01.01.2021 - 19:50 Uhr
KemnathSport

Schon als Jugendlicher top: Klettern lässt den Kemnather Arzt Florian Hage nicht mehr los

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Obwohl er spät mit dem Klettern begann, ging es für Florian Hage schnell steil bergauf. Zahlreiche Titel sammelte der Kemnather. Auch heute noch lässt den Mediziner die Faszination der extremen Wände in der Halle und in der Natur nicht los.

Perfekte Trainingsbedingungen findet Florian Hage in seinem Boulderraum unter der Garage des Wohnhauses.
von Armin Eger Kontakt Profil

"Kein Baum war vor ihm sicher", erinnerte sich vor vielen Jahren Hedwig Hage, als sie gefragt wurde, ob ihr Sohn Florian schon als Kind geklettert sei. Aber es sollte noch einige Jahre dauern, bis der Mann aus Kemnath (Kreis Tirschenreuth) daraus ein leidenschaftliches und erfolgreiches Hobby machte. Nach der Grundschule wechselte er ins Internat nach Pegnitz. "Ich war nur kurz dort", sagt der jetzt 46-Jährige. "Es war eine Katastrophe."

Florian Hage schaut sich die Zeitungsausschnitte und Urkunden seiner Erfolge an.

Wechsel nach Berchtesgaden

Auf der Suche nach Ersatz wurde die Familie in Berchtesgaden fündig. Florian besuchte dort die Christopherus-Schule. "Da bin ich erst richtig zum Klettern gekommen. Einige Leute haben mich immer mitgenommen", erinnert er sich. Die Voraussetzungen waren optimal: Berge - und damit die perfekten Kletterbedingungen - vor der Haustüre. "Es war am Anfang schon etwas ungewohnt, so weit von zu Hause weg zu sein", beschreibt er die Zeit als 10-Jähriger.

Aber die Faszination des Kletterns half über alles hinweg. Vor allem die unbekannten Routen hatten es Hage angetan, wie das On-Sight-Klettern, wo versucht wird, eine unbekannte Route im ersten Versuch zu durchsteigen. Die Schwierigkeitsgrade, die der Kemnather packte, wurden immer extremer. Er schaffte es in seiner Karriere bis in den unteren elften Schwierigkeitsgrad.

Die Erfolge ließen in seiner Jugendzeit nicht lange auf sich warten. Nach zweiten Plätzen bei den deutschen Juniorenmeisterschaften stand er als 20-Jähriger ganz oben auf dem Podest. Er holte sich in Aachen bei den deutschen Meisterschaften der Herren den Sieg, kletterte dort eine zehn minus. "Ich habe gegeben, was ich geben konnte", sagte er damals. Er wurde in den A-Kader der Nationalmannschaft aufgenommen, war bei Weltcups in Frankreich, Moskau und Bulgarien im Einsatz für Deutschland. "Mein Vorteil war, dass ich in Berchtesgaden während der Schulzeit viele Freiheiten hatte, was das Training anbelangte", blickt er zurück. "Und ich konnte nach der Besichtigung der Routen schnell erkennen, wie ich alles umsetzen kann."

Auch draußen am Felsen – wie hier in Frankreich – fühlte und fühlt sich Florian Hage wohl.

„Mein Vorteil war, dass ich in Berchtesgaden viele Freiheiten hatte, was das Training anbelangte. Und ich konnte nach der Besichtigung der Routen schnell erkennen, wie ich alles umsetzen kann.“

Florian Hage

    Abitur und danach Studium

    Im Jahr des sportlichen Höhepunktes legte Florian Hage auch das Abitur an der Christopherus-Schule ab. Das anschließende Studium war vorgegeben, da in Kemnath die Arztpraxis seines Vaters auf einen Nachfolger wartete. Den Studienplatz wählte der Kemnather so aus, dass mit der Fränkischen Schweiz ein Klettergebiet schnell erreichbar war.

    Bedingt durch das Medizinstudium spielte das Klettern jedoch von 1995 bis 2002 eine eher untergeordnete Rolle. "Es gab immer wieder Phasen, wo ich viel gemacht habe, aber auch, wo ich sehr wenig zum Klettern kam", sagt der 46-Jährige. Zum Ende des Studiums verstärkte Hage für zwei Jahre nochmals seine Kletteraktivitäten. Er startete erfolgreich bei deutschen und internationalen Meisterschaften.

    Als er 2002 als Assistenzarzt am Klinikum Bamberg anfing, fehlte die Zeit für sein Hobby. Nach einer weiteren Assistenzarztstelle am Klinikum Bayreuth und zwischenzeitlich seiner Promotion, stieg er 2009 in die Praxis Hage/Cronenberg/van Mackensen im Kemnath als Facharzt für Allgemeinmedizin ein.

    Aber das Klettern in der Familie Hage nimmt immer noch großen Raum ein. "Ich wollte auch zu Hause eine Trainingsmöglichkeit", sagt Dr. med. Florian Hage. Als er mit seiner Familie in Kemnath baute, durfte ein Boulderraum nicht fehlten. "Wir haben die Garage unterkellert", sagt der 46-Jährige. Auf etlichen Quadratmetern sind dort die Trainingsbedingungen fast schon traumhaft. Griffe in allen Farben dominieren den Raum, an einem Systemboard sind die unterschiedlichsten Kletterübungen möglich und auch unter einem "Dach" die schwierigsten Routen gehbar.

    "Früh ans Klettern ranführen"

    Etliche Stunden verbringe er dort unten, sagt Florian Hage. Aber noch mehr sind seine zwei Jungs im Alter von 9 und 11 Jahren hier zu finden. "Wir wollten sie früh ans Klettern ranführen. Die Grundbegabungen sind da. Und das Schöne ist, sie wollen das auch selbst", freut sich der Mediziner über seine Söhne. Vielleicht ist ja in einigen Jahren der Name Hage wieder auf den Siegerlisten bei großen Kletterevents zu finden.

    Bei vielen Wettkämpfen zeigte der Kemnather Florian Hage, dass er einer der Spitzenkletterer in Deutschland war.

    In unserer Serie: Daniel Ernemann

    Amberg
    Hintergrund:

    Das ist Florian Hage

    • Florian Hage wurde am 6. 6. 1974 geboren
    • 1987 Einstieg in den Klettersport
    • 1991 und 1992 bei den deutschen Juniorenmeisterschaften jeweils Zweiter
    • 1993 Deutscher Juniorenmeister, Vierter bei den Herren
    • 1994 Abitur an der Christopherus-Schule in Berchtesgaden, Mitglied im A-Nationalkader Klettern der Herren, Deutscher Meister
    • 1995 bis 2002 Medizinstudium
    • 2000 bis 2002 nochmals Kletterwettkämpfe mit vorderen Plätzen bei deutschen und internationalen Meisterschaften
    • 2006 Doktorarbeit
    • 2009 Einstieg in die Praxis Hage/Cronenberg/von Mackensen in Kemnath

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