03.08.2020 - 16:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Kein FC Bayern oder 1. FC Nürnberg: Fußball-Volksfeste auf dem Land fallen aus

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Ran an die Basis, ran an die Fans. Wenn der FC Bayern, der 1. FC Nürnberg oder auch der SSV Jahn aufs Land kommen, ist Volksfeststimmung garantiert. Auch da grätscht in diesem Jahr Corona dazwischen.

Manuel Neuer schreibt nach dem Traumspiel in Weiden Autogramme. Im Sommer 2013 war der FC Bayern letztmals zu Gast in der Region.
von Josef Maier Kontakt Profil

Manuel Neuer hatte da noch ein "Heimspiel". Seine damalige Angebetete kam aus Weiden. Natürlich saß auch sie auf der Tribüne - als der Bayern-Torwart mit Lahm, Ribéry und Co. ins proppenvolle Wasserwerk-Stadion einlief. 10 000 Bayernfans waren da. Vor sieben Jahren gastierte der deutsche Rekordmeister das letzte Mal in der Region. Die Münchener hatten gerade das Triple geholt, der große Pep Guardiola feierte in der Oberpfalz seinen Trainereinstand. Das Traumspiel in Weiden, das der Fanclub Wildenau (Kreis Tirschenreuth) an Land gezogen hat, war auch wirklich ein Traum.

1860 München und die Oberpfalz

Amberg

Ohnehin keine Zuschauer erlaubt

Solche Fußball-Festtage auf dem Land wird es in Corona-Zeiten nicht geben. Keine Profis zum Anfassen und Anhimmeln. Die Hygieneregeln, die die Profiklubs einhalten müssen, um den Saisonstart im September nicht zu gefährden, würden nur Freundschaftsspiele gegen Amateurklubs erlauben, wenn auch deren Spieler getestet werden. Und Zuschauer, wegen denen die Profis ja kommen, dürfen ohnehin nicht auf die Sportanlagen.

Somit bleibt die Region testspielfreie Zone für Profiklubs. Die Münchener Bayern haben sich aber ohnehin in den vergangenen Jahren in der mittleren und nördlichen Oberpfalz rar gemacht, flogen in den letzten Jahren in der Sommerpause lieber nach Asien oder in die USA. Der 1. FC Nürnberg und der SSV Jahn Regensburg waren dagegen zuletzt öfter in der Region, taten etwas fürs Renommee. Das geht in diesem Jahr nicht. "Das ist schade, auch das macht doch den Profifußball aus", sagt Michael Köllner. "Die Fans brauchen auch mal eine Mannschaft zum Anfassen."

Eine weitere Story zu 1860 München und seine Fans

München

Viel Zeit für Selfies

Vor knapp zwei Jahren, im September, war der heutige Trainer von 1860 München noch Coach beim 1. FC Nürnberg. Mit seiner Mannschaft war er in Seugast zu Gast. Auf der herrlichen Anlage saßen die Fans dichtgedrängt am Hang, um zu sehen, wie der damalige Erstligist FCN Dukla Prag mit 4:o besiegte. Danach nahmen sich die Spieler viel Zeit für Selfies und Autogramme. Vergangenes Jahr war der FCN in Ammerthal, auch da war Volksfeststimmung bei der DJK. Der Bayernligist verlor "nur" 0:6, wichtiger als das Spiel war das Drumherum danach.

Euphorie der Kinder

Raigering, die Heimat von Patrick Erras, und das Wasserwerk in Weiden waren in den vergangenen Jahren weitere Stationen des fränkischen Zweitligisten. "Schade, dass das dieses Mal nicht möglich ist", sagt Erras, der erst vor wenigen Tagen zu Werder Bremen gewechselt ist. "Bei solchen Spielen kriegt man die Nähe zu den Fans. "Die Euphorie der Kinder sei da richtig greifbar, merkt der 25-Jährige an. "Das macht auch uns Profis richtig Spaß, wenn dann die Fans den Platz stürmen und Autogramme wollen."

