30.11.2021 - 20:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Kommentar zu weiteren Geisterspielen: Kein Gespür für Eigenverantwortung

Im Herbst undenkbar – wieder Geisterspiele im Fußball. Der FC Bayern und der 1. FC Nürnberg werden wohl bald wieder im leeren Stadion kicken. Ein Spiel hat die Stimmung in der Republik komplett gedreht, meint unser Redakteur Josef Maier.

"Abstand halten" steht auf der Anzeigentafel über den leeren Tribünen. In Leipzig sind schon seit vergangegner Woche keine Zuschauer mehr zugelassen.
von Josef Maier Kontakt Profil
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Das waren keine Jubelbilder, das waren Bilder der Provokation. 50000 Kölner (abzüglich der frustrierten Gladbacher) kugeln durchs Stadion. Alles gut, unsere Zahlen sind doch okay, sagte der dazugehörige Ministerpräsident aus NRW. Genau der Mann, der zwei Tage später klagte: „Wir müssen was tun.“

Dass Weihnachtsmarktbetreiber und Konzertagenturen einen dicken Hals haben, ist nur allzu verständlich. Im allgemeinen Corona-Frust meinen wieder einige, alles bis aufs Letzte ausreizen zu müssen. Die Wirkung dieser Bilder vom Wochenende ist und war verheerend. Auch wenn Untersuchungen ergeben haben, dass ein Stadionaufenthalt kein großer Pandemietreiber ist, so ist doch das ganze Drumherum genug Corona-Nahrung. Die Fans stehen sich auf dem Weg ins Stadion in U-Bahnen und Bussen auf den Füßen, drängeln sich in Kneipen, und das Virus drängelt mit. Ach ja, und bloß weg mit den blöden Masken.

Was ist eigentlich so freiheitsentziehend, „diese Dinger“ 90 Minuten aufzubehalten? Was ist so schwierig daran, seine Anreise anders zu planen, auf andere Rücksicht zu nehmen? Der Staat gibt uns sehr wohl Eigenverantwortung, doch wir sind oft nicht in der Lage, damit umzugehen. Volle Power statt Vorsicht. Deswegen gibts bald die Rote Karte von der Politik.

Es wäre sehr wohl ein verantwortlicher Stadionbesuch möglich. So, wie es etwa Bayern mit seiner 25 Prozent Stadionauslastung zuletzt praktiziert hat. Am Sonntag saßen in Nürnberg die Zuschauer weit auseinander. Bei An- und Abfahrten wirkte das Meiste ziemlich luftig. Dass die Stimmung auf so einer zerklüfteten Tribüne nicht überbordend ist, dürfte klar sein. Und doch ist es für einige zumindest ein kleines Fußballerlebnis in schweren Zeiten. Aber das ist ja vielen nicht gut genug. Und so werden sich die Fans – wie jetzt schon in Sachsen – künftig wieder zwischen Kühlschrank und Esstisch in Richtung Sofa drängeln. Selber schuld.

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