11.02.2021 - 18:47 Uhr
AmbergSport

Verlängerter Lockdown: Amateursportler brauchen Geduld

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Der Ausnahmezustand für die bayerischen Amateursportler hält an: Während sich bei Hallensportarten Saisonabbrüche en masse andeuten, aber noch nicht vollzogen sind, sieht sich der Fußball-Verband in seinem Vorgehen bestätigt.

Das Stadion am Schanzl in Amberg bleibt weiterhin leer. Die Fußballer müssen wie alle anderen Amateursportler bis mindestens 7. März auf grünes Licht aus der Politik warten.

Von Christian Frühwirth, Rudi Gebert und Fabian Leeb

Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr 2020 findet der Sport in den Ausführungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Ministerpräsident Markus Söder Erwähnung. Nach der Verlängerung des Lockdowns bis mindestens März, erarbeiten Bund und Länder aktuell "Wiederöffnungskonzepte für Kultur und Sport, das geht Hand in Hand", wie Söder am Donnerstag nach der Kabinettssitzung mitteilte. Doch selbst wenn ab dem 8. März grünes Licht für Trainings- und Spielbetrieb erfolgen sollte, wird die Zeit in vielen Sportarten für eine halbwegs reguläre Spielzeit knapp. Ein (keineswegs vollständiger) Überblick:

Basketball

Weit davon entfernt, hinter die Saison 2020/21 bereits einen Haken zu setzen, ist Wilhelm Merkl, Boss der Oberpfälzer Basketballer. Zwar ist dem Neustädter ziemlich klar, "dass eine richtige Saison wahrscheinlich nicht mehr durchführbar" ist, doch die Verantwortlichen des Bayerischen Basketball-Verbands arbeiten gemeinsam mit der Politik an einer Lösung. "Es soll Auf- und Abstiegsturniere geben, zunächst vermutlich auf überbezirklicher Ebene angedacht", sagt Merkl. Dass es irgendwie weitergeht, wie auch immer, hat für den Bezirksvorsitzenden fast schon elementaren Charakter. "Wenn jetzt alle Sportarten sagen, wir brauchen die Halle bis in den Herbst nicht mehr, könnten unsere Sportstätten für andere Zwecke eingeplant werden. Das wäre fatal." Jetzt heißt es abwarten, was in den Gesprächen der Verbandsspitze mit der Politik rauskommt.

"Es macht keinen Sinn mehr, die Saison fortzusetzen."

Günter Bauer, Vorsitzender des Tischtennisbezirks Oberpfalz-Nord

Tischtennis

Der Entschluss, den Lockdown zu verlängern, dürfte wohl die letzte Hoffnung beendet haben. “Es macht keinen Sinn mehr, die Saison fortzusetzen”, sagt Günter Bauer. Der Vorsitzende des Bezirks Oberpfalz-Nord rechnet fest damit, dass das Präsidium des Bayerischen Tischtennis-Verbandes die aktuelle Saison für beendet erklären wird. Selbst wenn es nach dem 7. März weitergehen könnte, würde es zeitlich knapp werden, erklärt Bauer: “Wir sind seit mehr als einem Vierteljahr inaktiv. Um einen fairen Wettbewerb zu haben, bräuchte man schon vier Wochen Vorbereitung. Dann kommen schon die Osterferien, in denen die meisten Hallen zu sind.” Auch wenn die Saison abgebrochen wird, die Tischtennisplatten endgültig zusammenklappen möchte Bauer nicht: “Sollte man in einiger Zeit wieder spielen können, sind sicherlich Freundschaftspartien denkbar.”

Volleyball

Da der Bayerische Volleyball-Verband seine Spielzeit schon vor einigen Wochen vorzeitig abgebrochen hat, geht es hier nurmehr um die Ligen unter dem Dach des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV). Aus der Region spielt die VGF Marktredwitz in der 3. Liga, der VC Amberg (Männer) und der SV Hahnbach (Frauen) in der Regionalliga. Der DVV bittet auf Nachfrage weiter um Geduld. "Eine Entscheidung zum Spielbetrieb wurde noch nicht gefällt. Wir arbeiten hier an mehreren Szenarien, daher hoffe ich, dass wir in der kommenden Woche eine Entscheidung fällen sowie mögliche Perspektiven kommuniziert werden können", teilt Pressesprecher Lars Gäbler mit.

Handball

Die Handballer aus der Oberpfalz blicken gespannt nach München zum Bayerischen Handball-Verband. "Dort wird nächste Woche beschlossen, wie es weitergeht”, sagt Sven Wirth, der im Bezirk Ostbayern für den Spielbetrieb zuständig ist. Derzeit ist die Saison unterbrochen, Wirth geht davon aus, dass sie annulliert wird. Das bedeutet, es gibt auf Bezirksebene keine Auf- und Absteiger, die Ligen in der neuen Saison würden – vorbehaltlich freiwilliger Rückzüge – in der gleichen Besetzung starten wie in der vergangenen.

