01.10.2020 - 15:18 Uhr
Seebarn bei Neunburg vorm WaldOTon

Vorbild Oma: Mit Glaube, Vertrauen und Liebe das Leben meistern

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Mit Zuversicht durchs Leben gehen, das hat die Oberpfälzer Künstlerin Miriam Ferstl von ihrer Oma gelernt. Zusammen präsentieren sie nun eine Porträtserie, die direkt ins Herz geht.

Die Ausstellung "Farm Fatale" ist in der Sparkasse Schwandorf bis zum 23. Oktober zu sehen.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Aus dem Esszimmer der Familie Ferstl ist herzliches Lachen zu hören. Miriam Ferstl sitzt mit Oma Maria Deml am Küchentisch, vor sich warmen Zwetschgenkuchen – frisch aus dem Ofen. „Die sind aus dem Garten“, schmeckt die Oma heraus und grinst zufrieden. Miriam Ferstl lebt und arbeitet mittlerweile in München. Wenn sie für ein paar Tage nach Hause kommt, ist ein Treffen mit der Oma Pflicht.

Schon als Kind verbrachte die 34-Jährige viel Zeit bei den Großeltern, die im Nachbardorf einen Bauernhof bewirtschafteten. „Ich erinnere mich an viele schöne Erlebnisse mit meinen Cousins und Cousinen“, blickt Miriam Ferstl zurück. Den Duft von Wiesen und Heu assoziiert sie auch heute noch mit Freiheit, Heimat und Glück.

Anderes Leben – gleiche Werte

Vor ihrem Leben als freischaffende Künstlerin arbeitete sie als Autorin, Darstellerin und Dramaturgin bei Theater- und Filmproduktionen und beim Bayerischen Fernsehen als Redakteurin. Vor vier Jahren wagte sie dann den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Schritt gemacht habe, auch wenn einem alle davon abraten“, erzählt sie.

Neue Wege zu gehen, das setzt Mut und Vertrauen voraus. Wie man dem Leben und auf Gott vertraut, hat Miriam Ferstl von ihrer 96-jährigen Oma gelernt. „Oma lebt ein ganz anderes Leben als ich, aber die Werte, die sie verkörpert, sind überall gültig und in vielen Punkten erstrebenswert“, schwärmt sie. „Ich bin zufrieden und bete viel“, sagt Maria Deml dazu. Sie ist in Ferstls Leben fester Ankerpunkt und „Erdung“. Die Oma habe „einen Weg gefunden, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen zu meistern, vielleicht auch aufgrund ihrer großen Willensstärke“, findet Ferstl.

Glaube, Vertrauen und Liebe, das sind die Werte, die Maria Deml an die gesamte Familie weitergegeben hat. Nicht nur ein ähnlicher Blick auf das Leben verbindet die beiden, sondern auch der Humor. So setzt sich die Oma schon mal in den Beichtstuhl, damit „der Pfarrer nicht so alleine ist“.

Gemeinsames Kunstprojekt

„Die Oma mag sehr gerne fotografiert werden“, erzählt Miriam Ferstl und entlockt der Oma damit ein verschmitztes Grinsen. Gemeinsame Augenblicke hält sie bereits seit einigen Jahren mit ihrer Kamera fest. Als die Sparkasse Schwandorf ihr Platz für eine Ausstellung anbot, war ihr klar: „Jetzt mache ich etwas für sie.“ 21 Fotografien hat Ferstl für die Ausstellung ausgesucht – ältere und neuere. So zeigt ein Bild die Oma hinter einem verschlossenen Fenster. „Das habe ich zu Beginn der Pandemie aufgenommen, als ich sie nicht besuchen konnte.“

Dass sie nun im Mittelpunkt steht, konnte Maria Deml erst gar nicht glauben. Die Ausstellung „nehm i etz a no mit“, freut sie sich. „Es ist quasi eine Gemeinschaftsarbeit“, erzählt Miriam Ferstl. Alle Passepartouts hat die Oma mit Aussagen aus ihrem Alltag beschriftet. „Das sind Sätze, die sie immer wieder wiederholt, an die sie glaubt, die sie ausmachen“, erklärt sie. Und so steht da nun auf einer Arbeit: „Etz trau i mi alles sagen.“

