24.03.2021 - 14:18 Uhr
VohenstraußSport

März 1979: Als Matthäus die SpVgg Vohenstrauß fast im Alleingang zerlegte

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Vereine von Weltruf, das waren einst die Gegner des Lothar Matthäus. Zu Beginn seiner Karriere sah`s anders aus. Da musste er auch gegen Provinzklubs ran, zum Beispiel gegen die SpVgg Vohenstrauß. Ein SpVgg-Akteur von damals erinnert sich.

Vor drei Jahren zog sich Lothar Matthäus noch einmal das Trikot des in der Bezirksliga spielenden 1. FC Herzogenaurach über, um bei seinem Heimatverein auch symbolisch einen Schlusspunkt unter seine Karriere zu setzen. Für Herzogenaurach spielend, traf Matthäus einst auch auf einen Verein aus der Region, die SpVgg Vohenstrauß.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

25. März 1979: Wenn man so will, war dies der Tag, an dem der Grundstein für die Karriere eines Weltfußballers gelegt wurde. Vier Tage vorher hatte Lothar Matthäus noch ganz unaufgeregt seinen 18. Geburtstag gefeiert. Und nun ging es für den Jungspund ums Ganze. Borussia Mönchengladbach hatte angeklopft, Interesse gezeigt an einer Verpflichtung.

Wo heutzutage Späher und Scouts außergewöhnliche Talente unter die Lupe nehmen, machte sich damals ein namhafter Nationalspieler extra auf nach Herzogenaurach. Jupp Heynckes, zu jener Zeit Co-Trainer unter Udo Lattek und nur wenige Monate später selbst Chefcoach in Gladbach, wollte sich vor Ort ein Bild machen vom blutjungen Matthäus.

Und der lieferte: Am Vormittag erzielte Matthäus im Spiel der A-Junioren des 1. FC Herzogenaurach zwei Tore, um nur wenige Stunden später im Trikot der Landesliga-Herrenmannschaft nachzulegen. Beim 5:1-Heimsieg gegen die SpVgg Vohenstrauß traf "Loddar" nicht nur erneut doppelt, sondern trickste und zauberte, dass dem Gegner Hören und Sehen verging. "Was wir auch probiert haben, den konnten wir einfach nicht halten", berichtet Josef "Bepp" Werner. "Das war ein Spieler, der war einfach zu gut für diese Liga. Das muss man einfach so zugeben."

Dabei waren die Vohenstraußer eigentlich guter Hoffnung zum Spitzenreiter der Landesliga Mitte gefahren. Mit unter anderem Karl-Heinz Roßmann, Ambros Fürtsch, Peter Fürnrohr, Josef "Bepp" Werner oder Werner "Paty" Schön im Tor hatte man ja Klasse-Fußballer mit Bayernliga-Erfahrung in den eigenen Reihen. Hinzu kam die Vohenstraußer Vorliebe für Gegner aus Franken. "Wir hatten schon in der Bayernliga immer eine gute Bilanz gegen Teams aus dem Nürnberger Raum", erzählt Werner.

Den spielerischen Vorteil der Mittelfranken machte die SpVgg dabei regelmäßig mit Kampfgeist wett. Und wenn nötig, zog man dem Kontrahenten zusätzlich mit der nötigen Härte den Zahn. "Die haben uns gefürchtet, weil wir so richtig den Körper eingesetzt haben" grinst der heute 75-Jährige. "Und wenn sie hingefallen sind und sich beschwert haben, haben wir noch mehr zugelangt." Bei Matthäus, gibt Werner zu, habe das Ganze nicht funktioniert: "Der war einfach zu wendig und zu schnell." Wobei der Altersunterschied in Sachen Geschwindigkeit natürlich auch eine Rolle spielte: "Ich war damals 34 und Matthäus ein junger Hüpfer. Er stand einfach für eine neue Generation."

Dass sich Werner an jene Partie am 25. März 1979 so gut erinnern kann, hat einen einfachen Grund. "Natürlich haben wir mitbekommen, dass Jupp Heynckes unter den Zuschauern war. Das war das große Thema. Deswegen vergisst man so ein Spiel auch nicht so schnell." Noch heute könne er sich erinnern, wo Heynckes das Spiel beobachtet habe: "Ich könnte auf ein paar Meter genau sagen, wo er gestanden hat."

Was Werner aber nicht in Erinnerung blieb: Bereits im Hinspiel im September 1978 in Vohenstrauß stand Matthäus mit Sondergenehmigung in der Anfangself des 1. FC Herzogenaurach. Damals führte die SpVgg durch Tore von Werner und Roßmann mit 2:0, ehe den Gästen der Anschlusstreffer gelang. Und wem war es vorbehalten, den Ausgleich zu erzielen? Natürlich: Lothar Matthäus.

Der Weltfußballer von 1990 ist im Übrigen nicht der einzige "Promi-Kicker", dem Werner in seiner sportlichen Laufbahn begegnet ist. Als Jugendlicher wurde er in die bayerische Jugendauswahl berufen und kickte dort in zwei Spielen mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Matthäus stellt Werner in eine Reihe mit den beiden Bayern-Legenden: "Er war bestimmt einer der besten Fußballer, die Deutschland je gehabt hat." Ob der seit vergangenen Sonntag 60-Jährige für den Bundestrainer-Posten geeignet ist, will Werner nicht ausschließen: "Warum nicht? So viele Kandidaten, die frei sind und sich eignen, haben wir hierzulande nicht."

Einen Vorteil hätte die Löw-Nachfolge allemal: „Loddar“ würde mit dem deutschen Nationalteam bestimmt nicht, wie selbst anno dazumal, in der Provinz herumtingeln müssen. Und Vohenstraußer Härte behagt ja nicht jedem.

Güttler einst ein Kumpel von Matthäus

Weiden in der Oberpfalz
Josef "Bepp" Werner war in den siebziger Jahren eine Leitfigur der SpVgg Vohenstrauß. In der Landesliga Mitte traf der heute 75-Jährige unter anderem auf den 1. FC Herzogenaurach mit dem gerade mal 18-jährigen Lothar Matthäus.
Info:

Zur Person: Lothar Matthäus

  • 1979 Wechsel vom 1. FC Herzogenaurach zu Borussia Mönchengladbach
  • Weitere Vereine: FC Bayern München, Inter Mailand, Metro Stars
  • Erfolge: u.a. Weltmeister, Weltfußballer, Rekordnationalspieler (150 Länderspiele)
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