17.06.2004 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bei Sommernachtsparty muss Polizei für Ruhe sorgen - Einschränkungen schaden Vereinsarbeit: "In Dörfern wird der Lärm überhört"

Fröhliche Runde und flotte Unterhaltungsmusik oder Gegröle und störender Lärm - oftmals scheiden sich die Geister, wenn es um die Bewertung der Lärmkulisse bei einem Vereinsfest geht. Letztendlich finden sich in amtlichen Bescheiden genaue Lärmbeschränkungen, die manche Festfreude trüben.

von Werner Schirmer Kontakt Profil

Während beim Volks- und Schützenfest dieses "Korsett" passt, erleben andere Vereine, wie der ATSV, unerwarteten Polizeibesuch. Und Ärger auf allen Seiten ist dann vorprogrammiert.

Dabei müssen Anwohners Ruh' und festliche Laune nicht immer miteinander kollidieren. Am Beispiel Schützenfest wird deutlich, dass die Initiativen von gestörten Anwohnern nicht unbedingt ein traditionelles Fest in der Kreisstadt "beerdigen" müssen. Im vergangenen Jahr hatte hier eine Beschwerde eines Anwohners für Aufregung gesorgt. Von der Regierung waren damals Lärmwerte bestimmt worden, die seitdem die Festbetreiber penibel beachten müssen. So etwa darf zwischen 8 und 20 Uhr nur mehr der Geräuschpegel eines lauten Autos (70 Dezibel) im Anwohnergarten hörbar sein. Je später die Stunde, umso stiller muss es auf dem Festplatz werden.

Genaue Messungen

Seitens des Schützenvereins wird diese akustische Kulisse in den Festtagen genau gemessen. Meist ist auch ein Vertreter der Stadt dabei. Und bislang hat der Lärmpegel seine Grenzen nicht gesprengt. "Der Verein hat hier vorbildliche Arbeit geleistet", weiß auch Bürgermeister Franz Stahl um die Bemühungen der Schützen. Die Sorge, dass der "Lärmdeckel" das traditionelle Spektakel auf dem Festplatz der Kreisstadt "ersticken" könnte, hat sich als unbegründet erwiesen. Weniger glücklich ist allerdings der ATSV Tirschenreuth mit den Einschränkungen, die ihr Sommerfest am Wochenende erfahren hatte. Nur bis 23 Uhr war der Musik- und Festbetrieb per Genehmigung durch die Stadt erlaubt. Und am Samstag machte nach 23 Uhr ein Mitarbeiter der Stadt auf seiner Runde auf eben diese Einschränkung aufmerksam. Doch so gänzlich auf die Stimmungsmusik verzichten wollten die Fußballer dann doch nicht. In nächster Instanz kümmerten sich Polizeibeamte um die Einhaltung der Auflagen - was bei allen Beteiligten wenig Freude verursachte. Ein zweiter Auftritt der Polizei weit nach Mitternacht galt einer "Nachfeier" im eher privatem Rahmen.Für Verantwortliche in den Reihen des ATSV hat das Ende der Sommernachtsparty immer noch einen schlechten Nachgeschmack. Thomas Haberkorn als stellvertretender Jugendleiter kritisiert die Vorgänge, zumal dieses Fest nur einmal im Jahr stattfindet und die Einnahmen dem Verein und in Folge der Jugendarbeit zu Gute kommen würde. Und gerade mit der Jugendarbeit würde der Verein auch eine sozialpolitische Arbeit erfüllen. "Einzelne Personen oder Anwohner, die sich mit aller Macht gegen die Vereinsarbeit stellen, sollten sich dies mal vor Augen halten", beklagt der stellvertretende Jugendleiter.

In Dörfern Zusammenhalt

Dabei geht Haberkorn noch einen Schritt weiter: "Ihr Ziel kann es eigentlich nur sein, die Vereine kaputt zu machen!" Schließlich verweist das ATSV-Mitglied auf die Beispiele in den Dörfern, wo bei Festen zusammengehalten und der Lärm schon mal "überhört" würde, um den Vereinen keine Steine in den Weg zu legen.

Bis ins kommende Jahr haben alle Beteiligten nun Zeit, die starken Töne verklingen zu lassen. Dann werden vermutlich Festlaune und Anwohnerruhe wieder für Misstöne sorgen.

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