25.11.2020 - 19:21 Uhr
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Maradona: In Neapel verehrt wie ein Nationalheld

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Der Name ist klangvoll wie der eines Helden: Ein solcher war Diego Armando Maradona. Ein Held. Vor allem für jene Fans in südlichen Ländern, die den Fußballsport zur Religion erheben. Sport-Ressortleiter Alfred Schwarzmeier erinnert sich.

Diego Maradona wurde zweimal mit dem SSC Neapel italienischer Meister. Die Fußballfans verehrten den Argentinier fast wie einen Gott.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil
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Persönlich begegnet bin ich Maradona nie. Auch wenn mein Beruf als Sportjournalist Begegnungen mit Idolen des Weltsports beileibe nicht ausschließt. Was mir aber begegnete, war die Verehrung, die jenem kleinen, manchmal etwas dickleibig wirkenden und doch so wendigen Fußballgenie entgegenschlug.

Es war meine erste Radreise. Mit der Bahn sollte es im April 1989 zunächst von München nach Neapel gehen, und dann mit der Fähre nach Sizilien. Man sollte meinen, dass Naturdenkmäler wie der Ätna oder die süditalienische Küche mir am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben sind. Doch dem ist nicht so.

Die ersten Vororte von Neapel erreichte der Zug in den frühen Morgenstunden. Die Mietshäuser wirkten trist, eintönig, grau. Aus den Fenstern der Betonburgen hingen jedoch Puppen, farbige, fast lebensgroße Puppen. Nicht Dutzende, nein Hunderte oder Tausende begleiteten einen auf den kilometerlangen Gleisen in Richtung Zentrum.

Manche dieser Puppen waren mit Trikots des AC Mailand oder von Juventus Turin überzogen, große, dicke Nadeln symbolisierten die Feindschaft zu den großen norditalienischen Klubs. Die meisten trugen aber blau-weiß, die Vereinsfarben des SSC Neapel, und als Konterfei das Gesicht eines Mannes, den diese Stadt zu einem Halbgott erhoben hatte. In der Saison 1986/87 hatte Maradona seine Mannschaft zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte geführt. Und dies dankte ihm das heißblütige, in den Fußball vernarrte Neapel mit einer Inbrunst und Verehrung, die ich so noch nirgends vorgefunden hatte.

Als wir auf den Rädern durch die Altstadt von Neapel fuhren, das berüchtigte Wäscheviertel durchstreiften, änderte sich das Bild nur wenig: Bilder von Maradona, Fahnen mit Maradona, Andenken mit Maradona - der nur 165 Zentimeter große Fußball-Gigant blieb allgegenwärtig. Unwillkürlich stellte ich mir eine derart ähnliche Heldenverehrung von Lothar Matthäus auf dem Münchener Marienplatz vor - undenkbar.

Nur zwei Jahre später stürzte das Denkmal. Übergewicht, Drogenkonsum, Gerichtsverfahren. Maradona wurde in Neapel zur Persona non grata. Er wechselte zum FC Sevilla. Was mit den ihm nachgestellten Puppen passierte, weiß ich nicht.

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