13.10.2020 - 10:41 Uhr
MarktredwitzSport

Fair Play: Stürmer verschießt absichtlich Elfmeter

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Sein Team kämpft um den Aufstieg, nach 75 Minuten steht es noch 1:1. Da kommt Petr Pleva vom TV Selb-Plößberg im Strafraum zu Fall. Elfmeter. Der Gegner protestiert beim Schiedsrichter – vergebens. Pleva tritt selbst zur Ausführung an.

Petr Pleva (links, noch im Trikot von Kickers Selb gegen den SV Steinmühle) avancierte am Wochenende zum Helden des Fußball-Spieltags im Fichtelgebirge.

Von Andreas Pöhner

Eine absolut starke Fair-Play-Geste in Zeiten von Schwalben und übertriebenem Schauspiel gab es am Sonntag in der Fußball-Kreisklasse Fichtelgebirge. Fast 75 Minuten waren bei der Partie zwischen dem TSV Brand und dem TV Selb-Plößberg bereits gespielt, als der Plößberger Torjäger Petr Pleva beim Spielstand von 1:1 in den Strafraum zog, fast an der Grundlinie ins Straucheln geriet und schließlich zu Boden fiel. Schiedsrichter Siegfried Scharnagl aus Großkonreuth zeigte auf den Elfmeterpunkt – und wurde sofort umringt von Spielern des TSV Brand, die heftig gegen diesen Pfiff protestierten. Alles normal also noch. Dann aber wurde es kurios. Nachdem der Unparteiische bei seiner Entscheidung blieb, fand Pleva einen eigenen Weg, um das gefühlte Geschenk nicht einfach anzunehmen. Er selbst führte den Elfmeter aus – und schob den Ball dem Torwart ganz leicht in die Arme.

Selber Fans verstehen Welt nicht mehr

Die mitgereisten Anhängern und Verantwortlichen des TV Selb-Plößberg verstanden zunächst einmal die Welt nicht mehr. „Wir haben nicht geahnt, was da kommt“, sagte Werner Künzel, langjähriger Spielleiter und heute noch das „Mädchen für alles“ beim ehemaligen Bezirksoberligisten, der "Frankenpost". Schließlich habe man aus Sicht der TV-Zuschauer nicht erkennen können, ob nun tatsächlich ein Foulspiel oder eine Schwalbe vorlag. Der absichtliche Fehlschuss ihres Torjägers irritierte deshalb die Plößberger Fans. „Im ersten Moment waren wir schockiert“, erklärte Künzel. Schließlich ging es für die Schützlinge von Trainer Georg Müller um wichtige Punkte im Aufstiegskampf.

Ich konnte ihn einfach nicht reinschießen, es fühlte sich nicht richtig an. Ich denke, ich habe es richtig gemacht.

Petr Pleva (TV Selb-Plößberg)

Zwar hatte der verschossene Elfmeter für den Tabellenzweiten am Ende keine Folgen, weil er kurz vor Schluss durch ein Tor von Fabian Schuldner in der 88. Minute doch noch gewann und dem Spitzenreiter aus Weißenstadt bis auf vier Punkte auf die Pelle rückte. Ein Zeichen von Fair-Play hat der 30-jährige Torjäger aus Tschechien, der oft hart angegangen wird, aber auch austeilen kann, an diesem Spieltag aber zumindest gesetzt. Und ein dickes Lob – zumindest von den Gastgebern – war Pleva gewiss. „Respekt und Hut ab. Das war eine richtig coole Aktion“, sagte der Brander Spielertrainer Eugen Müller. Alleine bei Dankesworten blieb es freilich nicht. „Wir haben ihm nach dem Spiel auch noch was ausgegeben“, erklärt der TSV-Coach.

"Ich habe es richtig gemacht"

Dass einige von Plevas Mitspielern und TV-Anhänger über den absichtlich verschossenen „Foulelfmeter“ zunächst nicht gerade sonderlich begeistert waren, nahm der Goalgetter mit einem Achselzucken zur Kenntnis. „Ich konnte ihn einfach nicht reinschießen, es fühlte sich nicht richtig an. Ich denke, ich habe es richtig gemacht.“ Eine Erklärung lieferte Pleva auch, warum er den Schiedsrichter nach dessen Pfiff nicht gleich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass es doch kein Foulspiel war. „Da war so viel los, weil ihn fast die komplette Mannschaft von Brand umringt hatte.“ Das bestätigte auch Eugen Müller. „Pleva wollte eigentlich hingehen zum Schiedsrichter. Der sagte aber nur ,Elfmeter und Punkt. Fertig’“ Deshalb habe sich Pleva den Ball selbst geschnappt, erzählte der Brander Spielertrainer. Auf seinen 43. Saisontreffer muss Pleva, der in den vergangenen neun Jahren für Selb-Plößberg und Kickers Selb in 232 Punktspielen stolze 228 Tore erzielt hat, also noch ein paar Tage warten. Er hat aber am Sonntag bewiesen, dass man auch ohne Tore auf dem Spielfeld glänzen kann. Ganz allein mit einer fairen Geste. Und Petr Pleva wurde so zum Helden des Spieltags.

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