Selbstbewusstsein, das gerade bei Demenzkranken stark leidet." Bettlägrige Bewohner würden per Einzeltherapie betreut und gefördert.

Der Aufwand für diese Betreuung werde derzeit nicht ausreichend berücksichtigt. Die Arbeiterwohlfahrt fordert deshalb von den Pflegekassen und den Bezirken als Kostenträger hier entsprechend umzudenken. "Die Menschen werden immer älter und daher steigt auch die Anzahl der gerontopsychiatrisch Pflegebedürftigen", betont Heidi Heidingsfelder und fügt hinzu: "Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass es ,mich nicht trifft' - jeder kann von dieser Krankheit betroffen sein."

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