29.10.2020 - 08:00 Uhr
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Maskenpflicht an Schulen: Das sagen Schüler aus Amberg dazu

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Die Coronazahlen nehmen rasant zu, für die Schüler in der Oberpfalz bedeutet das vor allem eins: Maske an im Unterricht. Eltern und Lehrer diskutieren darüber. Doch was halten die Schüler selbst davon? Oberpfalz-Medien hat nachgefragt.

Lehrer, Eltern, Politiker: Alle reden über die Maskenpflicht an Schulen. Doch was sagen eigentlich die Schüler dazu?
von Kathrin Moch Kontakt Profil

13 Uhr, Schulschluss am Max-Reger-Gymnasium (MRG) in Amberg. Neben der Schultasche tragen die herausströmenden Schüler alle das gleiche Accessoire: Eine Maske. Als die Coronazahlen in den vergangenen Wochen rasant steigen, schalten auch die Gesundheitsämter zügig in Phase 2 oder 3 des Drei-Stufen-Plans. Für Schüler bedeutet das vor allem eins: Maske an im gesamten Schulgebäude – auch im Unterricht. Während Lehrer, Eltern und Politiker intensiv über die Notwendigkeit der Maßnahme diskutieren, haben sich die Schüler aus Amberg längst an die Maske gewöhnt. Doch sie geben zu: Aller Anfang war schwer.

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Aller Anfang war schwer

Für die Schülersprecherinnen des MRG, Nina Ringer (15) und Celina Beyerlein (15), war das Tragen der Maske am Anfang des Schuljahres noch unvorstellbar. Mittlerweile ist es Alltag. Celina meint: "Ich hab mich gut daran gewöhnt. Ich wäre froh, wenn ich die Maske nicht tragen müsste, aber ich trag' sie, um Schlimmeres zu verhindern." Die 15-jährige Nina hatte vor allem anfangs Kopfschmerzen, eine Freundin von ihr plagte sogar Migräne.

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Gesundheitliche Probleme

Von gesundheitlichen Problemen zu Beginn der Maskenpflicht berichten einige Schüler im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Wie Nina, hat auch die 20-Jährige Laura Gurdan (FOS Amberg) Beschwerden: "Ich bekomme mit der Maske extrem schnell Kopfschmerzen." Für Corey Michel (BOS Amberg) machen die sinkenden Temperaturen das Tragen der Maske etwas erträglicher: "Ich fand es vor allem am Anfang – als es noch wärmer war – stressig."

Lernen mit Maske

Stressig ist für viele Schüler auch der Unterricht mit Maske. Nina Ringer meint: "Im Unterricht ist es schwierig die ganze Zeit die Konzentration zu halten. Gerade bei Abfragen und Exen." Eine Ausrede für schlechte Noten ist die Maske für Nina aber nicht: "Meine Freunde und ich sind genauso gut wie letztes Jahr. Man kann zuhause ja nochmal alles wiederholen." Für Philipp Schötz (16) von der Wirtschaftsschule in Amberg war zu Beginn die Verständigung ein Problem: "Man musste gefühlt schreien, ohne Maske ist man jetzt automatisch lauter." Den Schülern von der FOS/BOS Amberg fehlt vor allem die Mimik.

Corey Michel erklärt: "Beim Referat ist es für mich besonders komisch, wenn ich durch die Maske nicht sehen kann, wie Lehrer und Schüler darauf reagieren." Auch Marina Schirner (FOS Amberg) hat beim Lernen mit der Maske zu kämpfen: "Was ich wirklich nervig finde ist, dass ich teilweise meinen Text auf dem Blatt gar nicht richtig lesen kann, weil die Maske hochrutscht." Besonders schwierig sei auch gewesen, alle neuen Lehrer mit Maske kennen zu lernen: "Das hat so viel Mimik genommen. Oft hat man die Lehrer ohne Maske gar nicht erkannt." Laura Gurdan pflichtet ihr bei und ergänzt: "Mir läuft die ganze Zeit die Brille an, dann kann ich die Tafel nicht lesen. Mich irritiert die Maske auch beim Sprechen oder Lesen."