Auch Nürnbergs Rivale SpVgg Greuther Fürth hatte die Oberpfalz vor einigen Jahren mal entdeckt und gastierte, damals noch mit Trainer Mike Büskens, beim FC Neunburg vorm Wald.

Viel öfter ist natürlich das Oberpfälzer Aushängeschild, der SSV Jahn Regensburg, in der Mitte und im Norden des Bezirks unterwegs. Es gab Zeiten, da ließ sich der Jahn eher selten oberhalb von Teublitz und Burglengenfeld blicken, das ist vorbei. Man sehe sich schon als Botschafter für die Menschen in Ostbayern, sagt Geschäftsführer Christian Keller. Es bestehen mittlerweile auch viele Kooperationen mit Vereinen über die Jahn-Fußballschule.

Für die Kinder und unsere kleinen Fußballer war das natürlich ein tolles Erlebnis"

Achim Neupert, Abteilungsleiter der DJK Neustadt/WN

In Tirschenreuth (1:0 gegen den FC Carl Zeiss Jena) gastierte der mittlerweile etablierte Zweitligist ebenso, wie letztes Jahr in Pleystein. Da war es ebenfalls gegen Jena schon um einiges torreicher vor den 500 Fans. Wackersdorf (gegen den heimischen TV) und Rieden (gegen den FC Schweinfurt) waren auch Jahn-Stationen. "Wir versuchen auf unterschiedlichsten Wegen möglichst viele Begegnungen mit den Menschen in der gesamten Region zu schaffen", erklärt Keller. Auch in diesem Sommer waren Tests in der Region geplant. Wenn es wieder möglich sei, werde der Jahn hier auch wieder auflaufen, verspricht der Geschäftsführer.

So wie vergangenes Jahr auch in Neustadt/WN, als die Elf von Trainer Mersad Selimbegovic auf dem DJK-Gelände auf den FSV Zwickau traf. "Für die Kinder und unsere kleinen Fußballer war das natürlich ein tolles Erlebnis", sagt DJK-Abteilungsleiter Achim Neupert. Die Partie musste nach 60 Minuten abgebrochen werden, da sich ein Zwickauer Spieler schwer verletzt hatte. woraufhin sich beide Teams darauf einigten, nicht mehr weiterzuspielen. "Das war natürlich alles bedauerlich", meint Neupert.

Ein bisschen was bleibt übrig

Aber insgesamt seien solche Spiele "eine tolle Sache und eine Ehre für den Verein". Ein bisschen was sei auch durch den Verkauf von Bratwürsteln und Getränken hängengeblieben. Innerhalb weniger Tage hatten die DJK-Verantwortlichen das Spiel organisiert. Der Aufwand war allerdings auch nicht ohne. 60 Helfer mussten an einem Werktag für das Spiel, das um 13 Uhr angepfiffen wurde, rekrutiert werden. So ein Spiel werde man alle Jahre nicht stemmen können, meint der DJK-Funktionär. "Wir sind jetzt 92 Jahre alt, vielleicht wieder zum 100. Geburtstag." Na, wenn das nicht auch für den FC Bayern etwas wäre, sich mal wieder in der Region blicken zu lassen ....

Hanno Behrens geht vor dem Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Dukla Prag in Seugast durch ein Spalier von Fans. Nach der Partie waren er und die Kollegen beim Autogrammschreiben gefragt.
Ex-Club-Coach Michael Köllner macht ein Selfie mit den Fans. Archivbild: ref
Patrick Erras begrüßt im Juni 2019 die Ammerthaler Spieler. Arc
Oliver Hein (links) führt seinen SSV Jahn aufs Feld: Im Herbst vergangenen Jahres standen sich die Regensburger und der FSV Zwickau in einem Testspiel in Neustadt/WN gegenüber.

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