19.04.2021 - 17:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Dennis Lippert: "Vielleicht war das meine letzte Chance"

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Das Glück ist zurückgekehrt, auch wenn Corona es etwas dämpft. Dennis Lippert ist ein zäher Kämpfer. Mit der SpVgg Bayreuth wird der Weidener ab Mai wahrscheinlich um den Aufstieg in die 3. Liga spielen. Derzeit lenkt er sich noch ab.

Dennis Lippert Anfang Oktober beim Ligapokal-Spiel gegen seinen Ex-Klub 1. FC Nürnberg II. Der Weidener hat ein paar Spiele für die SpVgg Bayreuth absolviert, ehe der Spielbetrieb unterbrochen wurde. Bald soll es weitergehen.
von Josef Maier Kontakt Profil

Es war ein absoluter Glücksmoment für ihn: Erster Startelf-Einsatz beim großen 1. FC Nürnberg, 2. Bundesliga – geschafft. Dennis Lippert war an diesem 4. Februar 2017 total happy. Das harte Training hatte sich gelohnt. Gut sechs Wochen später brach für den jungen Weidener die Welt zusammen. Kreuzbandriss im linken Knie bei einem Trainingsspiel des Clubs an einem grauen Samstagvormittag gegen die eigene A-Jugend. Das Wort Glück konnte Lippert lange Zeit nicht mehr in den Mund nehmen. Nach der schweren Verletzung folgte eine lange Reha, die kein Ende nehmen wollte: Es gab immer wieder Komplikationen, einige empfahlen dem Defensivspieler, der bei der SpVgg SV Weiden das Fußballspielen lernte, einen Invaliditätsantrag zu stellen. Eine kleine Rente mit Anfang 20? Nein, der Traum vom Profi lebte. "Nicht mehr viele haben geglaubt, dass ich zurückkomme", sagt der mittlerweile 25-Jährige. Er schon. Als der Anschluss endlich geschafft nach quälend langen Monaten geschafft war, kam Corona. Beim Club wollte er sich über die zweite Mannschaft nochmals empfehlen, doch es gab keine Spiele mehr. Der Vertrag in Nürnberg, wohin er in der B-Jugend gewechselt war, lief im Juni 2020 aus. "Für die Regionalligamannschaft war ich zu alt", erklärt er. Dort sollen beim Club Talente zum Zug kommen.

Lippert ging auf Klubsuche, doch für so manchen Verein war er ein Risiko. "Da waren natürlich viele wegen meines Knies skeptisch", erzählt er weiter. Es war ein anstrengender Sommer – mit Blick auf eine ungewisse Zukunft. "Ich habe viel gesucht." Auch im Ausland. Es schien schon alles vorbei, als die SpVgg Bayreuth im vergangenen September ein Probetraining anbot. "Das kam völlig unerwartet für mich", erklärt der Defensivspieler. Und der Mann, der die letzten Jahre sportlich nur Pech hatte, kann doch tatsächlich sagen: "Das war ein Glücksfall für mich. Vielleicht war das sogar meine letzte Chance." Nachdenklich wirkt Lippert bei diesen Worten. SpVgg-Trainer Timo Rost, der Ex-Amberger, setzt auf den blonden Defensivspieler. Ein Zweijahresvertrag ist in der Regionalliga, zumal in Coronazeiten, nicht die Normalität. Allerdings absolvierte Lippert bei den Oberfranken nur vier Spiele. Dann wurde auch der Spielbetrieb in der Regionalliga Bayern wegen der Pandemie wieder unterbrochen.

Mit dem Knie keine Probleme

Von Pech will Lippert er aber dieses Mal nicht sprechen, da hat er schon anderes erlebt. "Aber natürlich ist es ärgerlich, keine Spiele bestreiten zu können." Er schaut, dass er sich fit hält. "Mit dem Knie habe ich keine Probleme mehr", sagt er. "Aber aus dem Kopf kriegt man das nie, dass da mal was war." Er arbeitet daran, dass Gelenk und die Muskulatur noch stabiler werden. Seine Fitness wird gebraucht, denn es ist sicher, dass es für drei Regionalligisten in dieser Saison noch weitergeht. Die SpVgg Bayreuth, der FC Schweinfurt und Viktoria Aschaffenburg haben einen Lizenzantrag für die 3. Liga gestellt. Diese Teams wollen unter sich den Regionalligameister ausspielen. "Das würde wie unter Profibedingungen, also ohne Zuschauer und mit Testungen sein", sagt Verbandsspielleiter Josef Janker. Der Sieger der Dreier-Runde soll dann im Juni gegen den Ersten der Regionalliga Nord um den Drittliga-Aufstieg spielen. Fix ist aber noch nichts. Noch sind laut Fußballverband einige Details zu klären.

"Wir wollen natürlich nach oben", sagt Lippert. Die Bayreuther haben im Sommer nicht nur ihn, den Ex-Club-Profi Lippert, geholt, sondern jetzt im Winter mit Jan Washausen noch einen weiteren Ex-Profi, der mit Eintracht Braunschweig sogar mal in der Bundesliga gespielt hat. Mit Tim Danhof kam zudem ein großes Talent vom Ligarivalen FC Schweinfurt zur Altstadt. "Wir haben eine echt gute Truppe beieinander", sagt Lippert.

Nebenjob im Labor

Ein bisschen Ablenkung in Coronazeiten sucht er auch durch einen Nebenjob. Ein paar Stunden in der Woche ist er beim Labor Synlab in Weiden tätig, hilft beim Vorbereiten von Coronatests. "Das tut gut, auch etwas anderes zu machen", sagt er. Wenn es aber ernst wird und die entscheidende Phase um den Drittligaaufstieg ansteht, will er sich wieder voll auf Fußball konzentrieren. Die Ziele sind weiter da, und das ist nicht nur Liga drei. "Ich will auch nochmal in der 2. Bundesliga spielen." So wie damals an diesem Samstag Anfang Februar 2017 auf der Ostalb. Als er in Heidenheim total glücklich war.

Dennis Lippert über seine Zeit beim 1. FC Nürnberg

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Das ist Dennis Lippert

  • Geboren 20. Februar 1996 in Weiden
  • Erste Fußballschritte bei der SpVgg und der SpVgg SV Weiden. Mit 12 Jahren Wechsel zum 1. FC Nürnberg.
  • 2015 Mitglied des Regionalligakeders beim Club. Insgesamt 52 Spiele (2 Tore) für den FCN II
  • 4. Februar 2017 erstes Zweitligaspiel. Insgesamt sechs Zweitligaspiele für den FCN.
  • September 2020 Wechsel zur SpVgg Bayreuth

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