03.12.2020 - 20:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Blue-Devils-Spieler Palka und Lehr über ihre Corona-Infektion: "Das war schon ein Schockmoment"

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Vor knapp sieben Wochen setzte das Coronavirus den Eishockey-Oberligisten Blue Devils Weiden außer Gefecht. Die Spieler Dennis Palka und Philip Lehr sprechen im Interview über ihren Krankheitsverlauf und die Quarantäne-Zeit.

Devils-Goalie Philip Lehr (links) in Aktion.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

ONETZ: Die Blue Devils als Corona-Hotspot: Wie hat sich diese Szenerie vor nun sieben Wochen aus Spielersicht dargestellt?

Dennis Palka: Es war an einem Freitag, als ein Spieler wegen eines Corona-Verdachts im Training gefehlt hat. Danach ging's am Samstag und Sonntag bei den meisten los.

ONETZ: Wie stark waren Sie betroffen?

Dennis Palka: Bei mir trat fiebermäßiges Schwitzen in der Nacht auf, ich habe mich ständig schlapp gefühlt. Tage später kamen noch Schnupfen und Husten hinzu und dann noch der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns.

Philip Lehr: Als die Nachricht kam, dass das erste Testspiel gegen Deggendorf abgesagt ist, ging's bei mir etwa zwei Stunden später mit Kopfschmerzen los. In den ersten paar Tagen traten bei mir Halsschmerzen auf, ich habe über Nacht geschwitzt und die Nase war zu. Nach zwei, drei Tagen war's halbwegs vorbei.

ONETZ: Wie lief das ganze Test-Prozedere ab?

Dennis Palka: Eine Woche vor dem Trainingsbeginn am 6. Oktober sollten wir alle zur mobilen Teststation fahren und uns testen lassen ...

Philip Lehr: ... und da waren alle Tests negativ. Danach ging's Schlag auf Schlag los. Ab Sonntag, 11. Oktober, waren wir in Quarantäne und wurden nochmal getestet. Da waren dann doch einige positive Fälle dabei.

Dennis Palka: Und die, die Symptome hatten, sollten zu einem Arzt.

Das war im ersten Moment schon so ein Oh-Erlebnis, ein kleiner Schockmoment, weil man nicht weiß, was nun auf einen zukommt.

Dennis Palka

Dennis Palka

ONETZ: Wie haben Sie sich unmittelbar nach Ihrem positiven Testergebnis gefühlt?

Dennis Palka: Das war im ersten Moment schon so ein Oh-Erlebnis, ein kleiner Schockmoment, weil man nicht weiß, was nun auf einen zukommt. Man hört ja immer verschiedene Sachen. Im Endeffekt kann ich für mich sagen, dass ich vergleichsweise milde Symptome hatte und relativ gut durchgekommen bin. Aber im ersten Moment hatte ich schon etwas Angst, was das mit einem macht, weil man die Spätfolgen nicht kennt.

ONETZ: Haben Sie eine Idee, wo Sie sich infiziert haben könnten?

Dennis Palka: Das kam aus dem Nichts. Wir können uns nicht vorwerfen, die Hygienebestimmungen nicht eingehalten zu haben. Wir haben alle Vorgaben umgesetzt, aber wie's halt so ist. So ging es Schlag auf Schlag durch die Mannschaft.

ONETZ: Wie haben Sie die Zeit in Quarantäne erlebt?

Philip Lehr: Bei mir war das in diesem Jahr sogar schon die zweite Quarantäne, weil wir bei den Hannover Indians kurz vor dem Saisonabbruch auch einen positiven Fall hatten. Das ist jetzt nicht so toll, irgendwann wird's langweilig, weil die sozialen Kontakte fehlen. Aber diese Zeit dient eben der Sicherheit der Allgemeinheit, da kommt man schon irgendwie durch.

ONETZ: Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Philip Lehr: (lacht) Viel Playstation gespielt.

Dennis Palka: Man schaut auf jeden Fall sehr viel Fernsehen, schläft länger, kocht viel. Wir hatten zum Glück ein paar Leute aus dem Verein, die für uns eingekauft haben und uns die Sachen dann vor die Tür gestellt haben.

ONETZ: Hat es in irgendeiner Form eine medizinische Aufklärung oder Betreuung gegeben?

Dennis Palka: Der Arzt hat sich mit uns in Verbindung gesetzt, hat uns nach den Symptomen gefragt und uns entsprechend individuell behandelt. Nach der Quarantäne wurden Tests der Lunge und des Herzens gemacht, ob da alles in Ordnung ist.

