Update 21.08.2020 - 15:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Amateurfußballer im Wartestand: BFV verschiebt Re-Start

Der Ton wird schärfer: Der Bayerische Fußball-Verband kritisiert das Zögern der Politik in einem offenen Brief an alle Vereine. Als erste Reaktion auf die fehlende Erlaubnis zu Punktspielen, verlegt der BFV den geplanten Wiederbeginn.

Wann darf endlich wieder um Punkte und Titel gekämpft werden? Der Bayerische Fußball-Verband hat den geplanten Wiederbeginn Anfang September abermals um 14 Tage nach hinten verschoben.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Die Hängepartie um die Wiederaufnahme des Punktspielbetriebs der bayerischen Amateurfußballer geht weiter: In einem offenen Brief an seine über 4500 Mitgliedsvereine und die dort über 1,6 Millionen organisierten Fußballer hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie informiert und offen dargelegt, dass der Verband als Interessensvertreter seiner Klubs die Grundlage für einen Re-Start im September 2020 gelegt hat. „Der Ball liegt jetzt in der Spielhälfte der Politik, sie muss entscheiden, ob sie mitspielt oder ob sie Euch, unsere über 4500 Vereine, weiter im Abseits stehen lässt und damit Eure Existenz aufs Spiel setzt“, schreibt BFV-Präsident Rainer Koch an die Vereinsvertreter und Funktionäre im Freistaat. Der Verbandsvorstand hat sich indes aufgrund der noch nicht getroffenen staatlichen Entscheidung dazu entschieden, seinen Vereinen „eine gewisse Vorlaufzeit zur Umsetzung der dann geltenden Hygienekonzepte einzuräumen und den Spielbetrieb (falls endlich staatlich erlaubt) ab dem 19. September fortzusetzen (einzelne Spiele wären nur dann früher möglich, wenn beide beteiligten Vereine dies wünschen)“.

Als solche vorgezogenen Partien kämen Nachholspiele in Betracht, die anstatt im November bereits vor dem offiziellen Wiederbeginn ausgetragen werden könnten, sofern die Hygienemaßnahmen vor Ort bereits greifen. Ursprünglich hatte der BFV mit einem Re-Start ab dem 5. September geplant. "Aktuell bleibt uns leider weiterhin nichts anderes übrig, als abzuwarten", sagte Christian Wolfram gegenüber Oberpfalz-Medien. Der Bezirksspielleiter werde daher den erst kürzlich kommunizierten Fahrplan ab dem Re-Start vorerst nicht anpassen, bis der Ministerrat am 1. September (vielleicht) eine endgültige Entscheidung trifft. "So lange bleibt alles Spekulation, da wir nicht wissen, was dann überhaupt entschieden wird. Gibt es eine sofortige Freigabe? Kommt die Erlaubnis, ab 19. September wieder Punktspiele austragen zu dürfen? Oder bleibt womöglich sogar jeglicher Spielbetrieb bis 31. Oktober untersagt?" Sollte es tatsächlich ab 19. September weitergehen, will Wolfram in den beiden Bezirksligen daran festhalten, mit Punktspielen zu starten, ehe der Ligapokal anschließt. "Da uns allerdings zwei Wochenenden fehlen, würde dann die Zwischenrunde im Ligapokal entfallen."

Unabhängig vom Gerangel um die Fortführung der XXL-Corona-Saison 2019/20 hat der BFV in seiner Satzung eine Vorkehrung für künftige Ausnahmesituationen wie die aktuelle Coronavirus-Pandemie getroffen. Der Vorstand hat Regelungen hinsichtlich einer Wertung getroffen, sollten in der Zukunft Spielzeiten bei Frauen, Männern und Mädchen aufgrund höherer Gewalt, einer staatlichen oder kommunalen Verfügungslage nicht bis zum festgelegten Spieljahresende beendet werden können. Sollte dieser Fall in der Zeit nach dem 30. Juni 2021 eintreten, so wird die Saison abgebrochen und entsprechend der Quotienten-Regel gewertet, „sofern bei 75 Prozent der Mannschaften aus der jeweiligen Spielgruppe mindestens 50 Prozent der Verbandsspiele ausgetragen bzw. durch die Sportgerichte gewertet wurden. Ansonsten wird die Saison für die Mannschaften aus der betroffenen Spielgruppe annulliert. In diesem Fall kommt es nicht zum Vollzug der amtlich veröffentlichten Auf- und Abstiegsregelung“ – so der genaue Wortlaut. Die derzeit noch unterbrochene Saison ist von diesem neuen Paragrafen 93 der BFV-Spielordnung "ausdrücklich nicht betroffen", da der Verband nach wie vor davon ausgeht, die Spielzeit 2019/20 bis zum 30. Juni 2021 auf dem Rasen zu finalisieren.

Hintergrund:

