14.05.2020 - 15:55 Uhr
SchwarzenfeldSport

Als der Manager des FC Augsburg für den FC Pertolzhofen kickte ...

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Raus in die große Fußballwelt. Ein Schwarzenfelder macht derzeit Karriere im deutschen Profifußball. Die heimischen Plätze, auf denen Michael Ströll früher gekickt hat, vergisst er aber nicht.

Geschäftsführer im Gleichschritt: Michael Ströll (rechts) mit seinem Kollegen Stefan Reuter. Ströll führt beim FC Augsburg die Finanzgeschäfte, Reuter ist beim Bundesligisten für das Sportliche zuständig.
von Josef Maier Kontakt Profil

Michael Ströll (35) ging das Praktikum beim damaligen Zweitligisten FC Augsburg voller Elan an – und startete durch. Mittlerweile ist der Schwarzenfelder kaufmännischer Geschäftsführer beim FCA und neben Stefan Reuter der Macher beim schwäbischen Bundesligisten. Ströll blickt im Interview auf frühere Zeiten in der Oberpfalz zurück und erzählt von der Zusammenarbeit mit einem Weltmeister.

ONETZ: In den Archiven stehen jede Menge Ströll-Treffer für Pertolzhofen. Wie sind Sie damals zum kleinen FC gekommen?

Michael Ströll: Über meinen Schwager kam der Kontakt zustande. Ich hatte die Fußballschuhe eigentlich an den Nagel gehängt, hatte kaum noch Zeit. Meine Familie hat jedoch immer in Pertolzhofen zugeschaut und bei einem Bier kam dann die Idee, für den FC zu spielen. Es waren tolle Leute dort und hat riesig Spaß gemacht.

ONETZ: Wie lange gingen Sie in Pertolzhofen auf Torejagd?

Michael Ströll: Das war eine Saison, 2010/11. Ich spielte nur, wenn ich Zeit hatte. Wir sind damals von der Kreisklasse in die Kreisliga aufgestiegen. Das war für Pertolzhofen und für mich eine schöne Geschichte.

ONETZ: Auch für die SpVgg Weiden haben Sie einige Tore erzielt ...

Michael Ströll: Bei der SpVgg habe ich die ersten Schritte im Herrenbereich gemacht. Ich bin im letzten A-Jugend-Jahr nach Weiden gekommen, weil ich dort in der Herren-Bayernliga spielen konnte. Ich habe mich dadurch fußballerisch und menschlich weiterentwickelt und parallel mein Studium begonnen. Mir war wichtig, das Studium in Bayreuth vernünftig fortzuführen, so dass die Zeit in Weiden zu Ende war, als ich zum Studieren ein halbes Jahr nach Brasilien ging.

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ONETZ: Haben Sie noch Kontakte zu ehemaligen Spielern oder Funktionären?

Michael Ströll: Ich habe noch Kontakt zu einigen Mitspielern, die alle so etwa in meinem Alter waren: Tobias Puscher, Matthias Wolf oder Marcel Busch etwa. Ans Wasserwerk denke ich gerne zurück. Peter Romeis stand damals noch im Tor und mit Mario Schmalfuß habe ich auch trainieren dürfen. Das waren zu dieser Zeit Helden für mich.

ONETZ: Pertolzhofen, SpVgg Weiden und auch für Ihren Heimatklub 1. FC Schwarzenfeld spielten Sie noch mal ...

Michael Ströll: Nach meinem Brasilien-Aufenthalt bin ich zum 1. FC Schwarzenfeld zurück. Ich habe dort ein halbes Jahr in der Bezirksoberliga gespielt und wir haben in dieser Saison noch den Klassenerhalt geschafft. Danach ging es weiter nach Augsburg und dort habe ich noch für den TSV Gersthofen sowie den FC Augsburg II die Fußballstiefel geschnürt.

ONETZ: Ihre berufliche Karriere ist ein bisschen wie die Story vom Tellerwäscher zum Millionär. Vom Praktikanten zum Bundesliga-Manager. Müssen Sie sich manchmal zwicken?

