25.05.2021 - 15:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Saisonabbruch und Quotientenregel: SpVgg SV legt Beschwerde ein

Die bayerischen Fußballvereine haben vor Wochenfrist online abgestimmt. In trockenen Tüchern ist der Saisonabbruch unter Einbeziehung der Quotientenregelung aber noch nicht. Fristgemäß hat die SpVgg SV Weiden Beschwerde eingelegt.

Die SpVgg SV Weiden mit Vorsitzendem Michael Kurz legt Beschwerde gegen den BFV-Vorstandsbeschluss bezüglich des Saisonabbruchs ein. Verletzungen der Satzungen und Ungleichbehandlung durch Ausnahmen für die Regionalliga führt der Landesligist als Begründungen an.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Es war eigentlich eine klare Sache: 71,11 Prozent der bayerischen Fußballklubs hatten bei der jüngsten Online-Abstimmung pro Direktaufsteiger und -absteiger gemäß der seit August 2020 in der Spielordnung des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) verankerten Quotientenregelung votiert. Für das Alternativmodell (Zwei Aufsteiger pro Spielklasse, keine Absteiger) hatten sich nur 28,86 Prozent entschieden. Ein eindeutiges Votum? "Ja", meint der BFV-Vorstand und entschied am 18. Mai 2021, den Saisonabbruch gemäß dieser Mehrheitsmeinung umzusetzen.

Gegen diesen Vorstandsbeschluss geht die SpVgg SV Weiden nun vor. Der Tabellenzweite der Landesliga Mitte legte am Montag Beschwerde beim Leitenden Verbandsanwalt Friedrich Reisinger ein mit der Aufforderung, diese dem Verbandssportgericht vorzulegen. Das Sportgericht soll, so lautet der Antrag aus Weiden, den Vorstandsbeschluss aufheben, da in mehrfacher Hinsicht Verstöße gegen die BFV-Satzung vorlägen.

"Natürlich wissen wir, dass es nun heißen wird: Die machen das nur, weil sie jetzt als Zweiter nicht aufsteigen", sagt Michael Kurz. Ihm gehe es allerdings nicht um den Aufstieg, sondern um die Sache, versichert der Vereinsvorsitzende. "Wir hätten die Beschwerde auch eingereicht, wenn wir Fünfter oder Sechster wären." Letztlich gehe es um Fairness und Gleichberechtigung für alle Ligen im Verbandsgebiet, meint Kurz und verweist beispielhaft auf die Sonderstellung für die Regionalliga. "Die wird einfach ausgenommen. Es gibt dort Play-off-Spiele und der Ligapokal wird weiterhin ausgetragen. Und dies trotz Saisonabbruch", kritisiert Kurz und vermutet: "Wo Geld im Spiel ist, misst man mit zweierlei Maß."

Mit dieser "Rosinenpickerei" will sich die SpVgg SV Weiden nicht abfinden und beschreitet nun den Rechtsweg innerhalb des Verbandes. Dem Vernehmen nach sind die Schwarz-Blauen nicht die einzigen Beschwerdeführer. „Ich weiß, dass sich auch andere massiv über das Vorgehen des Verbandes ärgern“, sagt Kurz.

Acht Seiten umfasst der Einspruch der SpVgg SV Weiden. Dabei legt der Verein umfangreich dar, welche Verletzungen der Satzungen und Verstöße vorliegen. Nachfolgend die wichtigsten Kritikpunkte:

1. Die SpVgg SV führt an, dass es sich "bei einem Saisonabbruch und der Wertung einer Spielrunde anhand mathematischer Berechnungen um eine wesentliche Entscheidung" handele, die grundsätzlich einem Verbandstag als oberstem BFV-Organ vorbehalten werden muss. Bei der Einführung des §93 der Spielordnung (Quotientenregelung) im August 2020 habe sich der Verbandsvorstand zu Unrecht auf §24 Absatz 2 der Satzung berufen. Die darin beschriebene "zwingende Notwendigkeit" sei nicht gegeben gewesen, was unter anderem die Fortführung der Saison 2019/20 im September 2020 belege. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wäre die Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages möglich gewesen.

3. Die Wertung der Saison 2019/21 nach der Quotientenregelung widerspricht laut SpVgg SV einem fairen Sportbetrieb. Der BFV habe durch "tendenzielle Berichterstattung und Darlegung deutlich in die Abstimmung eingegriffen". Kurz spricht von "Horrorszenarien mit aufgeblähten Ligen und Wochenspieltagen", die der BFV entworfen habe. Dabei wäre es durch den Ligapokal, der aber bis hinauf in die Bayernliga gestrichen wurde, ebenfalls zu größeren Ligenstärken durch zusätzliche Aufsteiger oder verhinderten Abstieg gekommen.

4. Der §93 sieht laut SpVgg SV keine Ausnahmen von der Abbruchentscheidung vor. Der Vorstandsbeschluss vom 18. Mai nehme jedoch ohne rechtliche Grundlage die Play-off-Runde zur 3. Liga und den Ligapokal in der Regionalliga vom Abbruch aus. Auch fehle in dem Beschluss ein konkretes Abbruchdatum, wie es im §93 gefordert werde.

Die SpVgg SV Weiden wartet nun ab, wie die Antwort durch den Verband ausfällt. Zivilrechtliche Schritte will Kurz nicht ausschließen: "Das könnte passieren."

Fußball:

Auszüge der BFV-Satzung

  • §17: (1) Oberstes Organ des BFV ist der Verbandstag, der ... vom Verbands-Präsidium einberufen wird.
    (2) Er ist Beschlusskörper in allen den Verband und die Vereine betreffenden
    Angelegenheiten, soweit nicht durch die Satzung und die Ordnungen die
    Zuständigkeit anderer Organe begründet ist
  • §17a, Absatz 1: ... Die Einladung zum außerordentlichen Verbandstag muss spätestens drei
    Wochen vorher unter Angabe der Tagesordnung und des Tagungsortes ... veröffentlicht werden
  • §24, Absatz 2: Bei zwingender Notwendigkeit ist der Verbands-Vorstand ermächtigt,
    zwischen zwei Verbandstagen Satzungsänderungen (ausgenommen
    Änderungen des Verbandszwecks) und Änderungen von Ordnungen
    vorzunehmen ...

 

 

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