Philip Lehr: Diejenigen, bei denen die Tests nach der Quarantäne nicht so gut ausgefallen sind, die mussten danach noch öfter zum Arzt, aber bei den meisten war alles in Ordnung. Wenn uns jetzt bei Belastung im Training oder Spiel etwas auffällt, sollen wir uns mit dem Arzt in Verbindung setzen.

Dennis Palka: Wir müssen auf unseren Körper, auf unser Gefühl hören, und sobald uns etwas auffällt, sollen wir uns melden. Aber soweit sind die Tests und die Werte in Ordnung.

ONETZ: Wie haben Sie sich während der Quarantäne fitgehalten?

Dennis Palka: Niemand von uns hat Fitnessgeräte zu Hause. Und vor allem am Anfang geht es auch erstmal darum, wieder gesund zu werden, bei mir hat das sechs Tage gedauert. Danach tastet man sich langsam ran, mit 20 bis 30 Minuten Workout am Tag, aber dann ist die Quarantäne auch fast schon wieder vorbei.

Philip Lehr: Cybertraining war auch nicht möglich, weil bei uns fast alle betroffen waren. Da ist erstmal Ruhe angesagt. Das Hauptaugenmerk lag darauf, wieder gesund zu werden und danach mit leichten Sachen wieder anzufangen.

ONETZ: Die körperlichen Folgen der Corona-Infektion sind in Ihrem Fall überschaubar. Wie steht's um die Psyche?

Dennis Palka: Wir dürfen das Thema noch nicht abhaken. Es heißt zwar, dass wir jetzt immun seien, aber niemand weiß, ob wir uns nicht noch einmal infizieren können. Es gibt auch Fälle, wo sich manche erneut angesteckt haben, daher müssen wir weiter Vorsicht walten lassen. Man sieht das ja an unseren Teamkollegen, die teilweise bis vor Kurzem noch richtig Probleme hatten, wenn sie aufs Eis gingen. Die waren längere Zeit wirklich beeinträchtigt.

Das erste Training war für mich eine Katastrophe.

Philip Lehr

Philip Lehr

ONETZ: Wie hat sich der Wiedereinstieg ins Training dargestellt? Das war bereits kurz vor dem Saisonstart.

Philip Lehr: Das erste Training war für mich eine Katastrophe (lacht). Bei der ersten Übung habe ich gedacht, ich muss wieder runter vom Eis. Aber ich hab mir eingeredet, das ist normal, und dann wurde es auch von Training zu Training besser. Nach drei, vier Einheiten habe ich mich wieder normal gefühlt. Das war aber bei jedem anders.

Dennis Palka: Die ersten beiden Trainingseinheiten waren noch halbwegs locker, dass wir erstmal schauen konnten, ob mit der Lunge und der Luft alles in Ordnung ist. Wir haben uns Stück für Stück gesteigert, nach drei Tagen ging's hoch auf 100 Prozent. Wir hatten auch nicht so viel Zeit, weil gleich zwei Vorbereitungsspiele anstanden und dann ging's schon los mit der Saison.

ONETZ: Haben Sie Bedenken, weil die Eishockey-Saison trotz aller Widrigkeiten auf Biegen und Brechen durchgeboxt wird?

Dennis Palka: Ich finde es absolut richtig, dass wir spielen dürfen. Alle gehen zur Arbeit, warum sollten wir nicht zur Arbeit gehen dürfen? Es gibt auch Fälle im Büro, wo Corona-Infektionen auftreten. Ich sehe da nichts Schlimmes dabei.

ONETZ: Welchen Ratschlag würden Sie als ehemals Corona-Infizierte den Menschen geben?

Philip Lehr: Haltet euch an die Hygieneregeln! Wenn ihr Symptome habt, bleibt zu Hause! Risikopatienten sollen extravorsichtig sein! Aber gleichzeitig sollte sich auch niemand verrückt machen lassen und weiter leben. Jeder ist gefordert, seinen Beitrag zu leisten.

Dennis Palka: Wir Bürger können nicht viel mehr machen, als uns an die Hygienevorschriften zu halten.

Hintergrund:

Das sind Dennis Palka und Philip Lehr

  • Dennis Palka: Alter: 28; Position: Stürmer; im Verein seit: 2020; bisherige Vereine: Füchse Duisburg, Hammer Eisbären, Lausitzer Füchse, Bayreuth Tigers, Bietigheim Steelers, Heilbronner Falken, Dresdner Eislöwen, Herner EV
  • Philip Lehr: Alter: 27; Position: Torwart; im Verein seit: 2020; bisherige Vereine: Heilbronner Falken, EC Bad Nauheim, Fass Berlin, Löwen Frankfurt, Nürnberg Ice Tigers, Füchse Duisburg, Black Dragons Erfurt, Hannover Indians

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