22.07.2021 - 15:38 Uhr
OTon

Die Avocado-Prinzessin

Seit fünf Jahren ist Katrin Pasieka-Zapf stolze Besitzerin einer Avocado-Pflanze – selbst gezogen natürlich. Aber das Eigengewächs hat seinen eigenen Kopf und kann sehr anspruchsvoll sein.

Löcher und braune Stellen an den Blättern – so ähnlich sieht auch der Avocado-Baum von Katrin Pasieka-Zapf aus.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Wer mit dem Gedanken spielt, selbst eine Avocado aus einem Kern zu ziehen, der sei gewarnt: Avocados sind ganz schön zickig und sehr schnell beleidigt. Ich spreche da aus Erfahrung. Seit fünf Jahren lebt dieses Lorbeergewächs nun schon bei mir. Aus dem braunen Kern hat sich ein 1,20 Meter großes Bäumchen entwickelt. Mit vielen langen, ovalen Blättern. Da könnte man meinen: Viel ist da nicht schiefgegangen. Aber das Gewächs bringt mich regelmäßig auf die Palme – also mindestens zwei Mal im Jahr. Zuletzt vor ein paar Wochen.

Das Wetter ist schön. Zeit für die feine Dame ins Sommerquartier auf unserer Terrasse zu ziehen. Die kalten Monate verbringt sie inzwischen im Treppenhaus. Das war nicht immer so. In ihrem ersten Winter stand sie auf dem Fensterbrett, direkt über der Heizung. Die heiße und trockene Luft war ihr aber schnell ein Dorn im Auge. Die Blätter wurden braun, fielen ab. Nächster Versuch mitten im Wohnzimmer: gescheitert. Auch mit dem Büro meiner Eltern war sie nicht zufrieden. Letzte Hoffnung Treppenhaus: Die Glasbausteine lassen genügend Licht hinein, die Luft ist immer gleich kühl – damit gibt sie sich zufrieden.

Nun ist es aber Zeit für die Terrasse. Viel Sonne, gutes Regenwasser, dazu frische Erde. Das wird ihr bestimmt gut tun. Weil ich dieses Mal nichts falsch machen will, recherchiere zuvor, welche Erde sich am besten eignet. Im Baumarkt kaufe ich einen Sack Substrat für Zitrusfrüchte. Dann geht es los: Ich schleppe das Bäumchen nach draußen, frische Erde drauf, angießen, fertig. Sieht gut aus, denke ich mir. Aber schon am nächsten Tag wendet sich das Blatt. Von meiner Aktion hält Miss Avocado herzlich wenig, lässt alle Blätter schlaff herunterhängen. Am nächsten Morgen wellen sie sich sogar nach innen. Panisch kontrolliere ich die Feuchtigkeit im Topf. Hat sich Staunässe gebildet? Aber: alles in Ordnung. Ihr Zustand verschlechtert sich dennoch zusehens. Die Blätter bekommen rote und braune Spitzen, fallen zu Boden. Richtig nackig sieht sie jetzt aus. Was soll ich tun? Die neue Erde wieder rausschaufeln? Ich stelle mich stur, auch wenn ich Angst habe, das Pflänzchen nun endgültig niedergemacht zu haben. Ein paar Tage später die Wendung: Die zehn verbliebenen Blätter stellen sich etwas auf. Die braunen Stellen breiten sich nicht weiter aus. Na da schau an, denke ich mir. Gras ist allerdings nur bis zum Rückzug ins Treppenhaus über die Sache gewachsen.

Natürlich ist das meine Meinung!

Oberpfalz
Hintergrund:

OTon

In der Kolumne „OTon“ schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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