09.07.2020 - 15:45 Uhr
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Modedesigner aus Erbendorf: Hingabe in jedem Shirt

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Mode ist Liebe, ist Maxi Wiesent überzeugt. Der 23-Jährige aus Erbendorf ist Modedesigner geworden, weil er zeitlose Kleidungsstücke kreieren will, die er in seinem eigenen Schrank vermisst.

Nicht nur beim Shooting für den Online-Shop achtet Maxi akribisch auf Qualität Details.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Maximilian Wiesent liebt Mode. Woher dieses Faible kommt, kann der 23-Jährige auf Anhieb gar nicht sagen. Sein Freund Emrah Kajhan teilt diese Leidenschaft für Fashion. Nächtelang saßen die zwei Freunde im Keller in Emrahs Wohnung, rauchten zu viele Zigaretten, tranken zu viele Energiedrinks - im Gespräch drehte sich alles um Mode. Immer redeten sie über ihre Idee, Kleidungsstücke zu designen mit Liebe und Hingabe. "Wir wollten das einfach aus Liebe zu Mode heraus machen", erzählt Maxi.

Die Idee eines eigenen Labels spukte schon länger im Kopf des Erbendorfers herum, der seit 2016 in Bayreuth lebt. Bereits als Teenager entwarf er für seine Skater-Freunde T-Shirts mit Motiven. Nach seinem Abschluss an der Realschule in Kemnath machte Maxi eine Ausbildung an der Hotel- und Tourismusfachschule in Wiesau. Als Eventmanager verschlug es den Oberpfälzer zunächst nach Österreich. Dort merkte er, dass er die Mode-Idee nicht mehr aus dem Kopf kriegt.

Im Club, beim Sport, im Job

Maxi und Emrah schrieben sich für den Studiengang Modedesign an der Pop-Akademie, einer privaten Hochschule in Nürnberg, ein. Sie planten ihr Label und fertigten Schnitte und Muster. Nach einem Jahr stiegt Emrah aus. "Er wollte eine andere Geschäftsidee verfolgen", sagt Maxi. Seitdem steht der junge Mann alleine hinter dem Label "based on love". Weil Maxi keine Lust hatte, nach Nürnberg umzuziehen und sein Lebensmittelpunkt in Bayreuth war, pendelte er zum Studienort. "In Bayreuth sind meine Freunde, da hab ich alles was ich brauch'. Die Stadt gefällt mir."

In allen Seminaren hatte der Student immer "based on love" im Hinterkopf. Bis alles zur Zufriedenheit des jungen Designers war, plante er zwei Jahre. "Erst wenn ich zu 100 Prozent zufrieden bin, gebe ich die Kollektion raus. Ich muss ja auch dahinterstehen."

Die erste Kollektion präsentierte der Designer im September 2019. Alle T-Shirts, Hoodies und Sweatpants sind Unisex-Größen, ein bisschen oversized. "Sie können von jedem überall getragen werden: Im Club, beim Sport, im Job oder Freizeit." Die Stücke sind in Grau, Schwarz und Weiß gehalten. "Ich wollte etwas zeitloses schaffen", erklärt Maxi. Merkmal ist der große, auffällige Print am Rücken. In der zweiten Kollektion, die seit April im Online Shop ist, ist der Druck Rot. Neben seiner Liebe zur Mode hat Maxi ein Faible für Astronomie. Das brachte er in seine aktuelle Kollektion ein: "Astronaut" steht auf einigen T-Shirts und Pullis. Der Oberpfälzer spielt gern mit Kontrasten. Entweder auffällige riesengroße Signatur oder kleine Details. "Für meine dritte Kollektion kommt noch mehr Farbe ins Spiel", verrät er. Außerdem ist sein Ziel, dass man mit der nächsten Reihe ein ganzes Outfit von "based on love" tragen kann - vom Shirt bis hin zu den Socken und Accessoires.

Label per Hand eingenäht

Jedes Teil ist auf 100 Stück limitiert. Insgesamt will Maxi so viel wie möglich selbst machen. Der Wahl-Bayreuther fertigt die Schnitte selbst. In die Einzelteile näht er von Hand das Label ein. Auch die Verpackung designte er. In seinem Elternhaus in Erbendorf, in Maxis ehemaligen Kinderzimmer im Keller, ist das Lager einquartiert. Zweimal die Woche ist der 23-Jährige dort. Seine Mutter unterstützt ihren Sohn beim Päckchenpacken oder erledigt Botengänge zur Post. "Mit jedem Stück, verschicke ich ein bisschen Liebe", sagt er.

