19.02.2021 - 13:58 Uhr
AmbergSport

Als Werner Lorant und Karl-Heinz Wildmoser mit dem TSV 1860 München nach Vilseck kamen

Der Löwen-Fanclub aus Vilseck organisiert im Mai 2001 ein Freundschaftsspiel mit dem TSV 1860 München, um den Hinterbliebenen der Kaprun-Katastrophe finanziell ein bisschen zu helfen. Einem lag dieses Spiel besonders am Herzen.

Werner Lorant (rechts, sitzend) mit den Fans im Nacken: Keine Scheu hatte der damalige Bundesligatrainer, sich direkt vor die Zuschauer auf einen Stuhl neben der Spielerbank zu setzen.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

"Das war ein Freistoß aus so 18 Metern, zentrale Position. Dann habe ich ihn oben rechts reingesetzt", erinnert sich Daniel Liermann an sein Tor in einem Fußballspiel vor fast 20 Jahren - das er als den Höhepunkt in seiner Karriere sieht. Das Benefizspiel des TSV 1860 München am 22. Mai 2001 gegen eine Stadtauswahl aus Vilseck. Zum Gedenken an die Opfer der Kaprun-Katastrophe.

"Der Anlass war ein trauriger. Aber wenigstens konnten wir den Hinterbliebenen eine Spende durch dieses Spiel übergeben", erklärt Wolfgang Ringer, der damalige Trainer der Stadtauswahl. Die Löwen spielten damals Bundesliga, kratzten an der Champions-League - eine sehr erfolgreiche Zeit der 60er.

Die haben ihm geschmeckt: Werner Lorant, damals Trainer des Bundesligisten TSV 1860 München, holt sich am Bratwurststand der Metzgerei Eschenwecker ein Paar in der Semmel, bevor das Benefizspiel am 22. Mai 2001 der Vilsecker Stadtauswahl gegen die Löwen beginnt. Der Termin des Spiels hat ihm weniger geschmeckt.

3000 Fußballfans

Ein sonniger Nachmittag im Mai war's, und Halligalli in Vilseck gab's: Über 3000 Fußballfans waren erschienen, um die Bundesligaspieler um Weltmeister Thomas "Icke" Häßler zu sehen - und natürlich Trainer Werner "Beinhart" Lorant sowie Löwenchef Karl-Heinz Wildmoser. "Der sieht in echt gar nicht so alt aus wie im Fernsehen", hatte eine Zuschauerin geurteilt, als sie den weißhaarigen Lorant aus der Nähe sah. Wildmoser war bereits im November 2000 schon einmal in Vilseck, damals zu den Trauerfeierlichkeiten für die Opfer des Seilbahnunglücks von Kaprun. Der Löwen-Präsident hatte erfahren, dass auch Mitglieder des 1860-Fanclubs Vilseck unter den Opfern waren, und war spontan in die Oberpfalz gereist. "Wenn die nach München zu einem Spiel fahren können, dann gehört der Präsident in einem solchen Trauerfall hierher", hatte er damals gesagt.

Mit Kündigung gedroht

Ein Weltmeister in Vilseck: Thomas "Icke" Häßler am Ball.
Präsident Karl-Heinz Wildmoser schrieb fleißig Autogramme.

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"Top, sehr bodenständig, sehr nah, immer gesprächig. Wildmoser war wie du und ich, wie man es sich von einem Prominenten nur wünschen kann", schildert Liermann seine damaligen Eindrücke vom Löwen-Präsidenten. Im Unterschied zum Trainer: "Der Lorant war schon ein eigener Typ, ein bisschen arrogant." Für den Trainer und das Team wäre es eine zusätzliche Verpflichtung gewesen, eine nicht ganz freiwillige. Denn Wildmoser habe damals gedroht, wer nicht nach Vilseck mitfahren würde, bekäme die Kündigung. "Alleine daran sieht man, wie wichtig es Wildmoser war", erklärt Liermann. "Ein bisschen arrogant kamen die Spieler schon rüber, aber vielleicht waren sie schon im Urlaubsmodus", sagt Liermann. "Der Lorant, der war schon sehr wortkarg. Aber so war er halt. Sein Privatchauffeur hat ihn im Auto von München nach Schnaittenbach gefahren, dann erst ist er in den Mannschaftsbus eingestiegen", erinnert sich Wolfgang Ringer.

