24.11.2020 - 18:16 Uhr
St. Ötzen bei FlossenbürgSport

Eric Frenzel erklärt, warum ihm seine Lieben fehlen und wo er gerne Schnee hätte

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Abflug am Mittwoch von München nach Kuusamo, Absprung am Freitag von der Schanze in Ruka: Eric Frenzel startet am Wochenende in seine 14. Weltcup-Saison. Den Nordischen Kombinierer bringt weiter nichts aus der Ruhe. Auch nicht Corona.

Eric Frenzel war im Herbst fleißig auf den Schanzen unterwegs.
von Josef Maier Kontakt Profil

Finnland macht den Anfang: Die Nordischen Kombinierer absolvieren am Wochenende in Kuusamo ihren Weltcup-Auftakt. Auch die Wintersportler erwartet eine Saison mit vielen Fragezeichen. Der dreifache Olympiasieger Eric Frenzel (32) bleibt aber locker, auch wenn vielleicht die ein oder andere Unterstützung aus der Oberpfalz fehlt.

ONETZ: Hallo Eric, wir haben nachgerechnet. Sie haben ihre 14. Weltcup-Vorbereitung hinter sich. War sie wegen Corona komplett anders als die anderen?

Eric Frenzel: Jein. Ich würde sie jetzt nicht als so viel anders bezeichnen. Grundsätzlich anders war natürlich, dass wir jetzt ein neues Trainerteam haben. Das hatte mehr Auswirkungen in der Vorbereitung, als Corona an sich bewirkt hat. Ansonsten verlief das Training, so wie wir es vorher geplant und erhofft hatten. Wir hatten da keine größeren Einschränkungen. Wir mussten die letzten Wochen zwar flexibler sein, aber das mussten wir im Oktober und November wegen der Schneesituation schon immer sein.

ONETZ: Aber die Wettbewerbe werden in Coronazeiten etwas anders ablaufen?

Eric Frenzel: Da kommt natürlich ein höherer Aufwand auf uns zu, was beispielsweise das ganze Testprozedere vor Wettkämpfen betrifft. Dass man Daten ausfüllen muss, wo man sich aufgehalten hat. Das wird sicherlich mehr werden.

ONETZ: Am Freitag geht es in Kuusamo mit den Schanzen in Ruka los. Kann man zum Saisonstart schon bei 100 Prozent sein?

Eric Frenzel: In diesem Winter sollte man schon zu Beginn der Saison bestmöglich in Form sein. Man weiß ja nicht, wie viele Wettkämpfe wir in diesem Jahr wegen Corona überhaupt haben werden. Je besser man einsteigt, umso günstiger ist es. Unsere Vorbereitung war dieses Mal schon darauf ausgelegt, bereits zum Saisonstart hundertprozentig fit zu sein.

ONETZ: Vergangene Saison hatten Sie beim Springen Probleme. An welchen Schrauben haben Sie da in der Vorbereitung gedreht?

Eric Frenzel: Die größte Veränderung war da der Trainerposten. Sprungtrainer Ronny Ackermann hat ja aufgehört, und wir haben Heinz Kuttin gewinnen können. Das ist ein Glücksgriff in dem Bereich. Er ist ein großartiger und toller Mensch, hat extrem viel Erfahrung, was das Skispringen betrifft. Er war Nationaltrainer von Polen und Österreich, hat da viele Erfolge gefeiert. Wir können von diesem Know how sehr profitieren. Die Arbeit mit dem Trainerteam war sehr angenehm. Ich glaube, wir können wieder Schritt halten, was das Thema Skispringen betrifft.

ONETZ: Bei der letzten deutschen Meisterschaft im Herbst hat man gesehen: Die Jugend muckt auf. Ist das eine Extraportion Motivation für Sie?

Eric Frenzel: Man möchte seinen Platz natürlich behaupten. Die Jungen haben einen extremen Anreiz, die alten Hasen zu schlagen. Das pusht mich natürlich schon. Das tut uns allen gut. Wir müssen uns da behaupten. Momentan funktioniert das noch ganz gut. (lacht)

ONETZ: Sie werden in diesem Winter sicherlich etwas Neues erleben: Keine Fans an der Strecke oder Schanze. Auf was stellen Sie sich ein?

Eric Frenzel: Ich mag es schon, wenn gewisses Flair, gewisse Atmosphäre an den Wettkampfstätten herrscht, auch wenn Teile meiner Familie dabei sind. Das hat mir Ruhe, Sicherheit und Motivation gegeben. Es ist schade, dass jetzt bei den ersten Weltcups keine Zuschauer da sind. Teile meiner Familie wollten mit nach Kuusamo kommen, sie mussten alles absagen. Jetzt hoffen wir mal auf die Wettbewerbe kurz vor Weihnachten in der Ramsau. Aber wir müssen jetzt einfach mit der Situation leben.

Eric Frenzel und seine Karriereplanung

St. Ötzen bei Flossenbürg

ONETZ: Sie sind siebenfacher Weltmeister. Wäre ein WM-Titel im eigenen Land im Februar in Oberstdorf trotzdem etwas ganz besonderes?

Eric Frenzel: Eine Heim-WM ist immer etwas besonderes. Ich habe das schon 2005 als ganz junger Vorspringer bei der letzten WM in Oberstdorf miterleben können, was da für eine Wahnsinnsatmosphäre herrscht. So etwas möchte man in der Heimat natürlich noch einmal miterleben.

ONETZ: Aber es ist damit zu rechnen, dass das auch keine einigermaßen normale Weltmeisterschaft wird ...

Eric Frenzel: Natürlich, das ist möglich. Darauf wurden wir schon eingestellt. Ich kann mir darüber aber eh nicht viele Gedanken machen, muss mich auf meine Wettkämpfe konzentrieren. Aber wenn da keine Leute da wären, das wäre das schon ein ganz schöner Schlag.

ONETZ: Corona zerfleddert auch den Weltcup-Kalender. Nach Finnland gibt es gleich eine dreiwöchige Pause. Die einzigen, die sich freuen werden, sind Philipp, Leopold und die kleine Emma. Papa ist öfter zu Hause als in den Vorjahren ...

Eric Frenzel: Das hätte schon was Positives für sie. (lacht) Aber sie sehen den Papa auch gerne vorm Bildschirm oder wären live dabei. Und selbst wenn keine Wettkämpfe sind, müssen wir schauen, dass wir schnell auf Schnee kommen. Wir wären dann auch nicht ständig zu Hause. Ich hoffe halt auch, dass bald Schnee auf der Silberhütte liegt, damit ich auch dort ein paar Trainingskilometer absolvieren kann. Das wäre schon ein großer Vorteil.

Hintergrund:

Das ist Eric Frenzel

  • Geboren 21. November 1988 in Annaberg-Buchholz (Sachsen)
  • Lebt mit seiner Frau Laura und den Kindern Philipp, Leopold und Emma in St. Ötzen bei Flossenbürg (Landkreis Neustadt/WN)
  • Erster Weltcup-Einsatz in der Nordischen Kombination: Januar 2007 in Lago di Tesero (44. im Massenstart)
  • Erfolge: dreifacher Olympiasieger, dazu ein Mal Silber und zweimal Bronze bei den Spielen; siebenfacher Weltmeister, fünfmaliger Gewinner des Gesamt-Weltcups (2013 bis 2017)

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.