Ein einfacher Rahmen aus Holz umschließt das Porträt, auf dem die Oma auf ihrem blauen Sofa sitz – schlicht und dennoch berührend. Von den Bildern – teilweise in schwarz-weiß – gehen eine Wärme und Herzlichkeit aus, die den Wunsch auslösen, Maria Deml persönlich kennenzulernen. „Die Oma ist sehr offen und erzählt gerne aus ihrem Leben. Sie hat bei aller Aufrichtigkeit einen großen Schalk im Nacken. Das macht sie zu einem einmaligen, sehr interessanten Menschen“, so Ferstl.

Faszination Kronleuchter

Dass Miriam Ferstl heute als freiberufliche bildende Künstlerin und Fotografin arbeiten kann, verdankt sie, neben den Werten ihrer Oma, einer Reise nach Kroatien. Damals war sie als Sängerin mit einer kroatischen Band auf Tour. Auf der Insel Brac entdeckte sie in einer kleinen Inselkirche einen prächtigen Kronleuchter, der sie faszinierte. Sie stellte sich direkt darunter und fotografierte nach oben.

Der Aufbau der Leuchter und dessen Ähnlichkeit zu Formen aus der Natur ließen sie nicht mehr los. „Mich interessieren besonders Kronleuchter an Orten der „Erleuchtung“ – in sakralen Räumen, aber auch in Bibliotheken oder Theaterhäusern“, erzählt sie. „Von diesem Moment an wusste ich, dass ich dem nachgehen und das Entdeckte teilen möchte.“ Und so begann die Suche nach weiteren Kristallleuchtern. Allein in Kroatien fotografierte sie über 100, es folgten Fotoreisen nach Tschechien, in die Schweiz, nach Österreich, Tunesien und Italien.

Kraft der Bilder weitergeben

Vor drei Jahren wurden die Aufnahmen als Gicléedrucke zwischen Acrylglas erstmalig in der Galerie Anaïs in München ausgestellt. Es folgten weitere Ausstellungen unter anderem in Rom für die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl, im Museum of Fine Arts in Split, bei der Licht Kunst Biennale Hildesheim oder im Meštrovic Pavillon in Zagreb. Derzeit wird die Serie im Rahmen des Lichtkunstfestivals „Berlin leuchtet“ an die prominente Gedächtniskirche in Berlin projiziert.

Mit ihrer Kunst möchte die 34-Jährige auch dem Besonderen im Alltäglichen Aufmerksamkeit schenken. „Es ist großartig, meine Sicht auf die Welt und die Freude, die ich dabei empfinde, teilen zu können.“ Während Ferstl ihre Arbeit beschreibt, strahlt Maria Deml ihre Enkeltochter an. „Spaß muss sein“, ergänzt sie. Das Leben mit Humor, Liebe und Vertrauen angehen, darauf setzen beide – Miriam und Oma Maria.

Hier lesen Sie alles zur Ausstellungseröffnung "Farm Fatale"

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Neunburg vorm Wald

Hier gelangen Sie zur Themenseite "Kunst"

Hintergrund:

Zur Person

  • Miriam Ferstl wurde 1986 in Oberviechtach geboren und studierte Germanistik, Theater- und Medienwissenschaften in Bayreuth.
  • Bis 2015 arbeitete sie als Dramaturgin, Redakteurin, Autorin und Darstellerin bei Theater und Film in Bochum und München sowie in der Spielfilmredaktion des Bayerischen Fernsehens. 2018 begann sie ein Studium der Freien Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in München.
  • Ihre Werke waren unter anderem in München, Zagreb und im Deutschen Pilgerzentrum in Rom zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung „Yoko Ono – Peace is Power“ stellte sie gemeinsam mit Ono eine Glasskulptur in Leipzig aus.
  • Unter dem Titel „Farm Fatale“ präsentiert Ferstl bis zum 23. Oktober in der Sparkasse Schwandorf Fotografien ihrer Großmutter.
  • Auf ihrem Instagram-Account (miriammferstl) und ihrer Internetseite (www.miriamferstl.com) gibt die Künstlerin weitere Einblicke
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