06.03.2020 - 23:17 Uhr
BayernSport

Die große Ultras-Debatte im Fußball: Teilweise wie im Mittelalter

Es wird derzeit mehr neben als auf das Fußballfeld geschaut. Die Fan-Hetze der letzten Wochen bewegt. Die Ultras kennen keine Grenzen mehr, meint unser Sportredakteur Josef Maier. Die Selbstdarsteller schaffen sich rechtsfreie Räume.

Nürnberger Fans halten am Freitagabend ein Banner mit dem Logo des DFB in die Höhe, das in einem Fadenkreuz zu sehen ist.
von Josef Maier Kontakt Profil
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Vor Tagen war noch eines der langweiligsten Derbys der letzten Zeit erwartet worden: Hier die Münchener, die derzeit alles wegräumen. Dort schwächelnde Schwaben. Doch die Partie der Bayern am Sonntag gegen Augsburg wird total im Fokus stehen. Nicht das Geschehen auf dem Platz, sondern das, was auf der Südtribüne abgehen könnte.

Nach der Hopp-Hetze von Hoffenheim ist in der Beziehung Verein-Fans noch mehr kaputtgegangen. Nicht nur in München. Der Protest, der weiter anhalten soll, kam mit Wucht. Und dabei haben sich Ultras, die sich als die wahren - und auch einzig richtigen - Fußballfans sehen, völlig in der Art und Weise vergriffen. Die Problematik ist nicht neu, derzeit geht's vordergründig um den Protest gegen Kollektivstrafen. Die Hardcorefans benehmen sich aber ganz bewusst in übler Form immer wieder daneben: Man erinnere sich nur daran, wie Club-Ultras vor Jahren nach einer Niederlage beim KSC die Trikots der Spieler einforderten. Sie seien es nicht wert, sie zu tragen. So ein Verhalten ist widerwärtig, das ist finsterstes Mittelalter. Genauso, wie Plakate mit Fadenkreuzen hochzuhalten.

Die Ultras betrachten die Kurven als rechtsfreien Raum, alles ist erlaubt. Sie verhalten sich, als gehöre der Verein ihnen. Sie machen Politik. In Zeiten von Wichtigmachern und Selbstdarstellern ist da ein Stadion eine herrliche Plattform.

Klar, die Fußballsprache ist rau, da wird gepöbelt, geschimpft, geflucht . Und, ja, ohne Ultras in den Kurven gäbe es nicht diese Stimmung in einem Stadion. Aber das rechtfertigt bei weitem nicht das derzeitige Verhalten. Klubs und Verbände gehen aber immer noch nicht konsequent dagegen vor. In diesem hochdigitalisierten Zeitalter muss es doch möglich sein, die, die sich daneben benehmen, zu identifizieren.

Wie krank diese Fußballwelt mittlerweile ist, zeigt der Vorfall von Freitag in Nürnberg. Club-Spieler erhielten üble Drohungen. Die schönste Nebensache der Welt - sie ist derzeit wirklich nicht schön.

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