10.02.2004 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Alleinerziehende Mütter und Väter" laden zum Treffen: Jeden zweiten Freitag in der Amberger ...: "Laufen lernen müssen sie selbst"

"Wir sind keine einsamen Hascherln, sondern die einzige Gruppe von Menschen, die nach der Steuerreform schlechter da steht als vorher", macht Elisabeth Jurklies-Kelsch, Gruppenleiterin der "Alleinerziehenden Mütter und Väter", den kleinen aber feinen Unterschied zwischen arm und arm deutlich.

von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Wir sind eine Selbsthilfegruppe, kein Verein. Es gibt also keine Verpflichtungen und keine Mitgliedsbeiträge, mitmachen kann jede oder jeder Betroffene." Statt mitzujammern möchte sie den Schicksalsgenossen Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, aber auch politisch gegen Ungerechtigkeiten ankämpfen.

In Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk und dem "Verband Alleinerziehender Mütter und Väter" (VAMV) läuft aktuell eine bundesweite Postkartenaktion gegen die Reduzierung von Freibeträgen, die ein beim Bundesverfassungsgericht klagender Familienvater durchgesetzt hat. 100000 rote Postkarten mit der Aufschrift "Ich bin kein Single!" sollen Finanzminister Eichel erreichen. Die Forderung lautet, den Haushaltsfreibetrag - und damit die Steuerklasse 2 - so lange bestehen zu lassen, wie das Ehegattensplitting gilt. Jurklies-Kelsch: "Dass wir mit den Singles über einen Kamm geschert werden, ist unfair, weil es suggeriert, wir würden im Gegensatz zu Familien unseren gesellschaftlichen Beitrag nicht leisten."

Wieder Mut fassen

Natascha Eichenseer, zweite Ansprechpartnerin der Single-Eltern, beschreibt die Bandbreite ihrer Klientel: "Von der 18-Jährigen bis zum 55-Jährigen, von der Lehrerin bis zum Hausmann, jede soziale Schicht ist bei uns vertreten." Am offenen Gesprächskreis, der jeden zweiten Freitag im Monat um 15 Uhr in der Elternschule stattfindet, nehmen zwischen sieben und zwanzig Mütter und Väter teil - die Kinder nicht mitgerechnet. "Wir begleiten die Leute ein Stück weit", erklärt Jurklies-Kelsch das Ziel der Treffen. "Laufen lernen müssen sie schon von selbst."

Tipps und Tricks rund um die Themen Steuern und Scheidungsrecht gehören genauso zum Programm wie die Begleitung beim schweren ersten Gang zum Sozialamt. "Oft reicht es schon zu erleben, dass andere Mütter arbeiten und das mit den Kindern trotzdem geregelt bekommen, um selbst wieder Mut zu fassen", beschreibt Eicheseer den Anschauungsunterricht in der Gruppe.

Außerdem sei es erholsam, mal für ein paar Stunden mit Leuten quatschen zu können, die die eigenen Erfahrungen teilen, und dabei nicht ständig das quengelnde Kind im Auge behalten zu müssen - während des Treffens passen Erzieherinnen auf den Nachwuchs auf. Jurklies-Kelsch hat in den 14 Jahren, in denen sie die Alleinerziehenden-Gruppe begleitet, einen Wandel der Betroffenenstruktur festgestellt: "Damals kamen vor allem Hausfrauen mit drei bis vier Kindern zu uns.

Heute sind es immer mehr junge Frauen und Männer, die halbtags arbeiten, mit meist nur einem Kind." Dennoch werde das Thema immer noch tabuisiert. "Bei den Gesundheitstagen beobachte ich immer wieder Leute, die interessiert zu unserem Stand herüberschauen, sich aber lange nicht her trauen." Auch beim Spendenverhalten bekommen Jurklies-Kelsch & Co. zu spüren, dass sich nur wenige Firmen mit einer milden Gabe an die Alleinerziehenden schmücken wollen: "Dabei hätten wir es dringend nötig, da wir die Betreuerinnen mangels Mitgliederbeiträgen nur über Spenden finanzieren können."

Gemeinsame Ausflüge

Bei den Ausflügen, die die Gruppe einmal im Monat zusammen unternimmt, fragen die Eltern leise an, ob die Fahrt bezahlt werden könne: "Viele können sich das einfach nicht leisten. Dabei tut es sowohl den Kindern als auch den Eltern gut, etwas zusammen zu unternehmen." Anmeldung und telefonische Auskunft gibt Elisabeth Jurklies-Kelsch unter (09621) 12991.

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