Turnen

Für Julia Ritter kommt die Verlängerung des Lockdowns bis 7. März nicht überraschend. „Davon war auszugehen“, erklärte die Fachwartin für Gerätturnen weiblich im Turngau Oberpfalz Nord. Am vergangenen Sonntag seien bei einer Online-Vollversammlung aller Fachwarte Gerätturnen bereits wichtige Eckdaten besprochen worden. „Kein Training, und Wettkämpfe sind bis 28. April ausgesetzt“, sagt Julia Ritter. Das betrifft im Turngau Oberpfalz Nord den Gauliga-Cup und den Top-Ten-Cup, diese Veranstaltungen werden normal im März/April ausgetragen. „Wenn wieder geöffnet werden sollte, brauchen die Turnerinnen und Turner zur Vorbereitung auf Wettkämpfe einen Vorlauf von mindestens vier Wochen“, sagt Julia Ritter, die auch als Trainerin bei der TG Tirschenreuth aktiv ist. Bis Ende März gebe es auch keine Präsenzlehrgänge, aber Online-Veranstaltungen. „Unter anderem die Lizenzverlängerung für Übungsleiter, sogar mit geringerer Stundenzahl“, nennt Ritter ein Beispiel.

"Fragen nach dem Zeitpunkt eines Saisonendes zu einem zwingenden Termin, der Umgang mit möglichen Quarantäne-Fällen oder der Spiel-Modi lassen sich anhand der aktuellen Faktenlage nicht seriös beantworten."

Jürgen Igelspacher, Geschäftsführer des Bayerischen Fußball-Verbands

Fußball

Als Freiluft-Sportart verspürt der Amateurfußball (noch) nicht den ganz großen zeitlichen Druck. "Fragen nach dem Zeitpunkt eines Saisonendes zu einem zwingenden Termin, der Umgang mit möglichen Quarantäne-Fällen oder der Spiel-Modi lassen sich anhand der aktuellen Faktenlage nicht seriös beantworten", sagt Jürgen Igelspacher, Geschäftsführer des Bayerischen Fußball-Verbands auf Nachfrage. Wie es nach der Erlaubnis seitens der Politik weitergeht, vermag niemand beim Verband einzuschätzen, "da Inhalte der Wiedereröffnungskonzepte nur rudimentär bekannt" sind. Allerdings rechnen Igelspacher und seine Präsidiumskollegen – wie im Frühjahr 2020 – mit einer gestaffelten Wiederaufnahme des Spielbetriebs. "Die Frage auf die Länge einer etwaigen Vorbereitungszeit für Spieler dürfte sich ohnehin dahingehend erübrigen, als dass eine schrittweise Lockerung vom Training hin zum Spielbetrieb die Politik nicht von heute auf morgen zulassen wird." Von daher ist der BFV froh, "sich mit seiner Fortsetzungsentscheidung und der klaren Priorisierung der Beendigung des Ligen-Spielbetriebs den in dieser extrem schwierigen Situation maximalen Spielraum verschafft" zu haben.

Eishockey

Im Eishockey ist der Amateur- und Jugendsport seit 2. November unterbrochen. Wie der Bayerische Eissport-Verband (BEV) auf die erneute Verlängerung des Lockdowns bis 7. März reagieren wird, steht noch nicht fest. „Es ist noch nichts endgültig beschlossen“, sagt Frank Butz, Eishockey-Obmann beim BEV. Seiner persönlichen Meinung nach werde es in dieser Rest-Saison aber keinen Trainings- oder Spielbetrieb in der bekannten Form mehr geben. Er rechne sogar damit, dass der Lockdown nach dem 7. März noch einmal verlängert wird. Skeptisch ist auch Jens Maschke, der Nachwuchsleiter des 1. EV Weiden. Die Saison sei zwar „immer noch nur unterbrochen“, aber viel werde nicht mehr gehen. „Vielleicht können wir Mitte März bis Mitte April noch zwei, drei Turniere spielen. Aber daran glaube ich nicht mehr.“ Maschke hofft bereits jetzt auf die nächste Saison. Und für die Zeit davor betont er: „Sobald Gruppensport wieder erlaubt ist, werden wir sofort mit Trockentraining beginnen, um die Kinder und Jugendlichen bei der Stange zu halten.“

Eine Umfrage zu den Gefahren, die in den Ballsportarten wegen des langen Lockdowns lauern

Weiden in der Oberpfalz

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