Michael Ströll: (lacht) Naja, das mit dem Tellerwäscher und Millionär ist weit hergeholt. Aber wenn ich zurückblicke, muss ich sagen, dass auch Glück ein Faktor war. Als ich 2006 angefangen habe, war der FCA noch ein kleiner Verein mit wenigen Mitarbeitern in der 2. Liga. So konnte ich meinen Platz finden. Man braucht eben auch das Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

ONETZ: Dann war Augsburg perfektes Timing, oder?

Michael Ströll: Ja. Wenn ich bei einem anderen Bundesligaverein ein Praktikum gemacht hätte, wäre es wohl gar nicht möglich gewesen, so einen Weg einzuschlagen.

ONETZ: Waren Sie eigentlich schon immer FCA-Fan?

Michael Ströll: Ich hatte schon immer eine Grundsympathie für die bayerischen Vereine. Aber ein richtiger FCA-Fan war ich nicht. Aber jetzt gibt es natürlich keinen anderen Verein mehr für mich als den FCA.

ONETZ: Sie arbeiten mit einem Weltmeister zusammen. Wie läuft das mit Ihrem Kollegen Stefan Reuter?

Michael Ströll: Ich war total positiv angetan von ihm. Er verkörpert überhaupt nicht das, was man so manchem berühmten Fußballer nachsagt. Er war vom ersten Tag an, seitdem er hier Geschäftsführer Sport war, offen und wissbegierig. Er wusste, dass ich schon seit Jahren in viele Themen involviert war.

ONETZ: Gab es überhaupt keine Akzeptanzprobleme von seiner Seite?

Michael Ströll: Er hat mich vom ersten Tag an als gleichwertigen Partner gesehen. Wir stimmen uns quasi täglich ab, auch in Bezug auf Verhandlungen und Gespräche. Wir arbeiten sehr gut und eng zusammen und wir haben auch unsere Büros direkt gegenüber. Er ist ein unglaublich positiver und bodenständiger Mensch.

ONETZ: Obwohl Sie Ihre fest abgesteckten Bereich haben, wird mehr als über den Tellerand geschaut, oder?

Michael Ströll: Ich bin für den gesamten kaufmännischen Bereich zuständig, von Marketing über Finanzen bis hin zum Ticketing und Personal. Stefan Reuter deckt den sportlichen Bereich ab. Wir sprechen aber auch selbstverständlich Themen aus dem jeweiligen Bereich des anderen durch, auch Transfermöglichkeiten. Aber er hat natürlich sportlich klar den Hut auf, ist jedoch für Meinungen offen.

Michael Ströll (rechts) beim Luftkampf mit einem Eltersdorfer Spieler. Das war im September 2005. Damals spielte der Schwarzenfelder für die SpVgg Weiden.

ONETZ: Gibt es am Samstag mit dem Spiel gegen Wolfsburg für Sie eine Premiere? Haben Sie schon mal ein Geisterspiel erlebt?

Michael Ströll: Das ist wirklich eine Premiere für mich. Ich versuche das Wort Geisterspiel zu vermeiden, das hat für mich einen negativen Touch. Ich gehe stark davon aus, dass es sehr ungewohnt sein wird ohne Fans. Aber im Moment ist das leider alternativlos, wenn man möchte, dass der Profifußball überlebt.

ONETZ: Die Gesellschaft diskutiert heiß über Geisterspiele. Sind sie ein erster Schritt aus der Coronakrise zurück in die Normalität?

Michael Ströll: Von der Normalität sind wir sicherlich noch ein großes Stück entfernt, solange es noch Einschränkungen im täglichen Leben gibt. Es ist ein erster Schritt, um den Menschen wieder etwas zurückzugeben, aber normal wird es erst sein, wenn wieder ein geregeltes Leben möglich sein wird. Seit einigen Tagen bin ich etwas optimistischer, da die Menschen wieder eine Perspektive durch die Lockerungen bekommen haben. Auch dank unserer Politiker, die diese sehr schweren Aufgaben meines Erachtens gut lösen.

