17.06.2021 - 12:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

BFV sauer: Weiter keine Lösung bei der Zuschauer-Frage

Die bayerische Regierungskoalition hat zwei Anträge zur Aufhebung der Zuschauer-Vorschriften für die Amateurfußball-Vereine abgelehnt, dennoch zeichnet sich eine praxisnahe Lösung ab. Dem Bayerischen Fußball-Verband dauert das zu lange.

Auf den Zuschauerrängen der Amateurvereine wird es weiter viel Platz geben. Noch sind keine Stehplatz-Besucher erlaubt.
von Jürgen UmlauftProfil

Die Amateursportvereine in Bayern können auf eine baldige Änderung des am vergangenen Freitag vom Innenministerium veröffentlichten Rahmenkonzepts für Sportveranstaltungen hoffen. Dieses hatte heftige Kritik ausgelöst, weil unter anderem selbst unterklassigen Vereinen die Auflage gemacht wird, Zuschauer nur registriert und mit zugewiesenen Sitzplätzen zuzulassen. Für Sportplätze ohne Tribüne käme dies einem Zuschauerverbot gleich. Auf Unverständnis stieß zudem, dass im Freien nur maximal 500 Besucher zugelassen sind, in Sporthallen dagegen bis zu 1000 auch ohne zugewiesene Sitzplätze. Außerdem war den Vereinen empfohlen worden, aus Infektionsschutzgründen Eintrittskarten nicht an Kassenhäuschen, sondern online zu verkaufen. Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) kündigte im Landtag an, es sei in Absprache mit den Sportverbänden eine praxistaugliche Lösung auf dem Weg.

Eine sofortige Aufhebung der Vorschriften hatten zuvor FDP und SPD in Dringlichkeitsanträgen gefordert. Alexander Muthmann (FDP) sprach von einem "Regelungsfeuerwerk, das die kleinen Vereinen erstickt". Die Besucherregelungen seien nicht nachvollziehbar. Von kleinen Vereinen einen Online-Ticketverkauf zu verlangen, sei "weitab jeglicher Realität". Harald Güller (SPD) sagte, die Verordnung setze "dem Irrsinn die Krone auf". In geschlossenen Räumen doppelt so viele Zuschauer zuzulassen wie im Freien sei "blanker Unsinn". Der Grüne Johannes Becher appellierte an die Abgeordneten, der Staatsregierung "so einen Schmarrn" nicht durchgehen zu lassen. In die Allianz-Arena in München könnten zur Fußball-EM 14 500 Fans, aber im Amateursport dürfe sich kein Zuschauer an den Spielfeldrand stellen. Ralf Stadler (AfD) forderte, den Sportbetrieb wieder uneingeschränkt zuzulassen.

Verordnungen nur schwer zu erklären

Kritik an der Regelung kam auch vom Koalitionspartner Freie Wähler. Deren Sportpolitiker Joachim Hanisch sagte, es gebe in der Verordnung "Sachen, die man nur schwer erklären kann". Auch er habe für die von der Opposition bemängelten Regeln "kein Verständnis". Da Eck aber bereits für die nächsten Tage eine Lösung angekündigt habe, würden die Freien Wähler den Dringlichkeitsanträgen nicht zustimmen. Der CSU-Abgeordnete Max Gibis verteidigte die Vorlage des Innenministeriums. Mit ihr sei versucht worden, klare und an die Vorgaben für die Kultur angelehnte Regelungen zu finden. Da trotz sinkender Inzidenzwerte Corona noch nicht vorbei sei, brauche es weiter gewisse Einschränkungen. Die Anträge der Opposition seien überflüssig, weil bereits Gespräche über praxisnähere Anpassungen geführt würden.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV), der das „Rahmenkonzept Sport“ bereits bei Inkrafttreten kritisiert und dringend Nachbesserungen gefordert hatte, reagiert mit großer Enttäuschung: „Der Frust bei den Vereinen ist enorm – und er wird mit jedem Tag weiter wachsen, an dem diese unsinnige, weil nicht mehr erklärbare Regelung Gültigkeit besitzt“, sagt BFV-Präsident Rainer Koch: „Wir haben gerade in den vergangenen Tagen nochmals intensive Gespräche mit Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsminister Klaus Holetschek sowie Ministerpräsident Markus Söder geführt. Dass unsere Vereine aber mit dieser Entscheidung des Landtags weiter vertröstet werden, ist alles andere als schön. Wichtig ist es jetzt, dass in jedem Falle die angekündigten Taten folgen, daran muss sich die Regierung messen lassen.“

BFV hat Konzepte in der Schublade liegen

Trotz der jetzt getroffenen politischen Entscheidung bleibt der BFV dabei, sich in die Überarbeitung des Konzepts mit einbringen zu wollen. „Und das lieber heute als morgen – zumal praxisnahe und erprobte Konzepte seit langem in der Schublade liegen und damit umgehend eine deutliche Verbesserung der Situation herbeigeführt werden könnte“, betont Koch. Experten aus Wissenschaft, Medizin und Forschung seien sich einig, dass das Infektionsrisiko unter freiem Himmel äußerst gering ist, bis heute sei kein Corona-Fall bekannt, der ursächlich mit einem Fußballspiel in Verbindung steht, hieß es vom BFV.

Für BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, im Präsidium für den Spielbetrieb in Bayern zuständig, ist es „extrem bitter, dass die erlösende Nachricht für den bayerischen Amateurfußball jetzt ausgeblieben ist. Das Thema darf nicht auf die lange Bank geschoben werden. Wer die Debatte verfolgt hat, der weiß, dass sich in der Sache alle einig sind, aber leider überlagern politische Ränkespiele den Kern und werden auf dem Rücken der Vereine ausgetragen. Wir alle sind bereit, verantwortungsbewusst den nächsten Schritt in Richtung mehr Normalität zu machen. Schon mit 100 Stehplätzen, selbstverständlich unter Einhaltung des Mindestabstands und zur Not auch mit Maske, wäre den meisten unserer Vereine, die jetzt alle wieder in die Vorbereitung mit Testspielen starten, in einem ersten Schritt geholfen gewesen. Fußballplätze sind groß genug, um zumindest eine begrenzte Zahl an Zuschauern auf Stehplätzen zulassen zu können, zumal die meisten Sportgelände gar keine Sitzplatztribünen haben“.

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Amberg

 

 

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