28.05.2004 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Pater Leonhard Roth wäre heute 100 Jahre alt geworden - Auf den Bergfesten gepredigt: Wunderbar gradliniger Heiliger

Vielen Älteren im Landkreis ist er sicher noch sehr lebendig in Erinnerung, Pater Leonhard Roth, den manche auch unter seinem Ordensnamen Pater Korbinian kannten. Sein Geburtstag jährt sich heute zum 100. Mal.

von Autor MMAProfil

Dieses Jubiläum feiert man groß in Dachau, der wichtigsten Wirkstätte von Pater Leonhard Roth während und nach dem Hitlerregime. "Der bedeutendste Kanzelredner Deutschlands" hatte die Gläubigen auch mehrere Male bei den Bergfesten auf den Mariahilfberg in Amberg und dem Frohnberg bei Hahnbach derart hingerissen, dass sich nach dem Gottesdienst dichte Menschentrauben um ihn drängten.

Mit der Familie Mittermeier in Hahnbach und der Familie Riß von der Laubmühle war Roth verwandt. Josef Mittermeier erinnert sich noch heute daran, wie fasziniert er vom Vizefirmpaten seines Bruders war. Über Leonhard Roth gab es bereits Rundfunkreportagen und eine 45-minütige Fernsehsendung, welche den "Seelsorger der Todkranken von Dachau", seine Selbstlosigkeit und manche Irrungen und Wirrungen der NS-Zeit beleuchteten.

In Dachau wird man nun heute in der Stadtpfarrkirche um 18 Uhr einen eigenen Gedenkgottesdienst für ihn abhalten. Danach ist die Eröffnung einer Bilddokumentation im Rathausfoyer, bei der auch die neueste Biographie über Roth vom Kreisheimatpflegers Dr. Norbert Göttler vorgestellt wird.

Ein eigenes Faltblatt verweist auf die Person Leonhard Roths, der nach seiner Zeit als Prior des Dominikanerklosters-Klosters in Walberberg im Erzbistum Köln und wohl vor allem wegen seiner heftigen und äußerst engagierten Predigten gegen das Hitlerregime "ausgeschaltet" wurde und als "asozialer" Haftinsasse 1943 nach Dachau gebracht wurde.

Dort setzte er sich über alle Schranken hinweg besonders für die Kranken ein und überlebte als einziger Pfleger ohne Ansteckung sogar den dort grassierenden Flecktyphus.

Selbst nach der Befreiung blieb er auf Bitte Kardinal Faulhabers dort und war ebenso engagiert in der Seelsorge der nun neu internierten SS-Peiniger. Über 1000 von ihnen soll er durch seine liebenswürdige Art und Weise und sein Engagement dabei bekehrt haben.

Als das KZ Dachau langsam aber sicher umgebaut wurde in Wohnbaracken für Flüchtlinge und Heimatvertriebene war er es, der sich trotz vielfacher Widerstände für eine Gedächtnisstätte und eine getrennte Friedlandsiedlung einsetzte.

Doch sein Einsatz führte zum Zerwürfnis mit Behörden, der Staatsregierung und der Kirche. Und so wurde er vor der Einweihung des von ihm angestrebten Mahnmals, durch die langen Kämpfe und Anfeindungen an "Leib und Seele erschöpft" im März 1960 in den Zwangsurlaub geschickt.

Am 15. August 1960 fand man die Leiche von Leinhard Roth in den Bergen Vorarlbergs bei Braz. Für viele gilt der gebürtige Niederbayer mit der Oberpfälzer Mutter bis heute als "wunderbar gradliniger Heiliger" und "Opfer seiner Zeit", der in seinem Leben eine unvergleichbare Opferbereitschaft und ein außergewöhnliches Engagement gezeigt habe und dessen Ausstrahlungskraft bis heute erhalten blieb.

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