22.12.2020 - 15:51 Uhr
VohenstraußSport

Keine Ausgaben im Coronajahr: Fanclubs spenden so viel wie nie für gute Zwecke

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Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Jemand, der aber das ganze Jahr über Gutes tut, sind die vielen Fußball-Fanclubs in der Region. Ihre Spendenbereitschaft ist groß - besonders in Coronazeiten. Wir nennen einige Beispiele.

Die Fußball-Fanclubs in der Region tun viel Gutes. Wie zum Beispiel der Bayern-Fanclub Vohenstrauß. Unser Bild zeigt eine Spendenübergabe an das Sozialamt der Stadt Vohenstrauß durch die Vorstandsmitglieder Stefan Schäftner (links) und Josef Maier (Zweiter von links). Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und Ingrid Scheinkönig vom Sozialamt freuten sich. Das Bild stammt aus dem Jahr 2018, als das Tragen von Masken noch kein Thema war.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Keine Stadionbesuche, keine Anfeuerung von den Rängen: 2020 war ein verflixtes Jahr für Fußballanhänger. Der Frust sitzt deshalb tief bei vielen Fanclubs. Doch wenn man den sportlichen Aspekt mal ausblendet, hat das Daumendrehen während der Pandemie auch eine gute Seite. "Wir hatten heuer so gut wie keine Ausgaben im Verein", berichtet Josef Maier vom Bayern-Fanclub Vohenstrauß. "Es gab ja keine Busfahrten zu den Spielen, keine Weihnachtsfeier, keine anderen Veranstaltungen." Der erfreuliche Effekt: Das Vereinssäckel des rund 750 Mitglieder großen Fanclubs war aufgrund nicht verbrauchter Mitgliedsbeiträge so prall gefüllt wie seit langem nicht mehr.

Doch was tun mit dem vielen Geld? Auf die hohe Kante legen? Für eine große Fete in der Nach-Corona-Zeit sparen? Maier schüttelt den Kopf: "Wir brauchen einen gewissen Grundstock, aber Reichtümer wollen wir nicht anhäufen." Der Fanclub-Vorsitzende verweist vielmehr auf eine besondere Einstellung, die die Vohenstraußer Bayern-Fans seit der Gründung im Jahr 1977 pflegen: "Wir spenden regelmäßig an soziale Einrichtungen. Priorität dabei ist, dass das Geld in der Region bleibt."

2020 machte der Verein gleich mehrmals die Schatulle auf: Jeweils 300 Euro gingen an die drei Fußballvereine der Stadt, die SpVgg Vohenstrauß, den SV Altenstadt/Voh. und den SV Waldau, 500 Euro an die Kinderkrebshilfe und jeweils 100 Euro an 13 Gaststätten in der Großgemeinde. "Das war für uns ein Bedürfnis, auch die zu unterstützen, die unter Corona zu leiden haben. Das sind unter anderem die Gastronomen." Die Spendenfreudigkeit kommt laut Maier nicht nur bei den eigenen Mitgliedern gut an: "Wir haben insgesamt als Fanclub eine hohe Akzeptanz in der Großgemeinde."

Die hat auch der Bayern-Fanclub Floß (2500 Mitglieder), und zwar über die Marktgrenzen hinweg. "Soziales Engagement gehört zu unserer Vereinsphilosophie und ist in den Statuten festgelegt", berichtet Vorsitzender Gerhard Stadler. Im Schnitt 10,50 Euro Jahresbeitrag zahlt ein Flosser Bayern-Fan. Geld, das gut angelegt ist. Seit der Vereinsgründung vor 32 Jahren hat der Fanclub mehr als 78 000 Euro für karitative Zwecke aufgewendet.

"Schulen, Kirchen, Feuerwehr, Amateursport. Es gibt fast keine Organisation in Floß und Umgebung, die wir noch nicht unterstützt haben", sagt Stadler. Rührung schwingt in seiner Stimme mit, als er von einem Italiener erzählt, der seit 30 Jahren mit seiner gesamten Familie Vereinsmitglied ist und jedes Jahr 150 Euro spendet: "Der findet einfach toll, dass wir anderen helfen." Wie zum Beispiel finanziell schlecht gestellten Senioren. "Wir hatten vor längerer Zeit mal eine Aktion, bei der wir Geldbeträge an ältere Leute verteilt haben", berichtet Stadler. "Da kamen manchen die Tränen. So sehr haben sie sich gefreut."

