23.01.2004 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Molotow-Cocktails am Volksfestplatz bewertet Gericht als "Belästigung der Allgemeinheit": "Wollten die Leute nur erschrecken"

In der Nacht im Juli vergangenen Jahres flogen die Molotow-Cocktails. Doch hinter der Aktion stecken keine radikalen Täter, sondern eher "dumme Jungs", die in ihrem Zorn weit über die Strenge geschlagen hatten. Die versuchte Brandstiftung wandelte sich bei der Gerichtsverhandlung deshalb zur "Belästigung der Allgemeinheit". Schließlich war es nie die Absicht, dass bei dem Vorfall jemand zu Schaden kommen sollte.

von Werner Schirmer Kontakt Profil

Auf den ersten Blick hatte sich in der Nacht des 23. Juli 2003 eine durchaus bedenkliche Tat auf dem Volksfestplatz der Kreisstadt abgespielt. Unbekannte hatten damals drei Molotow-Cocktails in Richtung der Wohnwagen einer Gruppe Sintis und Romas geworfen, die auf dem Areal campierte.

Zwei der Brandbomben gingen über 20 Meter entfernt in Flammen auf, eine Flasche zerbrach, ohne sich zu entzünden. Erst Tage später ermittelte die Polizei vier junge Tirschenreuther als Täter.

Vor Gericht versicherten die jungen Leute, dass sie bei der wenig überlegten Aktion niemals Böses im Sinne gehabt hätten. Vielmehr hätte die Aktion die Leute nur erschrecken sollen und sei eigentlich als Reaktion nach einem Vorfall am Nachmittag entstanden.

Einer der jungen Angeklagten schilderte, dass er mit seinem Auto am Nachmittag einige recht sportliche Runden auf dem Volksfestplatz gedreht hätte. Das Driften und Staub aufwirbeln hätten die Sinti und Roma mit Steinwürfen auf sein Auto quittiert, erinnerte sich der 18-Jährige. Aus Blödsinn sei dann im Laufe des Tages die Idee für einen Racheakt entstanden. An ihrem Treff auf dem Großparkplatz seien dann drei Brandbomben zusammengebaut und der Entschluss gefasst worden, die Sinti und Roma damit zu erschrecken.

"Wir wollten die Wohnwagen nicht treffen", versicherten die vier jungen Leute. Und auch Zeugen vom Treff am Großparkplatz erinnerten sich an Aussagen, dass die Bewohner der Wohnwagen nur erschreckt werden sollten. In entsprechender Entfernung seien dann die Brandbomben geworfen worden. Der naheste "Cocktail" landete 24 Meter vor einem Wohnwagen. Danach machten sich die jungen Leute aus dem Staub. "Gleich hinterher haben wir gewusst, dass wir Scheiß gebaut haben", versicherten die Angeklagten Richter Peter Neuner. Nachdem die Tat eine große Reaktion nach sich zog, hatten die jungen Leute auch keinen Mut, selbst zur Polizei zu gehen.

Nach den Befragungen räumte Richter Neuner ein, dass sich die versuchte, schwere Brandstiftung zur "Belästigung der Allgemeinheit" wandeln könnte. Damit wurde den jungen Leuten keine Straftat, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit zur Last gelegt. Ganz ohne Folgen, so konterte Neuner eine Bitte eines Verteidigers auf Einstellung des Verfahrens, sollte die Aktion nicht bleiben. "Immerhin war es keine lächerliche Geschichte."

Der Staatsanwalt wollte dieser Umwandlung nichts entgegenstellen. Für ihren Racheakt hätten sich die jungen Leute jedoch ungeeignete Methoden ausgesucht. Der Anklagevertreter hatte aber keine Zweifel, dass die Aktion die Sinti und Roma nur erschrecken sollte. Als Strafe forderte der Staatsanwalt Geldbußen bis zu 800 Euro. Die Verteidiger befürworteten die Umwandlung und sahen damit den Sachverhalt in die richtige Dimension gerückt. Für ihre Mandanten, die noch in Ausbildung sind oder die Schule besuchen baten sie um niedrige Geldbußen. Die Angeklagten versicherten, dass ihnen die Vorfälle leid tun.

Das Gericht wertete die Vorgänge als Belästigungen und verhängte Geldbußen bis 600 Euro. Die Molotow-Cocktails hätten sich zu weit entfernt entzündet, als dass man von dem Versuch einer Brandstiftung sprechen könnte.

Allerdings hielt Neuner den jungen Leuten schon eine Belästigung der gröberen Sorte vor. "Das war eine große Dummheit, aus der zum Glück nichts Schlimmeres geworden ist!" Von der Verhandlung erwartete sich Neuner auch eine nachhaltige Wirkung. "Ich hoffe, das ich sie hier nicht mehr treffe!"

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