Auf dem Spielfeld war aber alles vorbei. "Es war schon Wahnsinn zur damaligen Zeit, gegen einen Weltmeister zu spielen", schwärmt Liermann, der im zentralen Mittelfeld Thomas Häßler gegen sich hatte. Ein Spiel, das sowohl im Zweikampf als auch von der Mentalität her nicht gegensätzlicher hätte sein können. "Bei uns war die Motivation auf dem Höchstpunkt, bei 1860 war die Saison vorbei. Deren Einstellung war bei null, das ist ja irgendwo verständlich", erinnert sich Liermann. Trotzdem sei es ein "intensives Erlebnis" gewesen. Denn die Löwen waren mit "richtig guten Namen" in der Oberpfalz aufgekreuzt: "Stephan Paßlack im Zentrum, der Winkler im Sturm, der Beierle, der Hofmann im Tor, der Roman Tyce - das war eine richtig geile Nummer damals für uns."

Aus sieben Vereinen

In der Stadtauswahl spielten damals Kicker aus sieben Vereinen: DJK Ammerthal, Linde Schwandorf, Post/Süd Regensburg, SpVgg Weiden sowie FV Vilseck, SV Sorghof und FC Schlicht - alles Spieler, die aus der Großgemeinde Vilseck stammten. "Wenn wir einen Verein gehabt hätten, in dem alle Talente gespielt hätten, dann wären wir locker in der Landesliga unter den ersten Fünf gewesen", schätzt Ringer die Stärke "seiner" Truppe ein. Und: "Das war damals so, und das ist auch heute noch so." Eine Meisterleistung des 60er-Fanclubs sei es gewesen, das alles zu organisieren. Karl Bielmeier und Klaus Eberl waren die Vorsitzenden damals.

Was man aber auch nicht vergessen darf, und das ist Daniel Liermann extrem wichtig: "Es sind 20 Freunde von uns in Kaprun ums Leben gekommen, deshalb gab es dieses Spiel. Mir wäre es lieber, die 20 Freunde würden noch leben, und wir hätten dieses Spiel nicht gehabt. Wir durften etwas Positives erleben - weil 20 Menschen gestorben sind."

Hintergrund:

Stadtauswahl Vilseck - 1860 München 2:4 (0:2)

  • Stadtauswahl Vilseck: Stefan Pröls (46. Christian Herrmann) – Rainer Liermann (80. Christian Graf), Robert Liermann, Christoph Hörl – Wolfgang Plößner (55. Hans Ludwig Götz), Stefan Suttner (35. Matthias Wolf),
    Hans Kollbrand (75. Hans Masek), Daniel Liermann, Robert Andraschko (60. Marco Specht), Daniel Ringer (80. Tobias Fink), Oliver Fink (79. Stefan Schaller).
  • TSV 1860 München: Michael Hofmann – Stephan Paßlack, Achim Pfuderer (72. Uwe Ehlers), Holger Greilich – Tomas Votava, Roman Tyce, Marcus Pürk, Torben Hoffmann (46. Fehmi Peci), Thomas Häßler (70. Filip Tapalovic) – Bernhard Winkler, Markus Beierle
  • Tore:0:1 (17.) Markus Beierle, 0:2 (33.) Markus Beierle, 0:3 (50.) Thomas Häßler, 1:3 (85.) Daniel Liermann, 2:3 (86.) Christian Graf, 2:4 (91.) Stephan Paßlack

 

 

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