Der offene Brief im Wortlaut

Liebe Vereinsvertreter,

liebe Amateurfußballer in Bayern,

liebe Funktionäre,

zuvorderst einmal ist es mir ganz besonders wichtig, Euch allen mein großes Dankeschön auszusprechen. Wie Ihr diese so zuvor nicht gekannte Krise in den vergangenen Monaten gemeinsam gemeistert, wie ihr häufig während des Lockdowns in Eurem Ort soziale Verantwortung mitgetragen, wie Ihr vorbildlich die staatlichen Regelungen umgesetzt und mit uns über den richtigen Weg des Amateurfußballs diskutiert habt, verdient den allergrößten Respekt. Auch wenn wir uns dies alles sehr gerne erspart hätten, so zeigt doch gerade diese schwierige Zeit, dass der Amateurfußball in Bayern lebt, er in der Lage ist, nicht nur auf, sondern auch abseits des Platzes Großes zu leisten. Das ist außergewöhnlich!Wir alle warten mit großer Ungeduld auf den Zeitpunkt, an dem es endlich wieder losgeht, wir mehr als „nur“ Trainingsspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten können. Da geht es Euch so wie uns. Genau deshalb haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv daran gearbeitet, die Grundlage zu schaffen, um eine baldige Entscheidung herbeizuführen. Selten in der Öffentlichkeit, denn es braucht an dieser sensiblen Stelle im Dialog mit der Politik vor allem Diplomatie und Durchhaltevermögen. Wir haben einiges erreicht, so können wir zumindest wieder trainieren, beim Nachwuchs dürfen wieder Eltern zuschauen. Das aber ist nicht genug. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, Euch jetzt auch offen zu sagen, was wir an entscheidender Stelle beim für uns zuständigen Innenministerium klar hinterlegt haben und welche wichtigen Positionen für uns maßgebend sind:

Wir haben unter Mitwirkung unseres Verbandsarztes Dr. Werner Krutsch ein weiteres umfassenden Hygiene-Konzept – wie schon für Training zunächst ohne und dann mit Kontakt – erstellt, das für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter Zulassung einer begrenzten Zahl an Zuschauern allen Vereinen als Muster dient und zeigt, dass wir alle zusammen gemeinsam Verantwortung übernehmen können.

Wir haben beim Innenministerium klar zum Ausdruck gebracht, dass wir es nicht im Ansatz nachvollziehen können, warum Freiluft-Theater oder Konzerte mit bis zu 400 Besuchern erlaubt sind, Zuschauer beim Fußball aber nicht. Wir vertreten hier klar den Standpunkt, dass gleiche Maßstäbe für alle gelten sollen, und ein Fußballplatz genügend Raum bietet, um die Abstandsregelungen einhalten zu können.

Natürlich besitzt die Gesundheit aller oberste Priorität, das steht außer Frage und dies respektiert der BFV natürlich vollumfänglich. Dennoch ist es für uns keinesfalls schlüssig, warum Zuschauer im Amateurfußball verboten sind, während Theater, Kino, Gastronomie, etc. unter merklich beengteren Verhältnissen Gäste begrüßen und bedienen dürfen.

Es stößt immer mehr auf Unverständnis, warum bei Amateurspielen im Freien in Baden-Württemberg bis zu 500 Zuschauer und in Hessen bis zu 250 Zuschauer zugelassen sind, in Bayern aber keine Zuschauerregelung gefunden werden kann. Es geht bei unserem Spielbetrieb doch in der Regel nicht darum, Fankurven in Stadien, bei denen man eng zusammensteht, zu füllen, sondern eine gewisse Anzahl von Vereinsmitgliedern, Eltern und Freunde und Freundinnen auf Fußballplätze zu bringen, die genügend Platz bieten, um Abstand zu halten. Wir haben mehrfach Lösungen vorgeschlagen und uns angeboten, Regularien mit auszuarbeiten.

Mit einer staatlichen Entscheidung, ob wir den Wettkampfspielbetrieb vor Zuschauern wiederaufnehmen können, ist laut Nachricht aus dem Innenministerium leider nicht vor dem 1. September 2020 zu rechnen. Von daher hat sich der BFV-Vorstand dazu entschieden, seinen Vereinen eine gewisse Vorlaufzeit zur Umsetzung der dann geltenden Hygienekonzepte einzuräumen und den Spielbetrieb (falls es endlich staatlich erlaubt wird) ab dem 19. September 2020 fortzusetzen (einzelne Spiele wären nur dann früher möglich, wenn beide beteiligten Vereine dies wünschen).

Alle Informationen sind auch hier ausführlich auf unserer Internetseite nachzulesen. Bitte nutzt diese Möglichkeit auch weiterhin, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Eine Entscheidung über den weiteren Fortgang trifft einzig und alleine die Bayerische Staatsregierung, die Vereine und der BFV haben ihre Hausaufgaben gemacht. Der Ball liegt jetzt in der Spielhälfte der Politik, sie muss entscheiden, ob sie mitspielt oder ob sie Euch, unsere über 4500 Vereine, weiter im Abseits stehen lässt und damit Eure Existenz aufs Spiel setzt. Wir wissen um die großen Nöte vor Ort, die jeder Tag mehr mit sich bringt, wenn der Ball bei Euch vor Zuschauern nicht rollen kann. Wir müssen gemeinsam verantwortlich handeln, dazu gehört es selbstverständlich, die Gesundheit zu schützen; es gehört aber auch dazu, der kraftvollen und vielfältigen Vereinslandschaft in Bayern eine sportliche und somit auch wirtschaftliche Perspektive zu geben.Wir werden auch weiterhin alles dafür tun und uns weiterhin mit voller Kraft einsetzen, dass der bayerische Amateurfußball zumindest eine Gleichbehandlung erfährt. Auch Euch bitten wir, alle weiterhin gemeinsam an einem Strang zu ziehen, politische Vertreter bei Euch vor Ort anzusprechen und dabei klar zum Ausdruck zu bringen, welche Positionen wir gemeinsam vertreten. Denn klar ist auch: Es kann nur gemeinsam gehen. Vereine, Verband – und jetzt vor allem die Politik.

Euer Dr. Rainer Koch

Der BFV hat dem Innenministerium ein Hygiene- und Schutzkonzept vorgelegt

Weiden in der Oberpfalz

Die Oberpfälzer Bezirksligisten stimmten gegen mögliche Geisterspiele

Luhe-Wildenau

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.