24.09.2020 - 15:00 Uhr
OberpfalzOTon

Stolzer Kämpfer für "unsere Natur"

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Bei Frost im Winter und drückender Schwüle im Sommer. Für Tobias Ott gibt es nichts schöneres, als in den heimischen Wäldern zu arbeiten. Als Forstwirt-Azubi sieht sich der 21-Jährige als Kämpfer gegen den Klimawandel.

Gemeinsam mit Ausbildungskoordinator Thomas Parton kümmert sich Tobias Ott um junge Schwarzerlen auf einer Nassfläche nahe Tillyschanz an der tschechischen Grenze. Damit die kleinen Bäumchen genügend Licht bekommen, muss die Begleitvegetation ausgekesselt werden, so die Fachsprache für das händische Abmähen der Gräser außen herum.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Holz ist seine Leidenschaft. Von klein auf verbrachte Tobias Ott aus Wampenhof (Markt Waldthurn) mit den Eltern und dem Opa viel Zeit in den Oberpfälzer Wäldern. Sein Berufswunsch stand bereits als Kind fest: "Ich will im Wald arbeiten, es muss was mit Holz zu tun haben." Doch der Weg hin zu seinem heutigen Arbeitsplatz bei den Bayerischen Staatsforsten Flossenbürg war verschlungen.

Nach der Mittelschule begann der damals 17-Jährige eine Zimmerer-Ausbildung. Es ist Otts Plan B: "Ich wollte eigentlich Forstwirt lernen, doch der Forstbetrieb Flossenbürg hat damals nicht mehr ausgebildet", begründet er die Entscheidung. Schon hier zeigt sich: Ott hat ein Händchen für den Werkstoff Holz. "Ich habe als Prüfungsbester des Zimmererbezirks Weiden abgeschlossen."

Chef verärgert über Kündigung

Dementprechend groß war der Unmut bei seinem damaligen Chef, als der gebürtige Weidener nach seiner Lehre und einem Berufsjahr in dem Zimmerei-Familienbetrieb überraschend kündigte: "Der Chef war etwas eingeschnappt." Ott hatte einen Bericht im Neuen Tag gelesen, dass der Forstbetrieb Flossenbürg nun doch wieder Azubis einstellt. "Ich habe gründlich überlegt und mich dann beworben." Den Einstellungstest besteht Ott mir Bravour. "Ich war einer von drei, die aus einer Gruppe von 13 Bewerbern genommen wurden", berichtet er über den Start seiner zweiten Lehre im September 2018. "Ich habe es nie bereut, den Schritt gegangen zu sein", sagt er heute.

Gemeinsam mit neun anderen Azubis ist Ott nun Teil des Forstbetriebs Flossenbürg. Untergliedert in acht Reviere kümmern sich circa 80 Mitarbeiter um rund 16 000 Hektar Staatsforst entlang der tschechischen Grenze zwischen Plößberg im Norden und Oberviechtach im Süden. Eingesetzt in der "Lehrlings-Werkstatt" in Tillyschanz (Markt Eslarn), bedeutet das für Tobias Ott jede Menge arbeitet - und zwar fast ausschließlich im Freien.

"Von der Pflanzung über die Pflege bis hin zur Holzernte – wir haben mit allem zu tun, was der Wald bietet." Auch Naturschutz, der Bau von Hochsitzen oder der Erhalt von Wegen für Wanderer und Radfahrer gehört zu den täglichen Aufgaben. "Sommer wie Winter, ich bin tagtäglich an der frischen Luft. Man sollte schon damit klar kommen, dass man auch mal nass wird", sagt der 21-Jährige, für den ein Büro-Job ein Graus wäre. Die Arbeit in den Höhenzügen des Oberpfälzer Waldes ist für Ott erfüllend. "Für mich gibt es nichts schöneres, als draußen zu arbeiten."

Jagd als Feierabend-Ausgleich

Und selbst das ist dem Wampenhoferer nicht genug. In seiner Freizeit macht er den Jagdschein, um auch die Abendstunden in der Natur verbringen zu können. "Mir gefällt es, wenn ich meine Tagesarbeit erledigt habe, mich abends in Ruhe hinzusetzen, bei Sonnenuntergang das Wild zu beobachten und einfach abzuschalten." Dabei gehe es ihm keineswegs darum, "alles abzuknallen, was hinter dem Baum hervorlugt", sondern Zeit in der Natur zu verbringen und diese zu schützen, sagt der Forstwirt-Azubi.

Höchste Alarmstufe im Oberpfälzer Wald: Die Bäume sterben durch Trockenheit, sagen Experten.

Flossenbürg

Wolf und Luchs "gehören dazu"

Genauso hält er es mit Luchs und Wolf - Beutegreifer, die in der Oberpfalz lange ausgerottet waren und nun hier wieder heimisch werden. "Der Wolf war ja früher schon einmal hier. Wolf und Luchs gehören für mich zum Biosystem dazu, genau wie der Biber. Der war auch schon ausgerottet und ist nun wieder etabliert. Sollte der Bestand beim Wolf künftig deutlich anwachsen, könnte auch eine Bejagung wieder möglich werden."

In seinem Berufsalltag aber hat Ott die beiden Raubtiere noch nie zu Gesicht bekommen. Ganz im Gegenteil zum Borkenkäfer. Das Insekt wird ab 15 Grad aktiv und ist besonders für Fichten eine tödliche Gefahr. "Zwischen Juni und November ist es unser Hauptjob, dem Käfer hinterherzurennen und den Wald zu retten", sagt Ott. Die Klimaerwärmung beschäftigt auch den Nachwuchs-Forstwirt täglich. "Unser Klima wird immer trockener. In der Folge werden Bäume anfällig für Krankheiten und den Borkenkäfer. Wir versuchen deshalb, heimische Baumarten an die Trockenheit zu gewöhnen und durch Test-Pflanzungen herauszufinden, welche Bäume mit weniger Wasser auskommen."

Obwohl in Deutschland ursprünglich vor allem Buchenwälder verbreitet waren, sei in den vergangenen Jahrhunderten die Fichte in Deutschland heimisch gemacht worden. Das rächt sich nun, da die Fichte die zunehmende Wärme nicht verträgt. "Wir geben alles dafür, dass wir den Wald aufrecht erhalten können, gerade in Zeiten des Klimawandels. Deshalb bin ich stolz, den Job zu machen, denn wir kümmern uns um unsere Natur." Allein im Bereich des Flossenbürger Forstbetriebs werden jährlich rund 60 000 Bäume gepflanzt, um Verluste durch die Holzwirtschaft oder den Klimawandel auszugleichen.

Faszinierende Holzernte

Ist ein Baum vom Borkenkäfer befallen, drängt die Zeit. "Der Baum muss dann aus dem Wald, noch bevor der Käfer sich unter der Rinde vermehrt, ausschwärmt und den nächsten Baum befällt." Allein im vergangenen Jahr hat Ott deshalb zwischen 300 und 400 Bäume geschlagen. "Ein Baum wird nie ohne Grund gefällt, ich habe Respekt vor der Natur", sagt der Azubi. Und doch hat die Holzernte etwas faszinierendes für Ott: "Einen hiebsreifen Baum mit eigener Kraft zu Fall zu bringen und das Geräusch, wenn der Baum am Boden aufschlägt, das ist schon fast ein Gänsehaut-Moment."

Der Handschlag wird auch die Coronakrise überstehen - in moderneren Varianten.

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