Flosser Bayern-Fanclub tut Gutes

Floss

Da sich die Vereinsausgaben 2020 im Rahmen hielten, konnte der Fanclub Floß in die Vollen gehen. 2000 Euro kamen der örtlichen Schule zugute, jeweils 1000 Euro dem SV Floß, FC Weiden-Ost und SC Luhe-Wildenau sowie der katholischen Pfarrgemeinde in Floß.

Eine herausragende Stellung unter den Bayern-Fanclubs nehmen die Nabburger ein. Mit 5750 Mitgliedern sind sie der größte FCB-Fanclub weltweit. Auch deshalb sind die Spendenbeträge, die hier bewegt werden, noch beeindruckender. In der Summe kamen heuer über 10 000 Euro zusammen; der Weiße Ring, das Wunschmobil in Straubing und die Leukämiehilfe waren dabei die größten Profiteure.

"Es ist uns ein Herzensbedürfnis, so viel zu helfen, wie es nur geht", sagt Klubchef Bernd Hofmann. Bei der Auswahl der Begünstigten lege man Wert darauf, dass "es solche sind, die es dringend benötigen. Da gibt es im Bezirk genug." Den Mitgliedern hat Hofmann bereits dafür gedankt, "dass ihr wieder sehr sozial unterwegs gewesen seid". Im Corona-Jahr hat der Vorsitzende auch aufgrund der sozialen Aktionen bereits 59 Newsletter verfasst: "So viele habe ich noch nie verschickt".

"Es ist uns ein Herzensbedürfnis, so viel zu helfen, wie es nur geht."

Bernd Hofmann

Bernd Hofmann

Mit Mitgliederzahlen wie in Nabburg, Floß oder Vohenstrauß können kleinere Fanclubs natürlich nicht mithalten. Und doch sind es gerade auch sie, die mit geringeren Summen Freude bereiten, viel Gutes in Gang setzen. Wie etwa die "Löwen"-Fans in Eslarn. Für ein neues Fahrzeug der "Helfer vor Ort" steuerten sie 300 Euro bei. "Wenn es sich ergibt, helfen wir gerne", sagt Vereinschef Matthias Brenner.

Rührig ist auch der 110 Mitglieder starke Fanclub des 1. FC Nürnberg in Irchenrieth. Die dortigen FCN-Fans starteten im Sommer die Initiative für eine Hilfsaktion in Ruanda. Für Pater Danko, der vor 40 Jahren auch in Irchenrieth wirkte, und seinen Kampf gegen den Hunger spendeten die Clubberer 1000 Euro; insgesamt kamen 35 000 Euro zusammen. "Das war ein echter Hilfeschrei aus Afrika", berichtet Fanclub-Chef Josef Ram. "Pater Danko hat sich riesig gefreut." Doch in die Freude, mitgeholfen zu haben, andernorts Not zu lindern, mischt sich auch die Hoffnung auf bessere Zeiten als Club-Fan: "Den Besuch von Heimspielen vermissen wir schon sehr."

Kommentar:

Echte Wohltäter für die Region

Sie müssten nicht spenden, tun es aber doch. Und zwar aus Überzeugung. Viele Fußball-Fanclubs haben eine soziale Ader, gehen beispielhaft voran und helfen dort, wo Hilfe nötig ist. Unbürokratisch, schnell, zielgerichtet.
Unzählige Vereine, Pfarrgemeinden, Organisationen und auch manche Privatleute haben in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten durch die Fanclubs Unterstützung erfahren. Oft handelt es sich um einige Hundert Euro, nicht selten auch um vierstellige Beträge. FC Bayern, 1. FC Nürnberg, TSV 1860 – die Couleur der Fanclubs ist dabei völlig egal. An dieser Stelle sei ein herzliches „Dankeschön“ gesagt: Ihr seid Wohltäter für die Region.

Alfred Schwarzmeier

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