14.02.2004 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Drogenbesitz bringt einen jungen Mann drei Monate hinter Gitter - Zeugin änderte Aussage: "Im Leben kaum etwas geändert"

Eine wackelige Zeugin und "mehr Glück als Verstand" haben alles nichts geholfen. Am Ende brachte der Umgang mit einer eher geringen Menge Drogen einen jungen Waldsassener ins Gefängnis. Gerade die nicht unerheblichen Vorahndungen verwehrten dem 23-Jährigen eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung.

von Werner Schirmer Kontakt Profil

In den vergangenen Jahren war der junge Mann aus Waldsassen bereits mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten. "Krönung" der unrühmlichen Laufbahn war dabei eine Haftstrafe, die auf eineinhalb Jahre zur Bewährung ausgesetzt war. Just einen Tag nach Ablauf dieser Bewährung war im Juli 2003 die Wohnung des 23-Jährigen Ziel einer Hausdurchsuchung durch Polizeikräfte. Die Beamten fanden in der Wohnung ein Gramm Amphetamin, drei Gramm Haschisch sowie ein Gramm Haschisch-Tabak-Gemisch - und zwei Bekannte des Angeklagten. Eine von ihnen, eine 23-jährige Frau, war im Besitz einer Ecstasy-Tablette, die angeblich der Waldsassener als Geschenk weitergegeben hatte. Den Besitz des Rauschgifts räumte der Angeklagte ein, nicht aber die Weitergabe der Ecstasy-Pille.

Bei der Gerichtsverhandlung sorgte die 23-Jährige dann für eine Überraschung. Entgegen der Aussage bei der Polizei, gab sie vor Richter Peter Neuner an, die Tablette nicht vom Angeklagten bekommen zu haben. Bei der Vernehmung sei sie sehr aufgeregt gewesen, erinnerte sich die junge Frau und klagte sogar an, dass ihr das Wort im Munde umgedreht worden sei. Den Irrtum hatte die Zeugin schon kurz nach der Vernehmung - und einem Gespräch mit dem Angeklagten - bemerkt. Bei der Verhandlung am Montag wollte die 23-Jährige diesen Fehler nun korrigieren.

"Und das soll ich ihnen glauben", kommentierte der Richter die neue Aussage. Dabei billigte Neuner der jungen Frau zu, dass man in der Aufregung wohl etwas vergessen könnte. "Ihnen ist bei der Polizei aber eingefallen, dass sie die Tablette von dem Angeklagten bekommen haben!" Ungewöhnlich war bei der Verhandlung am Montag, dass die Zeugin nicht sagen konnte, von wem sie die Ecstasy-Pille wirklich bekommen hatte. Hartnäckig ignorierte die junge Frau auch Hinweise, dass falsche Angaben rechtliche Folgen haben könnten. Sie blieb bei ihrer neuen, entlastenden Aussage für den Angeklagten. "Das hätten sie doch gleich am nächsten Tag bei der Polizei sagen können", lastete der Richter der Zeugin an.

Für die Staatsanwaltschaft gab es keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten, der sowohl Rauschgift besessen, als auch weitergegeben hätte. Die geänderte Aussage der Zeugin wertete der Anklagevertreter als Schutzbehauptung. Nachdem der Angeklagte schon einschlägige Vorstrafen hat, forderte der Staatsanwalt eine fünfmonatige Haftstrafe. Richter Neuner sah in seinem Urteil die Schuld des jungen Mannes als erwiesen an. Auch hätte der 23-Jährige wenig aus seinen früheren Strafen gelernt. "Sie hatten mehr Glück als Verstand, dass die Hausdurchsuchung einen Tag nach Ablauf der alten Bewährungsstrafe erfolgte", unterrichtete Neuner den Angeklagten. "Dann hätten sie die 15 Monate absitzen müssen!" Überzeugt war der Richter auch, dass der 23-Jährige die Ecstasy-Pille an die junge Frau weitergeben hatte. "Und das erfolgte noch innerhalb der Bewährungszeit."

Insgesamt errechnete Neuner deshalb eine dreimonatige Haftstrafe. Nachdem keine günstige Sozialprognose gestellt werden könnte, wollte der Richter keine Bewährungschance mehr gewähren. "Sie haben in ihrem Leben kaum etwas geändert", beurteilte Neuner die bisherigen Versuche des Waldsasseners, von den Drogen loszukommen.

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