18.06.2004 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Für die Akzeptanz des Asylbewerberheims sind jetzt die Bürger gefordert - Einweihungsfeier: Ein "Leuchtturm" des Miteinanders

Ein "kleines Zuhause" soll das neue Asylbewerberheim für die Menschen werden, die eine zeitlang in der Region leben müssen. So jedenfalls hoffte Landrat Karl Haberkorn am Donnerstag bei der Einweihung des Gebäudes. Und für die beiden Geistlichen der Stadt fügte Pfarrer Georg Flierl hinzu, dass gerade die Christen in der Pflicht stünden, menschlich miteinander umzugehen.

von Werner Schirmer Kontakt Profil

Die derzeit rund 30 Bewohner des Heimes allerdings hörten diese Worte nicht. Sie standen abseits der offiziellen Einweihungsfeier.

Eine Runde von Kommunalpolitiker und Amtsvertreter konnte Kewog-Chef Bernd Büsching am Donnerstag zur offiziellen Einweihungsfeier des Asylbewerberheimes willkommen heißen. Den Gästen stellte Büsching das kürzlich fertig gestellte Gebäude vor und betonte, dass durch diese Maßnahme ein Investitionsvolumen von rund 1,8 Millionen Euro am Ort verblieben sei. Das Heim selbst beinhaltet rund 2050 Quadratmeter Wohnfläche und kann maximal 180 Personen eine vorübergehende Bleibe bieten. Seitens der Regierung wird eine Belegung von rund 85 Prozent angestrebt. Zur Einweihung unterstrich Büsching die gute Arbeit der Planer und Firmen, die ein Gebäude mit beachtlicher Wohnqualität geschaffen hätten.

Einmaliges Projekt

Regierungs-Vizepräsident Johann Peißl verwies auf den Rückgang der Asylbewerberzahlen in Deutschland von rund 400 000 vor zehn Jahren auf derzeit etwa 50 000 Personen. Gerade die Veränderung der Lebensqualitäten in Deutschland hätte die Asylbewerber in attraktivere Länder gezogen. Auf Grund dieser Entwicklung sei es heute auch einfacher geworden, die staatliche Aufgabe der Unterbringung zu bewältigen. Den Neubau in Tirschenreuth bezeichnete Peißl als wohl einmaliges Projekt im Freistaat. Bürgern und Bewohnern wünschte der Vizepräsident ein gedeihliches Miteinander.

Amt bietet Sprechstunden

Landrat Karl Haberkorn versicherte auch in Zukunft das Engagement des Amtes. So würden den Bewohnern wöchentlich Sprechstunden angeboten, bei denen die Anliegen der Asylsuchenden erledigt werden sollen. Zudem hoffte der Landrat auf die Unterstützung der Bürger und Einrichtungen, die im Vorfeld erklärt hätten, menschliche Kontakte zu den Asylsuchenden herzustellen.

Bürgermeister Franz Stahl erinnerte an die ersten Initiativen der Regierung, Unterkünfte für die Asylsuchenden in der Kreisstadt zu finden. Verwaltung und Bürger hätten sich nach Bekanntwerden der Absicht für eine menschenwürdige Unterkunft an einem geeigneten Standort bemüht. Mit der Errichtung des Neubaus durch die Stadt und die Vermietung an die Regierung sei hier eine Lösung gefunden worden, der Stahl auch den Charakter eines Modellprojektes zuschrieb.

Für Toleranz werben

Dabei hoffte der Tirschenreuther Bürgermeister auch künftig auf die Unterstützung der Regierung - und die Erstattung von Kosten für die Bebauungsplanänderung oder Grundstückfreimachung. Zu den nächsten Zielen zählte Stahl allerdings die Punkte "Menschlichkeit" und "Toleranz". Dafür gelte es zu werben und auch die Bevölkerung mit einzubinden. "Bauen wir einen Leuchtturm des Miteinanders", appellierte das Stadtoberhaupt.

Den kirchlichen Segen erteilten der Anlage dann die Pfarrer Ralph Knoblauch und Georg Flierl.

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