07.02.2004 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Dr. Erös kämpft für die Zukunft Afghanistans - Ausbildung der Jugend in den Friedensschulen: Täglich sterben Kinder durch Minen

Auf dem Stundenplan steht "Minenkunde"! Nicht ungewöhnlich für die Kinder der Friedensschulen von Dr. Reinhard Erös in Afghanistan. Schließlich sollen die Mädchen und Jungen sicher zum Unterricht kommen; in einem Land, in dem noch zwölf Millionen Minen liegen, kein ungefährliches Unterfangen. Doch Dr. Erös baut auf die Jugend, die nächste Generation, der er zutraut, wieder Frieden nach Afghanistan zu bringen.

von Werner Schirmer Kontakt Profil

Jahrzehnte Krieg, unvorstellbare Entbehrungen, Bomben und Minen aus allen Ecken - in Afghanistan ist Frieden ein Fremdwort geworden. Doch haben die Menschen ihren Stolz, ihre Kultur, ihren "bunten" Islam und ihre Gesetze nicht vergessen. Und gerade die liberale Haltung der Afghanen - nicht der Taliban - schließt die Menschen aus dem Kreis der Terroristen aus, versichert Dr. Erös am Donnerstag bei einem Vortrag im Kettelerhaus. "Kein Afghane ist unter all den gefassten Terroristen. Sie gehören nicht zu den Moslems, die den Islam auf der Welt verbreiten wollen." Aber sie seien auch keine Lämmer. Zu groß ist ihr Misstrauen - nach 23 Jahren Krieg!

Von Regierung enttäuscht

Schnell merkt man die Sympathie des ehemaligen Bundeswehrarztes für dieses Volk, besonders für die Patschunen, die er und seine Frau bei mehrjährigen Aufenthalten in der Region kennen gelernt haben. Seit 1998 ist ein wichtiges "Rezept" des Mediziners die Ausbildung der jungen Menschen indem Land am Hindukusch. In seinen "Friedensschulen" dürfen heute rund 25000 junge Menschen wieder nach Wissen streben, besonders auch die Frauen, die in der Taliban-Zeit völlig entrechtet waren. Bei seinem Vortrag präsentiert sich der gebürtige Tirschenreuther als profunder Kenner der Situation in und um Afghanistan. Vorträge an Universitäten und im Bundestag hat der ehemalige Bundeswehrarzt gehalten, von seinem Wissen viele profitieren lassen, eben um den Menschen zu helfen. Doch die Regierungen haben den Mediziner enttäuscht. Gerade nach dem Krieg mit Russland sei das Interesse der Welt von der Region abgerückt - und erst mit Osama Bin Laden zurückgekehrt.

Bin Laden kein Afghane

Jetzt würden die Afghanen deshalb den Bombenhagel der Amerikaner durchleiden. "Doch Bin Laden ist kein Afghane", betonte Erös. Freilich sind die außergewöhnliche Gastfreundschaft und der gewachsene Stolz des Volkes auch den Topp-Terroristen nicht versagt worden. Keine noch so hohe Kopfprämie würde den Afghanen zu dem unwürdigen Verrat hinreißen lassen. Beim Vortrag am Donnerstag war es deshalb auch ein Porträt Bin Ladens, mit dem Erös seine Ausführungen begann - und auch beendete. Dazwischen stand ein Schnellkurs afghanischer Kultur und Geschichte an deren tragischen Ende die Episode Taliban stand. Doch gerade die Vorgänge des 11. September 2001 hätten den Blick der Weltöffentlichkeit wieder auf Afghanistan gelenkt - und ein falsches Bild ergeben, das Dr. Erös zurechtrücken will.

Bomben bringen nichts

Nicht fehlen durfte der Blick in die Geschichte, ein Viertel Jahrhundert Krieg seit 1979 die Sowjets einmarschierten. Eine Million Menschen starben, sechs Millionen flohen, viele in Lager in Pakistan - und in ein erbärmliches Leben. Zurück ließen die Russen rund 12 Millionen Minen, die heute noch täglich bis zu zwölf Kinder töten. Nach zehn Jahren wissen die Russen, Afghanistan erobern geht nicht. Andere lernten diese Lektion vor ihnen, andere nach ihnen - doch jedesmal überzogen Kriege das Land, in dem 90 Prozent der Fläche kaum bewohnbar sind, die Berge bis in 7000 Meter Höhe ragen. Und der Mann mit 35 Jahren Dienst bei der Bundeswehr sagt heute gerade den Amerikanern: Das Bombardement bringt nichts im Kampf gegen Taliban oder Alkaida.

Seit 1980 wirkt der Deutsche am Hindukusch. War damals im Osten bei den Mudschaheddin, errichtete dort 14 Höhlenkliniken in den schwer zugänglichen Bergen. Pro Jahr wurden dort rund 300000 Menschen behandelt. Gerade Deutsche und Franzosen waren dort aktiv. "Und die Afghanen vergessen ihre Freunde nicht!"

Heute aber würden die Menschen nicht verstehen, dass die Deutschen nicht wieder kommen. Dabei genießen die Deutschen großes Ansehen - und einer kommt heute noch: der deutsche Mediziner, der mit seiner "Kinderhilfe Afghanistan" seine Freunde am Hindukusch nicht vergisst. Im Gepäck meist einen Spendenbetrag als Löhne für Lehrer in seinen Friedensschulen. Oft auch hat Dr. Erös eine Deutsche Flagge dabei, denn die wollen die Afghanen gerne über den Schulen wehen sehen, weil sie stolz sind auf die Unterstützung durch ihre Freunde.

Weitere Informationen:

www.kinderhilfe-afghanistan.de

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