12.02.2004 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Porzellanfabrik Tirschenreuth zur Vertriebsgesellschaft gewandelt - "CSU on Tour" zu Besuch: Von Produktion zur Lagerhalle

Der Blick in die Produktionsstätte der "Porzellanfabrik Tirschenreuth Bavaria" macht den Besuchern schnell klar: Hier wird nur mehr mit Porzellan gehandelt. Die beiden Brennöfen, umbaut von Schachteln und Ware, werden nur für Muster und Neuentwicklungen eingesetzt. Und hier liegt laut Harald Schedl, kaufmännischer Leiter, die Stärke des Unternehmens: die Entwicklung neuer Stücke, die als Tirschenreuther Qualitätsporzellan weiterhin den Namen "Bavaria" hinaustragen sollen.

von Werner Schirmer Kontakt Profil

Die Geschichte der Tirschenreuther Porzellanproduktion hat in den vergangenen Jahren mehr Tiefen als Höhen erlebt. Nach Werksschließungen und Betriebsaufgaben war 1999 die Gründung der neuen Porzellanfabrik im Industriegebiet ein Lichtblick - allerdings blieb auch das neue Werk nicht von den Problemen des Marktes verschont. Mit dem Einstieg der Investoren Bernd Hofmann und Roland Werner vor zwei Jahren vollzog sich der letzte Wechsel. Über eine Beteiligungsgesellschaft sind sie die aktuellen Besitzer des Betriebes, Hofmann selbst wirkt seit vergangenem Jahr als Geschäftsführer.

Mit ausführlichen Informationen zum Unternehmen sowie einem Einblick in die Betriebsanlagen versorgten Schedl sowie Produktionsleiterin Iris Fennerl am Montag die Besucher aus den Reihen des CSU-Ortsverbandes der Stadt. Im Rahmen der Aktion "CSU on Tour" waren Vertreter des Stadtrates und der Partei Gäste der Porzellanfabrik, durften sich dabei aus erster Hand über die aktuelle Situation unterrichten lassen. Besonders interessierten die Vertreter der Stadt dabei die "Wege, die die Firmen künftig beschreiten wollen".

Peter Gold erwähnte die zurückliegenden Kapitel der Porzellangeschichte in der Kreisstadt. Nach dem Strukturwandel sei hier eine wichtige Industrie "weggebrochen". Mit der "Porzellanfabrik Tirschenreuth sei ein Standbein erhalten geblieben. Und dieses Standbein, hoffte Gold, könnte noch entwickelt werden.

Investoren mit Mut

Bei dem Informationsbesuch wollte Gold zudem die Sorgen des Unternehmens erfahren. Der CSU-Vertreter blickte hier auf die anstehende EU-Erweiterung, die von vielen Firmen in der Region einen Strukturwandel verlangen würde. Bürgermeister Franz Stahl verwies auf die Unterstützung bei der Firmengründung. So etwa hätte die Stadt den Grund zur Verfügung gestellt. Am Montag würdigte Stahl auch das Engagement der neuen Investoren. Sie hätten den Mut hier "anzuschieben".

Vom neuen Geschäftsführer konnte Schedl allerdings nur Grüße ausrichten. Hofmann, dessen Unternehmenszentrale in Mailand angesiedelt ist, konnte die CSU-Gäste nicht persönlich unterrichten. Schedl gestand den Besuchern, dass in dem Betrieb kaum mehr eine Produktion stattfinden würde. Mit den Anlagen könnten die erforderlichen Mengen nicht mehr hergestellt werden. Von großem Wert sei allerdings das Bavaria-Logo. Das Traditionsunternehmen selbst sei mehr zu einer Vertriebsgesellschaft geworden. Neue Wege hat das Unternehmen laut Schedl auch bei der Ausrichtung bestritten. Wurde früher nur der Facheinzelhandel beliefert, so liege heute der Exportanteil bei 80 Prozent. Zu den Kunden zählen auch große Unternehmen, wie etwa "Metro".

Geschirr aus Sri Lanka

Nach den Ausführungen Schedls werden die Teile überwiegend aus den Hofmann-Betrieben in Polen und Sri Lanka verwendet. Dabei würden diese Zukäufe die hohen Qualitätsansprüche durchaus erfüllen. In der Kreisstadt entstünden allerdings die Dekore und natürlich die Konzepte für die neuen Serien. Nach Bedarf könnten auch Sonderartikel in den beiden Öfen hergestellt werden. Und gerade diese Entwicklungsschiene zählte Schedl zu den Pluspunkten des Betriebes in der Kreisstadt.

Noch 20 Beschäftigte

Insgesamt gehören zur Belegschaft der Porzellanfabrik Tirschenreuth derzeit rund 20 Kräfte. Ein weiteres Standbein ist laut Schedl die Stärkung des Werksverkaufs. Mittelweile wurden fünf Läden geschaffen, weitere sollen folgen. Beschäftigt sind in diesem Unternehmenszweig, der den Namen "Azuro" trägt, momentan 15 Personen. Im vergangenen Jahr hat die Porzellanfabrik einen Umsatz von insgesamt vier Millionen Euro erreicht.

Zum Abschluss der Runde durch den Betrieb konnten die Gäste auch einen Blick auf die neuen Produkte werfen. Bei der "Ambiente" in Frankfurt wollen die Tirschenreuther mit ihrer neuen Serie "Plus" die Kunden gewinnen. Gerade in Puncto Funktionalität könnte die Neuentwicklung für ein weiteres "Plus" für das Unternehmen sorgen, betonte Schedl.

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