17.05.2020 - 10:11 Uhr
RegensburgSport

SSV Jahn: Zweitliga-Duell vor Kreisliga-Atmosphäre

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Das erste Heim-Geisterspiel schien für den SSV Jahn Regensburg zu einer echten Gruselnummer zu werden. 0:2 gegen Kiel in Rückstand, relativ ideen- und chancenlos, und insgesamt war eben alles so anders als gewohnt. Na ja, fast alles.

Ein trister Anblick: Den "Tooor"-Jubel beim Regensburger Ausgleich gab es nur auf der Anzeigetafel zu bestaunen. Die Ränge blieben beim Geisterspiel gegen Kiel leer,
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Anders, alles war anders am Samstag beim ersten Heimspiel des SSV Jahn Regensburg nach der achtwöchigen Coronapause gegen Holstein Kiel. Schon auf der Anfahrt zum Jahnstadion Regensburg über die A3 Richtung Passau war die Ausnahmesituation sofort erkennbar: Dort, wo sich normalerweise eine Autoschlange in die Ausfahrt zurückstaut, herrschte diesmal freie Fahrt. Parken war nur direkt am Stadion erlaubt, wobei jeder zweite Parkplatz frei bleiben musste. Vor dem Zutritt zur Arena hatte das streng kontingentierte "Bedarfspersonal", wozu neben Spielern, Trainern, Schiedsrichtern unter anderem auch acht Greenkeeper, vier Balljungen und zehn Journalisten zählen, einen Hygiene-Parcours zu durchlaufen. Per medizinischem Fragebogen bestätigte jeder, nicht positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden zu sein, und in den letzten 14 Tagen keinen Kontakt zu Corona-Infizierten gehabt zu haben. Es folgte die Fiebermess-Station: Nur bei wem die "Fieber-Pistole" an der Stirn weniger als 38 Grad anzeigte, der erhielt seine Karte samt Armbändchen.

Ersatzspieler müssen auf die Tribüne

Im Stadioninneren herrschte zunächst gespenstische Ruhe: Keine Musik, kein Stadionsprecher und gähnend leere Tribünen, da halfen auch die großflächigen Werbebanner über den Sitzreihen nichts. Wenigstens hatte der Stadion-DJ kurz vor dem Anpfiff ein Einsehen und vermittelte zumindest musikalisch einen Hauch von Normalität. Der Stadionsprecher verrichtete nun auch für seine Mini-Zuhörerschaft ein Mini-Pflichtprogramm und hatte hörbar Mühe, sein sonst vor der vollen Hans-Jakob-Tribüne gelebtes Temperament zu zügeln. Die Mannschaften kamen getrennt voneinander und völlig unorchestriert aufs Feld. Das Besondere: Die Ersatzspieler mussten auf die Tribüne hinter den Trainerbänken – in ausreichendem Abstand zueinander.

Hier geht's zum Spielbericht SSV Jahn Regensburg – Holstein Kiel

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Und dann begann der Zweitliga-Kick vor Kreisliga-Atmosphäre. Statt Fangesängen hallten wilde "Hintermann"-, "Schneller schieben"- und "Heyheyhey"-Rufe durchs leere Stadion. Keine drei Minuten waren absolviert, da erlebte Regensburg eine Weltpremiere: Der erste Corona-Torjubel im deutschen Profifußball, allerdings für die "Störche" aus Kiel. Der Südkoreaner Jae Sung Lee schlug mit seinen Teamkollegen per Unterarm ab – quasi per Ghetto-Unterarm. Überraschenderweise war ansonsten kein großartiger Unterschied zum sonstigen Geschehen auf dem Rasen in "Normalzeit" erkennbar: Der Jahn mit physischer Power und technischen Mängeln, Kiel dagegen ball- und passsicher, aber weitgehend harmlos.

Neun Spielerwechsel

Dummerweise war beiden Teams die lange Pause anzumerken, nach knapp einer halben Stunden schwanden die Kräfte. Glück wiederum für beide Trainer, die nun je fünf Mal wechseln durften. Jahn-Coach Mersad Selimbegovic schöpfte dieses Kontingent komplett aus, sein Pendant Ole Werner tauschte "nur" vier Mal. Der zweite Kieler Treffer durch Finn Porath nach knapp einer Stunde schien die Entscheidung zu bringen. Doch zunächst traf Sebastian Stolze aus dem Nichts zum Anschluss, und in der Nachspielzeit verwandelte Joker Andreas Albers einen Foulelfmeter zum glücklichen Regensburger Punktgewinn. Beide Male hatte der ebenfalls eingewechselte Marc Lais assistiert.

Und nach der virtuellen Pressekonferenz, die über die Stadionleinwände übertragen wurde, blieb die Erkenntnis, dass "Fußball ohne Fans beschissen ist", wie Selimbegovic gestand, und die Moral des SSV Jahn auch nach der Coronapause intakt ist. Mögen die Regensburger noch so schlecht spielen, abschreiben sollte man sie nie. So war trotz aller Änderungen eben doch nicht alles komplett anders.

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Die Gäste aus Kiel zeigten sich bei ihrem Torjubel durchaus kreativ.
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