26.10.2020 - 17:32 Uhr
TirschenreuthSport

Zwischen Verständnis und Enttäuschung

Die Leistungsträger des Tirschenreuther Schwimm-Clubs gehen durch ein Wechselbad der Gefühle. Sie sind dankbar für die Trainingsmöglichkeiten, sehnen sich aber nach Wettkämpfen.

Sein Herz gehört dem Schwimmsport. Mit 15 Jahren darf Brustschwimmer Fynn Legat noch auf eine sportliche Zukunft nach Corona hoffen. Er zählt er zu Deutschlands Top 20 in seiner Altersklasse.
von Autor RBGProfil

"Wir haben Glück, dass wir das Bad zur Verfügung gestellt bekommen und zum Training ins Wasser dürfen," schildert Carina Bönisch, mit 20 Jahren die derzeit Erfahrenste im Wettkampfteam des Tirschenreuther Schwimm-Clubs, die Stimmung innerhalb der Mannschaft, um gleichzeitig festzustellen: "Allerdings ist es deprimierend zu sehen, wie in manchen Sportarten schon wieder Zuschauer erlaubt sind, während im Schwimmsport immer wieder Wettkämpfe, wie die für kommende Woche geplanten deutschen Meisterschaften, abgesagt werden."

Dankbar sind alle Top-Athleten des TSC. Immerhin konnten sie während der Sommermonate im Freibad und seit Schulbeginn im Hallenbad ihre Bahnen ziehen. "Wir haben die besten Trainingsmöglichkeiten, die derzeit vorstellbar sind," urteilt etwa Viktoria Bogner. Barbara Legat-Kasel, Vorsitzende des Tirschenreuther Schwimm-Clubs, bringt diese Dankbarkeit gegenüber Stadt und Landkreis zum Ausdruck. Zusammen mit ihrem Sportlichen Leiter, Lukas Bachmeier, hat sie für beide Bäder ein umfassendes Hygienekonzept erarbeitet.

"Es ist anstrengend, immer Maske zu tragen, alle Regeln zu beachten und auch zeitaufwendig, wenn man immer erst nacheinander und in Kleingruppen das Bad betreten darf", schildert Lena Rath den Trainingsalltag, in dem der bislang gewohnte Ablauf verloren gegangen sei und man umstrukturieren müsse. Dies trifft nicht nur für das Training zu – ausnahmslos allen im Wettkampfteam des TSC fehlt der sportliche Vergleich in Form von Wettkämpfen. "Durch das Wegfallen der Wettkämpfe fehlt ein Teil meines Lebens", so Kathrin Bachmeier, amtierende bayerische Kurzbahnmeisterin über die 200 m Freistil, für die es nach eigenen Aussagen selbstverständlich war, "jedes Wochenende in einem anderen Hallenbad zu verbringen" und sich dort mit anderen zu messen. Und auch Viktoria Bogner sieht im fehlenden Wettkampfbetrieb ein Problem hinsichtlich der persönlichen Motivation. "Es fällt mir momentan persönlich schwer, positive Gedanken zum Schwimmen zu fassen."

Die "Belohnung für das harte Training", so Kathrin Bachmeier, fehle dem gesamten Team. Die deutschen Meisterschaften waren für sie und die weiteren Schwimmerinnen der TSC-Damenstaffeln, Viktoria Bogner, Carina Bönisch, Daria Codlova und Lena Rath, das erklärte Ziel. Bachmeier hatte sich schon im Februar für die Freistil-Einzelrennen qualifiziert und die Staffelteams waren über die 4x100 m Lagen sowie die 4x100 und 4x200 m Freistil ebenso gesetzt. "Die DM war für uns alle ein Grund, sich immer wieder neu zu motivieren", bringt Carina Bönisch ihr Bedauern zum Ausdruck. Für drei der fünf TSC-Mädels richtet sich nunmehr der Fokus ganz auf die im nächsten Jahr anstehenden Abiturprüfungen . Dennoch haben sie alle die Hoffnungen auf einen Start bei den bundesdeutschen Titelkämpfen im Olympiajahr 2021 noch nicht aufgegeben, so diese denn stattfinden.

Den Blick nach vorne gerichtet hat auch Fynn Legat. Der 15-Jährige gehört bundesweit zu den besten 20 Brustschwimmern seiner Altersklasse und hat die Qualifikationsnorm für die deutschen Jugendmeisterschaften deutlich unterboten. Über deren Austragung, die für Mitte Dezember geplant ist, gibt es innerhalb des Deutschen Schwimmverbandes derzeit ein Hin und Her. Unbefriedigend vor allem für die Sportler, und hier wiederum für die aus den kleineren Vereinen.

"Die Leistungszentren schwimmen im drei bis vier Wochenturnus ihre Qualifikationen und wir werden fast überall abgelehnt, weil die Teilnehmerzahlen stark limitiert sind", berichtet Barbara Legat-Kasel über die Versuche, ihren Athleten Startmöglichkeiten zu verschaffen. Wo sich sonst 500 oder 600 Sportler trafen, können jetzt 50 bis 60 starten. Und das ausschließlich in den großen Stützpunktbädern mit 50-m-Bahn wie Erlangen, Nürnberg, Dresden, Plauen oder Erfurt.

Dennoch gibt man beim TSC nicht auf. Oberste Priorität besitzt die Gesundheit der Aktiven. Das beweisen das umfassende Hygienekonzept und die Strenge, mit der auf die Einhaltung geachtet wird. "Es ist alles gut organisiert und es halten sich alle an die Vorgaben, damit wir auch weiterhin miteinander schwimmen können", erläutert Kathrin Bachmeier. Und auch die Zuversicht haben die Sportler noch nicht ganz verloren: "Die Motivation ist nach wie vor da, ich hoffe auf 2021 und darauf, dass wir bald auch wieder sonntags trainieren können," wünscht sich Fynn Legat abschließend.

Die deutschen Meisterschaften in Berlin waren auch 2020 das Ziel für die Damenstaffeln des Tirschenreuther Schwimm-Clubs (von links): Carina Bönisch, Kathrin Bachmeier, Viktoria Bogner, Lena Rath und Daria Codolova. Die Qualifikation über 4x100 m Lagen sowie die 4x100 und 4x200m Freistil hatten sie in der Tasche, doch die Titelkämpfe wurden abgesagt..
Auf ein Wiedersehen mit Weltmeister Florian Wellbrock bei den deutschen Meisterschaften müssen (von links) Carina Bönisch, Lena Rath, Viktoria Bogner, Katrin Bachmeier und Daria Codlova heuer verzichten. Die DM wurden mittlerweile abgesagt.
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