Auch der Kontakt zu den Herstellern ist Maxi wichtig. Er sucht den Stoff selbst aus, kauft ihn ein und schickt ihn dann in die Türkei, wo die Teile produziert werden. Es dauerte, bis der Designer eine passende Produktionsfirma gefunden hatte. "Oft schickt man einen Schnitt hin und es kommt etwas komplett anderes zurück." Aber dort passte alles. Als Rohling kommen die Teile zurück und werden lokal in Bayreuth bedruckt. Mindestens einmal im Jahr ist der Mode-Liebhaber in der Schneiderei in der Türkei vor Ort, zwei Mal in Paris - nicht auf der Fashion-Week, sondern auf einer Stoff- und Modemesse -, fast wöchentlich in der Druckerei in Bayreuth. Das habe einerseits etwas mit Qualitätskontrolle zu tun, aber eigentlich geht es mehr um die gute Zusammenarbeit, findet Maxi.

Reisen und Musik als Inspiration

Mit der zweiten Kollektion ist das Label gewachsen. Die Verantwortlichen eines Ladens in Bayreuth kamen auf den Modedesigner zu und fragten, ob sie seine Teile verkaufen dürfen. "Daran hatte ich gar nicht gedacht", freut sich Maxi. Anders als im Online-Shop kann man die Sachen dort anfassen, anprobieren, notfalls umtauschen. Seine Kunden kommen aus Bayreuth, Nordrhein-Westfalen, aber auch aus Spanien und den USA. "Amerika war ein besonderer Clou. Ein NFL/NBA-Spieler hatte ein Shirt von mir an, als Paparazzi ein Foto von ihm machten. Danach kamen super viele Bestellungen rein." Der Wahl-Bayreuther kann gut von seinem Label leben.

Zwei Mal im Jahr will er eine Kollektion rausbringen, die nächste steht im Herbst an. Eine Kollektion fertigt er innerhalb eines Monats. "Ich brauche den Druck irgendwie." Maxi will das Angebot ausweiten: Socken, kurze Hosen, Geschenkgutscheine. Zu diesem selbstständigen Arbeiten gehört viel Disziplin. Sein Büro hat er in seiner Wohnung in Bayreuth, meist arbeitet er vom Bett aus. Morgens macht er Sport im Fitnessstudio oder geht laufen, dann kümmert er sich um seine Kollektion, die Termine oder fährt ins Lager nach Erbendorf. "Es ist schwer, faul zu sein", stellt er fest. Und: "Klar gibt es Tage, an denen ich den Fokus verliere, aber ich hoffe, dass der Tag nie kommt, an dem ich sage, ich will das nicht mehr machen." Inspiration holt er sich auf Reisen oder durch Musik. Er bereist europäische Metropolen oder erkundet Australien. Am liebsten reist der 23-Jährige allein.

Produkt für sich sprechen lassen

"Für mich ist es das Größte, wenn ich fremde Leute in der Stadt sehe, die in meinem Klamotten rumlaufen", sagt der Designer. Besonders stolz macht es ihn auch, wenn sein Vater einen seiner Pullis beim Rasenmähen trägt, oder Freunde ein "based on love"-T-Shirt beim Weggehen anhaben. Maxi selbst trägt sehr selten Stücke, die er entworfen hat. "Ich weiß gar nicht warum. Aber ich habe sie ja schon monatelang im Kopf und jeden Tag mit ihnen zu tun", vermutet er.

Von sich selbst denkt der 23-Jährige, dass er ein schlechter Verkäufer ist. Neben dem Studium jobbte er im Snipes: "Mitarbeiter des Monats bin ich nie geworden", sagt Maxi und lacht. "Ich lasse das Produkt lieber für sich selbst sprechen." So ist es auch bei seinen eigenen Kleidungsstücken. Das Besondere sei die Gesamtkombination aus Stoff, Schnitt und Druck. "Klar, das Produkt T-Shirt hab ich nicht neu erfunden und sich eines mit einem fertigen Motiv bedrucken zu lassen, ist nicht schwer. Ich kann auch verstehen, dass jemand 40 Euro für ein T-Shirt zu viel findet." Aber die Sorgfalt und Liebe, die in jedem einzelnen Produktionsschritt steckt, könne Fast-Fashion - ein T-Shirt für zehn Euro - nicht leisten.

"Ich bin einfach nur glücklich, dass ich das machen kann, was ich wirklich will", sagt der Jüngste von drei Geschwistern. Auch anderen Menschen will er mit auf den Weg geben, dass sie den Mut haben sollen, ihren Traum zu verwirklichen. "Ich will nicht in 40 Jahren dasitzen und es bereuen, dass ich es nicht wenigstens versucht habe."

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