02.03.2020 - 19:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Stachel der Enttäuschung sitzt tief

Seit Sonntag steht fest, dass für die Blue Devils die Spielzeit 2019/20 auf der Zielgeraden ist. Statt Saisonhöhepunkt Play-offs heißt es ab 8. März Sommerpause. Im nächsten Jahr soll alles besser werden.

Enttäuschte Blue Devils gratulieren dem Gegner: Die Weidener sind heuer in den Play-offs nur Zuschauer.
von Rudolf Gebert Kontakt Profil

"Die Enttäuschung ist groß, wir haben unser Ziel definitiv nicht erreicht", sagte Franz Vodermeier, Geschäftsführer der Blue-Devils-Spielbetriebs-GmbH, am Tag nach der 2:3-Heimniederlage gegen den SC Riessersee und dem damit verbundenen Aus im Kampf um die Play-off-Teilnahme.

Letztes Heimspiel gegen Peiting

Am Sonntag kurz vor 21 Uhr stand fest, dass der Play-off-Zug heuer ohne die Weidener abfährt. Zwei Spiele vor Ende der Meisterrunde in der Eishockey-Oberliga Süd liegen die Blue Devils als Neunter acht Zähler hinter den Selber Wölfen. Der Nachbarrivale hat Rang acht sicher und trifft in der ersten Play-off-Runde auf Nord-Meister Tilburg Trappers aus den Niederlanden. Für die Blue Devils dagegen ist die Saison nach den abschließenden Spielen gegen den EC Peiting (6. März) und bei den Starbulls Rosenheim (8. März) zu Ende.

Vodermeier nannte als Hauptgründe für das Scheitern die dünne Spielerdecke und die vielen knapp verlorenen Partien. "Wir haben viele Punkte nicht geholt, die wir eigentlich hätten holen können." Natürlich habe auch die Qualität eine Rolle gespielt. "Zu viele Spieler haben die Erwartungen nicht erfüllt, das waren aber nicht die jungen", sagte der GmbH-Geschäftsführer. In dieselbe Kerbe schlägt auch Thomas Siller, Vorsitzender des 1. EV Weiden und Vorgänger von Vodermeier: "Im Sport ist es das Ziel, immer das maximal Mögliche zu erreichen. Wir haben die Play-offs leider nicht geschafft." Auch Siller nannte den dünnen Kader als Grund. Zudem habe das eine oder andere nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben.

Trainer Ken Latta hatte schon am Sonntagabend in der Pressekonferenz seine Enttäuschung zum Ausdruck gebracht. "Das ist erst das zweite oder dritte Mal in meinem Leben, dass ich die Play-offs nicht erreiche. Es liegt aber nicht an heute, wir haben viel früher ein paar Spiele vergeigt."

In Sechs-Punkte-Spielen versagt

"Die Enttäuschung ist sehr groß, der Kopf ist leer." Auch Ralf Herbst hatte am Montag noch am Verpassen der Play-offs zu knabbern. Für den Kapitän seien schon in der Hauptrunde zu viele Punkte unnötig verloren worden - aber auch in der jüngeren Vergangenheit. "In den Sechs-Punkte-Spielen haben wir meist versagt. Und immer wenn Selb verloren hat, haben wir auch verloren." Ein Blick in die Statistik zeigt auch, dass die Blue Devils vor allem gegen die direkten Konkurrenten im Tabellenkeller zu wenig gepunktet haben. Während es gegen Spitzenteams wie Regensburg oder Deggendorf jeweils 7 von 18 möglichen Zählern gab, fiel die Ausbeute gegen Sonthofen (0 von 6), Lindau (4 von 12) und Selb (8 von 18) zu gering aus.

Vier Spieler unter Vertrag

In den verbleibenden Partien gegen Peiting und in Rosenheim soll zumindest noch ein versöhnlicher Abschluss gelingen. Der Blick geht aber schon in Richtung Saison 2020/21, für die neben Trainer Ken Latta bisher nur die Stürmer Tomas Rubes, Martin Heinisch und Marco Habermann sowie Verteidiger Barry Noe Verträge haben. Siller mutmaßt, dass die Veränderungen diesmal nicht unerheblich sein werden. "Heuer sind wir mit der Kontinuität auf den Bauch gefallen." Oberste Priorität hat für den EV-Vorsitzenden aber ein Ziel: "Wir müssen den Zuschauern sportlich wieder bessere Leistung zeigen."

"Wir haben die Analyse gemacht und wissen, was wir verändern müssen", erklärte Vodermeier, der aber vor dem offiziellen Saisonende noch keine Namen nennen will. Er kündigte aber an, dass "wir in die Breite und in die Qualität investieren werden". Eines verriet der Geschäftsführer aber schon mal - und das macht Hoffnung: "Heuer ging im Budgetrahmen nicht mehr. Nächstes Jahr werden wir wohl einen größeren Rahmen haben."

Kommentar zum Verpassen der Play-offs:

Saisonziele verfehlt

Nach den Plätzen acht (2018) und sieben (2019) wollten die Blue Devils nicht nur erneut die Play-offs erreichen, sondern auch einen weiteren kleinen Schritt nach vorne machen. Doch die Realität sieht anders aus, beide Ziele wurden mit Rang neun verfehlt. Der Saisonhöhepunkt geht ohne Weidens Eishockey-Cracks über die Bühne, der insgeheim erhoffte sechste Platz ist 22 Punkte entfernt.

Die Gründe für das enttäuschende Abschneiden liegen am Kader – quantitativ und qualitativ. Beide Torhüter sind statistisch gesehen ganz hinten angesiedelt. Daniel Filimonow und Jonas Neffin sind zwar für überragende Spiele gut, aber eben zu selten. Dass die Blue Devils die meisten Gegentore der zehn Meisterrunden-Teilnehmer kassiert haben, liegt aber nicht nur an den Keepern, sondern auch an der hohen Fehlerquote der Abwehrspieler und dem mangelhaften Defensivverhalten der Angreifer. Und im Sturm klafft hinter dem Duo Tomas Rubes – der Tscheche zählt zu den Top-Spielern der Oberliga Süd – und Martin Heinisch eine riesige Lücke.

Für die neue Saison kündigt GmbH-Geschäftsführer Franz Vodermeier an, in die Breite und in die Qualität zu investieren. Es ist fest davon auszugehen, dass es diesmal mehr Änderungen im Kader geben wird. Dabei ist Ken Latta, Trainer und Sportlicher Leiter in Personalunion, bei den Neuzugängen ein glücklicheres Händchen als heuer zu wünschen – vor allem auf der Schlüsselposition zweiter Ausländer. Mindestens genauso wichtig ist die Verpflichtung einer starken Nummer 1.

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