24.08.2018 - 17:05 Uhr
NeukirchenSport

Nur ein Arm, aber ein Kämpfertyp auf dem Platz

"Manchmal lässt es der Schiedsrichter zu, dass ich einen Einwurf mit einer Hand mache. Ich hole dann aber nicht so weit aus", sagt Matthias Hopfengärtner. Mit zwei Händen kann er nicht: Er verlor bei einem Motorradunfall den linken Arm.

Matthias Hopfengärtner (Mitte) am Ball im Zweikampf.
von Autor MZIProfil

Und beide Beine. "Zunächst war ich froh, dass ich überhaupt wieder einigermaßen laufen konnte", sagt der heute 29-Jährige. Eine Woche vor der Gesellenprüfung zum Schreiner geschah der Unfall. Nach vierwöchigem Krankenhaus- und halbjährigem Reha-Aufenthalt musste er sein Leben völlig neu sortieren. Ein neuer Beruf, den er mit dem Handicap auch ausüben konnte, musste gefunden, der Alltag mit den zig Anforderungen (Wie öffne ich eine Weinflasche? Wie kriege ich die Schnürsenkel zugebunden?) bewältigt werden. Nur ein Jahr später stand er wieder auf dem Fußballplatz und spielte wieder für den 1. FC Neukirchen.

"Meine Familie unterstützte mich dabei in jeglicher Hinsicht", kann "Hofer", so sein Spitzname, nur dankbar bekennen. Starken Rückhalt fand er aber auch im Verein. Trainer, Mitspieler und Vereinsführung ermutigten ihn, es einfach zu probieren - und wieder Fußball zu spielen. "Ein Kämpfertyp", wie er von seinen Kameraden charakterisiert wird.

"Heute ist er als Stammspieler nicht mehr wegzudenken", erklärt erster. Vorsitzender Joachim Thümmler. Ein Tor schoss der Mittelfeldspieler in der für den FC Neukirchen optimal gestarteten Saison 2018/19 bereits. Und über die Späßchen mit den Einwürfen kann er nur schmunzeln. Wobei es auch einige wenige Schiedsrichter gibt, die ihn auch Einwürfe ausführen lassen - einhändig eben. "Die meisten Schiris aber sagen: Lass das mal einen anderen machen."

Das Problem des Schuhezubindens ist für ihn keines. "Da muss in der Kabine immer einer aus der Mannschaft dran glauben. Da können sie gleich mal für ihre Kinder üben," sagt Hopfengärtner und grinst. Auf dem Feld geht's dann zur Sache. Wenn mal ein Gegenspieler von links im Zweikampf an ihn rankommt, dann sei das nur eine leichte Einschränkung, wenn er ihn sich nicht mit dem Arm vom Leib halten kann. Er versuche dann, ihn auf die andere Seite zu drängen. "Besser ist es aber, wenn ich selber richtig drauf gehe, dann kann ich die Richtung bestimmen", sagt der 29-Jährige, der weder beim Laufen noch in den Zweikämpfen Probleme mit der Balance hat. Zu Hause übt er noch in einem kleinen Fitnessraum - neben dem Fußballtraining mit der Mannschaft

Im Hauptberuf ist er Bauzeichner, da behindert ihn sein fehlender Arm nicht. "Ich habe eine spezielle Tastatur und eine Zockermaus mit Funktionen. Mit der kann ich mit einer Hand kopieren, einfügen und noch mehr", sagt Matthias Hopfengärner. Eine Prothese besitzt er zwar, hat sie aber so gut wie nie dran. "Sie beeinträchtigt mich mehr, ich komme ohne besser zurecht."

Matthias Hopfengärtner am Ball: "Probleme mit der Balance habe ich keine", sagt der 29-Jährige, der für den 1. FC Neukirchen in der Kreisklasse Süd im Kreis Amberg/Weiden Fußball spielt.

 

 

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