21.02.2020 - 23:36 Uhr
BayernSport

Ein Jahr vor der WM in Oberstdorf: Da freut sich nicht nur der Schneemann

Die südlichste Marktgemeinde Deutschlands ist das nordische Herz der Republik. Von der Ski-WM im nächsten Jahr in Oberstdorf profitieren auch die normalen Sportler. Einige kriegen den Winter gar nicht mehr aus dem Kopf.

Der Schneemann begrüßt die Gäste am Ortseingang von Oberstdorf.
von Josef Maier Kontakt Profil

Die Sonne brennt gnadenlos, es hat gut 30 Grad – im Schatten. Es wird fleißig gecremt, der Schweiß rinnt. Eine kleine Erfrischung im Becken und danach an die Poolbar. Endlich Urlaub. Moritz Beckers-Schwarz wird aber wohl auch im Sommer bei diesen Temperaturen immer an Eis, Schnee und Minusgrade denken. „Das kann schon sein, dass in diesem Jahr bei mir das ganze Jahr Winter ist“, sagt er und lacht. Beckers-Schwarz ist einer von zwei Geschäftsführern der Nordischen Ski-WM 2021 in Oberstdorf. Und da ist klar, dass sich jetzt schon ein Jahr davor alle Gedanken um diese Titelkämpfe drehen.

Ab dem 23. Februar nächsten Jahres steht die Allgäu-Gemeinde für knapp zwei Wochen im Blickpunkt der Wintersportfans. Ende Januar waren die Kombinierer und Langläufer zum Test-Weltcup hier, eine Woche später die Skispringerinnen. „Das Springen bei der Vierschanzentournee in dieser Saison war ja auch schon ein WM-Test“, erklärt der 38-jährige Manager und bilanziert: „Zu 97 Prozent passt schon alles.“ Der gebürtige Rheinländer will mit seinem Team jetzt auch noch die verbliebenen Kleinigkeiten angehen.

Das WM-Spektakel im Allgäu hat hier alles auch ein bisschen neu gemacht. Das Langlaufstadion draußen in Ried, Richtung Fellhorn, ist im Rückblick auf die WM 2005 nicht wiederzuerkennen. Neue Top-Strecken sind entstanden. „Sehr anspruchsvoll“, charakterisiert sie Beckers-Schwarz. Der Anstieg zum Burgstall fordert auch die Profis. Etwa 39 Millionen Euro wurden in Bauten und Strecken investiert. Umweltverträglich müsse alles sein, sagt Beckers-Schwarz. Zu den 23 Wettbewerben im kommenden Jahr werden derweil insgesamt 350 000 Zuschauer erwartet.

So eine WM hat aber auch einen positiven Effekt für Otto Normalsportler – und die Gemeinde ohnehin. „Diese Weltmeisterschaft ist für den Tourismus sehr wichtig“, betont Miriam Frietsch. Die Leiterin der Marketing- und Kommunikationsabteilung unterstützt Beckers-Schwarz bei dessen Aufgaben und ist auch für den Tourismus in der südlichsten Marktgemeinde Deutschlands zuständig. „Die Wettkampfstätten sollen natürlich allen Freizeitsportlern zugänglich sein“, sagt sie und fügt schmunzelnd an: „Bis auf die Schanze natürlich.“ Das Ziel ist klar: Die Macher im Allgäu wollen das nordische Wintersport-Herz Deutschlands weiter stärken.

75 Loipenkilometer – klassisch und fürs Skaten – gibt es hier schon. Neben den WM-Strecken in Ried werden Loipen mit den unterschiedlichsten Anforderungen angeboten. Den Oberstdorfer Rundkurs, direkt vor der Kulisse der Marktgemeinde, kann jeder ohne große Anstrengungen laufen. Das Nebelhorn hat man immer im Blick. Die Strecken Spielmannsau oder der Rundkurs Faistenoy-Birgsau ein bisschen weiter draußen sind auch für sportlich ambitionierte Langläufer gedacht.

Dass es 2021 wieder so einen schneearmen Winter wie heuer geben könnte, glaubt Beckers-Schwarz nicht. Auch mit den diesjährigen Gegebenheiten ist er zufrieden. „Wir haben doch auch dieses Jahr Top-Wintersportbedingungen”, sagt er. Es konnten zwar nicht immer alle Loipen gespurt oder gewalzt werden, aber wenn es denn mal wieder schneite oder schneit, sind die Pistenraupen sofort unterwegs.

Die Urlauber sollen beste Bedingungen haben, und natürlich auch die Profis, die aus Oberstdorf stammen. Die Kombinierer Vinzenz Geiger und Johannes Rydzek sowie die Springer Karl Geiger und Katharina Althaus – es gibt wohl in keinem Ort so eine Dichte an populären Wintersportlern. „Diese lokalen Helden sind sehr wichtig für uns“, erklärt Beckers-Schwarz die Bedeutung der Lokalgrößen. Sie würden auch die Leute hierher locken. „Die vier kann man auch immer wieder im Ort treffen, sie sind völlig unkompliziert“, weiß Frietsch. Alle vier wollen in einem Jahr groß rauskommen. Eine Medaille vor den heimischen Fans, das wäre der absolute Hammer.

Den vier Wintersport-Profis wird es in den nächsten Monaten wohl auch wie den WM-Machern von Oberstdorf gehen. Auch sie werden im Sommer ständig an Eis und Schnee denken.

Der Anstieg am Start im WM-Stadion in Ried.
Diesen Blick auf Oberstdorf haben die Skispringer exklusiv.
Miriam Frietsch und Moritz Beckers-Schwarz vom WM-Organisationskomitee.
Blick auf Oberstdorf mit den Sprungschanzen.
Der Rundkurs um Oberstdorf ist total beliebt.
Die Sprungschanzen am Schattenberg.
Der Eingangsbereich im Skistadion, hier werden alle Daten genannt..
Eric Frenzel.
Kombinierer Eric Frenzel, der Oberpfälzer über Oberstdorf:

Ja, die Weltmeisterschaft in Oberstdorf im nächsten Jahr ist noch mal ein Highlight für mich. Es ist schon cool, eine solche Veranstaltung im eigenen Land zu haben. Wir waren zuletzt beim Weltcup in Oberstdorf, und ich halte die Strecken für sehr anspruchsvoll. Der Anstieg zum Burgstall ist es ohne­ hin. Wir sind die 2,5-Kilometer -Schleife gelaufen.Sie haben dort jetzt auch einige Variationsmöglichkeiten, was die Streckenführung betrifft. Für meine Kollegen Johannes Rydzek und Vinzenz Geiger wird die WM in ihrem Heimatort natür­lich etwas ganz Besonderes sein. Sie werden schon vorher mehr unter Stress stehen, weil jeder von ihnen etwas wissen will. Und die Erwartungshaltung ist wohl auch größer. Für mich selbst wäre es schon meine achte Weltmeisterschaft,aber eine WM im eigenen Land hatte ich noch nie.

Zielgerade im W;M-Stadion.
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