Zeichen der Solidarität

Trotz aller Unannehmlichkeiten stellen die Schüler die Maske nicht infrage. Die Einsicht für den Nutzen ist groß. Viele von ihnen würden sie sogar freiwillig tragen. Celina Beyerlein geht mit der Maske "lieber auf Nummer sicher". Sie kann nicht nachvollziehen, dass viele keine oder die Maske falsch tragen. Für Nina Ringer müssen jetzt "alle in der Gesellschaft zusammenhalten, um einen zweiten Lockdown zu verhindern". In der Klasse von Philipp Schötz gab es ein besonderes Zeichen der Solidarität: "Die Geschwister einer Mitschülerin sind krank und gehören zur Risikogruppe. In der Klasse haben wir uns deshalb nach dem Ende der offiziellen Maskenpflicht dazu entschieden, die Maske weiterzutragen." Laura Gurdan hat "auf den Gängen noch niemanden ohne Maske gesehen", die Maskenpflicht werde eigentlich von allen gut eingehalten.

Sinn der Maskenpflicht?

Trotz der Einsicht sind einige Regelungen der Maskenpflicht im Alltag für die Schüler nur schwer nachvollziehbar. Nina Ringer führt ein Beispiel an: "Im Unterricht sitze ich neben meiner Banknachbarin mit Maske. Beim Mittagessen im Restaurant sitzen wir auch nebeneinander – ohne Maske." Gleiches gelte für die Situation nach Schulschluss. An der Bushaltestelle stünden auch wieder verschiedene Schüler ohne Maske nebeneinander. Auch Marina Schirner hinterfragt ab und zu die Maskenpflicht: "In der Pause nehme ich die Maske zum Essen dann auch wieder ab und bin bei meinen Mitschülern."

Nina lässt ihre Maske auch in der Innenstadt – ohne Verpflichtung – gerne auf. "Wenn ich merke, da treffen jetzt viele Leute mit denen ich gar nichts zu tun habe aufeinander, dann setz ich die Maske auch freiwillig auf." Auch Corey Michel trägt die Maske gerne freiwillig – der Grund ist seine Oma: "Ich wohne bei meiner Oma und die ist schon 90 Jahre alt. Um sie zu schützen, ist es mir das auf jeden Fall wert."

Nein zu Home-Schooling

Egal, ob mit oder ohne Maske, in einem sind sich alle Schüler einig: Sie wollen auf jeden Fall lieber in der Schule als wieder von daheim unterrichtet werden. Marina Schirner sagt: "Wir sind vorbereitet auf den Lockdown, aber eigentlich wollen alle in der Schule bleiben." Für Corey Michel gibt es "einfach Fächer, wie Mathe und Physik, die ich mir nicht selbst beibringen kann". Nina Ringer meint: "Ich hock auch mit Abstand und Maske im Unterricht, aber kann in die Schule gehen. Das ist viel besser als, wenn wir uns alles selber erarbeiten müssen."

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Info:

So trage ich die Maske richtig

  • Vor dem Aufsetzen Hände mit Seife waschen
  • Maske über Mund, Nase und Wangen platzieren, so dass die Ränder möglichst eng am Gesicht anliegen
  • Während des Tragens, die Maske nicht berühren: An der Außenseite könnten sich Krankheitserreger befinden.
  • Maske an den Seitenbändern abnehmen und danach Hände mit Seife waschen.
  • Textile Masken regelmäßig nach Gebrauch bei 60 Grad mit Waschmittel waschen und nach dem Trocknen bei mindestens 165 Grad bügeln.
  • Nicht vergessen: Auch beim Tragen einer Maske sind weiterhin die Husten-/Niesetikette und ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.
Hintergrund:

Drei-Stufen-Plan

  • Stufe 1: Auf Stufe 1 – bei einer 7-Tage-Inzidenz unter 35 pro 100.000 Einwohner – findet der Unterricht zwar unter Einhaltung von Hygieneregeln statt, Maske tragen muss aber niemand. Das ändert sich bereits ab Stufe 2.
  • Stufe 2: Sobald ein Ort den Frühwarnwert von 35 überschreitet, müssen die Schüler ab Jahrgangsstufe 5 auch am Sitzplatz im Klassenzimmer eine Maske tragen, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden kann. Grundschüler sind davon nicht betroffen.
  • Stufe 3: Überschreitet die 7-Tage-Inzidenz den Wert von 50, tritt Stufe 3 in Kraft. Es folgt eine Teilung der Klassen und Unterricht im wöchentlichen oder täglichen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht. Ausnahme: Mindestabstand von 1,5 Metern kann vor Ort auch bei voller Klassenstärke eingehalten werden. Die Maskenpflicht gilt nun auch am Sitzplatz im Klassenzimmer für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen aller Schularten.
  • Das Bayerische Kultusministerium weist auf seiner Homepage daraufhin, dass die genannten Schwellenwerte nicht automatisch die nächsthöhere Stufe auslösen. Die endgültige Entscheidung hierüber trifft das zuständige Gesundheitsamt (in Abstimmung mit der Schulaufsicht).
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