Michael Ströll (Zweiter von links) wird nach einem Tor von den Teamkollegen des FC Pertolzhofen gefeiert. In der Saison 2010/11 war das.

ONETZ: Dieses Spiel ist auch der Einstand von Trainer Heiko Herrlich? Wie haben Sie Ihn die letzten Wochen kennengelernt?

Michael Ströll: Er ist sehr angenehm, sowohl menschlich als auch fachlich herausragend und er hat klare Prinzipien. Es ist natürlich ein ungewöhnliches Debüt. Er wollte, dass die Atmosphäre vom Rasen auf die Tribüne übertragen wird. Das wird ohne Zuschauer leider nicht möglich sein. Dennoch hoffen wir auf einen guten Start.

ONETZ: Einige Proficlubs haben Kurzarbeit beantragt, der FCA hat das nicht gemacht. Warum?

Michael Ströll: Das hat viel mit Überzeugung und Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter zu tun. Wir haben in den letzten Jahren wirtschaftlich vernünftig gearbeitet und kaufmännisch vorsichtig agiert. Wir konnten somit immer positive Zahlen vermelden, so dass wir es nun als unserer Verpflichtung ansehen, die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter im vollen Umfang zu sichern. Genauso, wie wir es als notwendig erachten, unseren sozialen Verpflichtungen als Aushängeschild der Region nachzukommen. Wir haben uns in Coronazeiten sehr stark in Form vieler Aktionen rund um „Augsburg hält zusammen“ engagiert.

ONETZ: Schwaben sind sparsam und halten das Geld zusammen. So gesehen sind Sie schon ein richtiger Schwabe ...

Michael Ströll: Wir haben immer mit Vernunft und Weitblick agiert. Das zahlt sich aktuell sicherlich aus. Wir müssen aber immer gewappnet sein, weil wir kein Big Player in der Bundesliga sind. Wir müssen auch für einen möglichen Abstieg gerüstet sein.

Ein Spiel des 1. FC Schwarzenfeld habe ich jetzt leider schon länger nicht mehr gesehen, aber ich informiere mich auch übers Oberpfalznetz. Vielleicht ist ja mal wieder mehr drin als die Bezirksliga.

Michael Ströll

Michael Ströll

ONETZ: Ihr Heimatklub 1. FC Schwarzenfeld hätte in diesem Jahr 100-Jähriges gefeiert. Das wurde auf nächstes Jahr verschoben. Sind Sie dabei?

Michael Ströll: Wenn ich eingeladen werde, freilich. Ich habe immer noch Verbindungen zu Schwarzenfeld. Ein Spiel des FC habe ich jetzt leider schon länger nicht mehr gesehen, aber ich informiere mich auch übers Oberpfalznetz. Vielleicht ist ja mal wieder mehr drin als die Bezirksliga.

FC Augsburg:

Michael Ströll - Ein Schwarzenfelder Bub

Michael Ströll wurde am 1. Juni 1984 in Nabburg geboren. Aufgewachsen ist er mit zwei Geschwistern in Schwarzenfeld, dort lebt seine Familie. In Nabburg besuchte er das Gymnasium. Fußballerisch wechselte er in der Jugendzeit zum SSV Jahn Regensburg. Seine erste Station im Seniorenfußball war die SpVgg Weiden. Zu der Zeit begann er ein Studium der Sportökonomie in Bayreuth. Ein halbes Jahr verbrachte er dabei auch an der Uni in São Leopoldo in Brasilien. Seine weiteren fußballerischen Stationen waren der 1. FC Schwarzenfeld, der FC Pertolzhofen, der TSV Gersthofen und der FC Augsburg II. Nach einem Praktikum begann er 2007 als Leiter Controlling/Finanzen/Stadionwesen beim FCA. Seit 2016 ist er kaufmännischer Geschäftsführer.

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