14.05.2020 - 18:29 Uhr
RegensburgSport

SSV Jahn: Aus dem "Quarantäne-Hotel" ins leere Stadion

Nach über zweimonatiger Corona-Pause geht es am Samstag wieder los: Der SSV Jahn Regensburg empfängt in der 2. Bundesliga Holstein Kiel – unter besonderen Bedingungen und ohne Zuschauer. Für den Jahn kein unbekanntes Szenario.

Der SSV Jahn Regensburg empfängt am Samstag Holstein Kiel zum Wiederbeginn der 2. Fußball-Bundesliga. Auf Gruppenkuscheln nach Treffern müssen die Jahn-Profis gemäß dem DFL-Hygienekonzept aber verzichten.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Es war der 28. Januar 2017: Wegen diverser Verfehlungen seiner Anhänger musste der FC Hansa Rostock sein Drittliga-Heimspiel gegen den SSV Jahn Regensburg vor leeren Rängen austragen. Nur der Vollständigkeit halber: Tore fielen damals genauso viele wie Zuschauer ins Ostseestadion durften – 0:0. Immerhin schafften die Oberpfälzer am Ende über die legendären Relegationsspiele gegen den TSV 1860 München den Sprung in die 2. Liga. Dort folgt am Samstag, 16. Mai, um 13 Uhr (live auf Sky) nun das zweite Geisterspiel in der Jahn-Historie. Zu Gast im – Achtung neu – Jahnstadion Regensburg ist am 26. Spieltag Holstein Kiel. Aufgrund seiner Geisterspiel-Erfahrungen vor über drei Jahren rechnet sich beim Jahn deswegen aktuell aber niemand einen Vorteil gegenüber den "Störchen" aus. "Das ist eine Situation, die wir uns alle nicht wünschen würden, die nun aber leider so notwendig ist, um den Fortbestand unserer Branche zu sichern", sagte Trainer Mersad Selimbegovic gegenüber Oberpfalz-Medien.

Neuer Name für Regensburger Stadion

Regensburg

Nach einer mehr als zweimonatigen Unterbrechung des Spielbetriebs kann der Coach den Zustand seiner Truppe nur schwer beurteilen: "Natürlich fehlt den Jungs nach der Pause etwas die Wettkampfhärte, das darf aber keine Ausrede sein. Diesen Rhythmus wollen wir uns jetzt möglichst schnell holen. Die Freude über den Wiederbeginn und der Ehrgeiz, gute Spiele abzuliefern, stehen im Vordergrund", sagte der Trainer, der während der Pause seinen 38. Geburtstag feierte. Gemäß dem DFL-Hygienekonzept bereitet sich der SSV Jahn in dieser Woche in einem Regensburger Hotel "quarantänemäßig" auf den Wiederbeginn vor. "Die Trainingswoche an sich unterscheidet sich nicht von jeder anderen vor einem Spiel. Wir trainieren in dieser Woche nur an einem Tag zweimal, weil wir die Jungs zum Start möglichst frisch haben wollen", so Selimbegovic weiter. Neben dem täglichen "Ausflug" zum Trainingsgelände am Kaulbachweg besteht der Tagesablauf der Profis neben dem Lernen fürs Studium, lesen und PlayStation zocken auch aus Einzel-Video-Studien.

Und die waren auch bitter nötig: Bei all den dramatischen Folgen der Coronakrise, kam die Pause für die Regensburger zum richtigen Zeitpunkt. In den vergangenen sechs Partien hagelte es fünf Pleiten, darunter das desaströse 0:6 bei Arminia Bielefeld. Der bislang letzte Auftritt des Jahn stammt vom 7. März, als man beim HSV mit 1:2 unterlag. Vor allem in der Offensive drückte der Schuh: Ganze vier Treffer gelangen in den sieben Partien seit der Winterpause. Hoffnungsvoll stimmt Coach Selimbegovic die Rückkehr von Flügelflitzer Sebastian Stolze, der sich Ende Januar gegen Hannover 96 mehrere Brüche im Gesicht zugezogen hatte. Dafür fehlt Jan-Marc Schneider wegen eines Risses der Syndesmose für längere Zeit.

Corona hin, Corona her, mit oder ohne Fan-Unterstützung: Der SSV Jahn (32 Punkte) wird als Tabellenzehnter noch einige Geister-Dreier landen müssen, um auch nächste Saison in der 2. Liga antreten zu dürfen. Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz 16, den aktuell der SV Wehen Wiesbaden innehat. Doch dafür bedarf es Tore, Tore, Tore. Auf der PlayStation haben es Kapitän Marco Grüttner und Co. im "Quarantäne-Hotel" geübt, gegen die "Störche" aus Kiel muss es auch auf dem grünen Rasen wieder klappen.

Hintergrund:

Keine Kurzarbeit beim SSV Jahn

Im Gegensatz zu anderen Profivereinen hat der SSV Jahn Regensburg darauf verzichtet, für sein Personal Kurzarbeit anzumelden. Dafür verzichten die Profis, das Trainerteam und die Geschäftsführung auf einen Teil ihres Gehalts – "bis wieder Zuschauer ins Stadion dürfen", wie die Spieler in einem offenen Brief kundtaten (wir berichteten). Insgesamt rechnet Geschäftsführer Christian Keller im Video-Interview mit der "Mittelbayerischen" mit "schmerzhaften", aber überschaubaren 15 Prozent an Umsatzeinbußen – etwa 3,75 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant. Trotz ausbleibender Ticket-Einnahmen freut sich Keller auf die Geisterspiele: "TV und Sponsoring sind bei uns in der monetären Wertigkeit noch mal deutlich bedeutsamer als das reine Ticketing", rechnete er im Video vor. Deswegen falle der "Verlust geringer aus".

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