25.11.2020 - 15:48 Uhr
VohenstraußSport

Alpiner Skiweltcup: Das große Ziel eines 14-Jährigen aus Vohenstrauß

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Im Slalom-, Riesenslalom- oder Super-G-Weltcup war ein Nord-Oberpfälzer bisher nicht dabei. Vielleicht ändert sich das ja in einigen Jahren. Einer aus Vohenstrauß arbeitet zumindest intensiv daran.

Im Rennanzug des Deutschen Skiverbands (DSV) macht der Vohenstraußer Raphael Wittmann bei den Rennen eine gute Figur. Im Schülerbereich war der 14-Jährige auch schon sehr erfolgreich.
von Armin Eger Kontakt Profil

Sonntagvormittag: Raphael Wittmann sitzt mit seinem Vater vor dem Fernseher. "Das ist Pflichtprogramm", sagt Peter Wittmann. Zusammen sehen sie sich den Weltcupslalom aus Finnland an. Eine eher ungewohnte Situation, da der 14-Jährige nur noch alle paar Wochen zu Hause ist. "Wir geben eine Bewertung ab, analysieren die Läufe", sagt der Senior, denn im Hause der Wittmanns dreht sich alles um das Skifahren. "Irgendwann sehen wir da vielleicht auch mal den Raphael."

An der Eliteschule des Sports

„Der Aufstieg in den Nationalkader 2 wäre super. Aber ganz wichtig ist, dass ich verletzungsfrei bleibe.“

Raphael Wittmann

Raphael Wittmann

Der Grundstein ist gelegt. Der 14-jährige besucht die Eliteschule des Sports, die Christopherus-Schulen in Berchtesgaden. Armin Bittner, Hilde Gerg, Maria Höfl-Riesch oder Christa Kinshofer, alles international erfolgreiche alpine Skisportler waren in dem Internat, aber auch Skilangläufer Tobias Angerer, Rodler Georg Hackl oder Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle nutzten die Kombination Schule und Leistungssport im Berchtesgadener Land.

"Am Anfang war es schon ungewohnt, aber ich habe hier schnell viele Freunde gefunden", sagt Raphael Wittmann, der sich ein Zimmer mit einem Jungen aus Passau teilt. Schon mit zwei Jahren stand der Vohenstraußer auf Skiern, fuhr mit drei Jahren sein erstes Rennen. "Er hatte immer, auch in den Jahren danach, Spaß. Wir haben ihn nie gezwungen", erzählt Peter Wittmann.

Eine skiverrückte Familie

Auf dem Skihang des TV Vohenstrauß verbrachte die skisportbegeisterte Familie zig Stunden. Vater Peter ist selbst Rennen gefahren, hat den Nachwuchs im Verein trainiert. Raphaels Schwester Lara-Marie (11) war anfangs noch dabei, hat sich aber jetzt dem Reitsport verschrieben. Mutter Verena ist Physiotherapeutin, spezialisiert sich momentan auf den Sport.

"Wir sind schon etwas verrückt", sagt Peter Wittmann, der mit Raphael viele Jahre lang von Rennen zu Rennen unterwegs war, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich oder der Schweiz. Raphael stand immer wieder auf dem Podium. "Der Spagat zwischen Schule und Sport hat immer gut geklappt", erinnert sich Peter Wittmann. Vom Augustinus-Gymnasium Weiden wechselte der 14-Jährige ans Ski-Internat in Oberwiesenthal, aber nur für zwei Jahre, da dort eher die nordischen Skiläufer vertreten sind. Seit Herbst 2020 ist Raphael in Berchtesgaden. Für die Aufnahme in der Eliteschule des Sports sind die Resultate und auch die schulischen Leistungen ein Kriterium. "Die Schule muss passen, sonst kriegt man den Kopf nicht frei für die sportlichen Leistungen", weiß Peter Wittmann.

Schule und Training

Info:
  • Gründung: 1953 übernimmt das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland das „Werkschulheim Berchtesgaden“ und gründete die CJD Christophorusschule
  • Aufnahme-Voraussetzungen: Wintersportler, die dem A, B, C, D/C oder einem Kader des Landesverbandes angehören
  • Schulformen: Grund-, Haupt-, Realschule, Gymnasium, Berufsfachschule für Kinderpflege mit angeschlossenem Internat
  • Schulorte: Berchtesgaden, Schönau am Königssee und Bischofswiesen
  • Bekannte Sportler: Zum Beispiel: Armin Bittner, Hilde Gerg, Michaela Gerg, Georg Hackl, Regina Häusl, Maria Höfl-Riesch, Marina Kiehl, Christa Kinshofer, Evi Sachenbacher-Stehle, Peter Schlickenrieder, Alois Vogl, Hermann Weinbuch, Tobias Angerer

Bei Raphael, der die 9. Klasse besucht, hat beides gepasst. Beim deutschen Schülercup war er immer in den Top 10. "Von 8 bis 13 Uhr haben wir Schule, jeden Tag ab 14.30 Uhr Training, wie Koordination, Kraft und Ausdauer", erzählt Raphael. Selbst das Training auf Schnee ist für einige Schüler, die aufgrund der Zugehörigkeit der Nationalkaders 4 als Profisportler eingeordnet werden, möglich.

Training auf Schnee möglich

"Wir waren schon einige Male in Kitzbühel. Dort gibt es einen Hang, auf dem Skifahren schon möglich ist", sagt der 14-Jährige. Trainer Andreas Ertl, der Bruder von Martina Ertl, ist nur mit einer kleinen Gruppe unterwegs, da alles unter extremen Hygienemaßnahmen ablaufen muss. Ob in dieser Saison Rennen stattfinden, weiß der Vohenstraußer nicht. "Es wäre natürlich schön", sagt er.

So bleibt momentan nur das Training, und zu hoffen, dass es in Berchtesgaden vor der Haustür am Jenner auch bald schneit und dort das Training losgeht. Mit Salomon hat der Vohenstraußer einen Vertrag und bekommt pro Saison die Ausrüstung, unter anderem je zwei Paar Slalom- Riesenslalom- und Super-G-Ski. Die weiteren Ziele für Raphael Wittmann sind klar: "Der Aufstieg in den Nationalkader 2 wäre super, dann auf jeden Fall natürlich das Abitur machen." Und danach? "Für den Leistungssport perfekt wäre ein Job beim Zoll, beim Bundesgrenzschutz oder der Polizei. Aber ganz wichtig ist zunächst, dass ich verletzungsfrei bleibe."

Großer Ehrgeiz

Der Ehrgeiz des 14-Jährigen ist groß und seine Familie traut ihm einiges zu. "Vielleicht ist er ja in einigen Jahren dabei, wenn am Fernsehen ein Weltcup kommt", sagt Vater Peter. "Man darf ja träumen. Ich glaube, es wäre der erste Nord-Oberpfälzer im alpinen Ski-Weltcup."

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