19.10.2020 - 15:42 Uhr
TirschenreuthSport

Kreisspielleiter Peter Kemnitzer: "Meldungen von Verdachtsfällen nehmen am Freitag und Samstag zu"

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Im Fußballkreis Hof/Wunsiedel/Tirschenreuth hagelt es Wochenende für Wochenende Spielabsagen. In den allermeisten Fällen in Verbindung mit der Coronavirus-Pandemie. Nutzen Vereine den Corona-Paragrafen 94 mitunter aus?

Die Partie der Sportfreunde Kondrau (graue Trikots) beim Spitzenreiter FC Lorenzreuth war am Wochenende eine von lediglich drei Partien, die in der Kreisliga Süd über die Bühne gehen konnten.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Der Corona-Sonderspielbetrieb in der XXL-Saison 2019/21 im Fußballkreis Hof/Wunsiedel/Tirschenreuth treibt weiterhin sonderbare Blüten. Exemplarisch dazu dient die Kreisliga Süd vom vergangenen Wochenende: Von neun angesetzten Partien (inklusive eines Nachholspiels am Freitag) gingen lediglich drei über die Bühne. Sechs Spiele wurden entweder wegen Corona-Verdachtsfällen oder wegen der Sorge vor einer Partie gegen ein Team aus einem Corona-Risikogebiet abgesagt. "Von Montag bis Donnerstag hat mich seit dem Re-Start eine einzige Meldung eines Corona-Verdachtsfalls erreicht. Und das war auch noch ein positiver Test. Am Freitag und am Samstag nehmen diese Meldungen dagegen Woche für Woche zu. Das fällt mir schon seit längerer Zeit auf", sagte Kreisspielleiter Peter Kemnitzer auf Nachfrage gegenüber Oberpfalz-Medien. "Und am Montag folgt in 95 Prozent der Fälle die Nachricht, dass das Testergebnis negativ ausgefallen ist."

Auffallend viele Meldungen zum Wochenende hin

Schwingt in diesen Aussagen Kemnitzers der Vorwurf mit, Vereine würden den Corona-Paragrafen 94 der Spielordnung des Bayerischen Fußball-Verbands missbrauchen, wonach Spielabsagen möglich sind, wenn es innerhalb eines Teams einen Corona-Verdachtsfall gibt? Schicken Vereine bewusst Spieler etwa an einem Freitag zum Test, weil dessen Ergebnis dann nie und nimmer bis zum geplanten Anpfiff am Samstag oder Sonntag vorliegen kann und das Spiel somit verlegt wird? "Ich kann und will diesen Sachverhalt weder bewerten noch kommentieren. Mir fällt das lediglich auf. Ich freue mich für alle, die negativ getestet werden", gab sich Kemnitzer bewusst diplomatisch. Der Kreisspielleiter will der Flut an Nachholspielen Herr werden, indem er "möglichst viele noch in diesem Jahr" unterbringt. Der extra geschaffene Ligapokal müsse dafür hinten anstehen. "Es ist denkbar, dass Ligapokal-Spiele, die in der Liga noch als Nachholspiel anstehen, dann als Ligaspiel ausgetragen werden."

Von Montag bis Donnerstag hat mich seit dem Re-Start eine einzige Meldung eines Corona-Verdachtsfalls erreicht. Am Freitag und am Samstag nehmen diese Meldungen dagegen Woche für Woche zu.

Peter Kemnitzer (Kreisspielleiter Hof/Wunsiedel/Tirschenreuth)

Peter Kemnitzer (Kreisspielleiter Hof/Wunsiedel/Tirschenreuth)

Etwas anders ist die Situation bei den Spielabsagen des FC Vorwärts Röslau II (gegen den TSV Waldershof) in der Kreisliga, des TSV Friedenfels (gegen den TSV Konnersreuth II) in der Kreisklasse und der DJK Falkenberg II (gegen die SF Kondrau II) in der A-Klasse gelagert. "Diese Vereine haben ihre Partien abgesagt, weil sie entweder selbst aus einem Corona-Risikogebiet (Anm. d. Redaktion: Der Kreis Tirschenreuth ist seit Samstag ein Risikogebiet) kommen oder gegen ein Team aus einem Risikogebiet hätten antreten müssen", erläuterte Kemnitzer. Diese Fälle wandern nun zum Sportgericht, das aufgrund der Stellungnahmen der Vereine entscheiden müsse, "ob ein schuldhafter oder ein berechtigter Nichtantritt vorliegt". Kemnitzer hat dazu eine klare Meinung: "Als ehemaliger Polizist glaube ich fest an die Gewaltenteilung und will dem Sportgericht nicht vorgreifen. Aber ich hoffe schon, dass diese Ehrlichkeit der Vereine mit einer Neuansetzung gewürdigt wird." Die andere Option wäre eine 0:2-Wertung gegen die Nicht-Antreter.

Ligapokal "nicht so wie angedacht"

Als wäre der Arbeitsaufwand für den Kreisspielleiter nicht schon groß genug, plagen Kemnitzer auch noch Sorgen wegen des Ligapokals. Der TSV Bärnau, der FSV Tirschenreuth und der ATSV Münchberg-Schlegel hätten ihre Teilnahme wieder zurückgezogen – nachdem die Spielpläne erstellt waren. "Die Gruppen und den Modus nun wieder umzuschmeißen, würde den Rahmen sprengen. Deswegen gehen die entsprechenden Gruppen dann mit weniger Mannschaften an den Start." Eine Komplett-Absage dieses neuen Konstrukts hält Kemnitzer mittlerweile für unwahrscheinlich, da sich viele Vereine zunächst für dessen Austragung ausgesprochen hätten. "Da bin ich als Vertreter der Vereine verpflichtet, den Ligapokal auch stattfinden zu lassen." Allerdings schiebt Kemnitzer doch noch eine Einschränkung hinterher. "Ich bin fest davon überzeugt, dass der Ligapokal nicht so zu Ende gespielt werden kann, wie das ursprünglich einmal angedacht war." Es bleibt zu hoffen, dass diese Aussage des Kreisspielleiters nicht auch noch auf den Liga-Spielbetrieb angewendet werden muss.

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