13.05.2021 - 14:00 Uhr
AmbergSport

Saisonabbruch: Die Fußballvereine stimmen ab

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Das XXL-Spieljahr steht unmittelbar vor dem Schlusspfiff: In Online-Seminaren stellt der Bayerische Fußball-Verband den Vereinen zwei Modelle vor, wie die Saison beendet werden kann. Bis Dienstag läuft dann eine Abstimmung.

So könnten die Bezirksligen in den kommenden Spieljahren aussehen.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Den Anfang machen die Oberbayern, den Abschluss die Vereine aus der Oberpfalz: In insgesamt acht Online-Seminaren am Freitag, 14. Mai, und Samstag, 15. Mai, informiert der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die rund 3600 Vereine im Freistaat, wie die im Sommer 2019 begonnene, nach mehreren Corona-Pausen bis Ende Juni 2021 verlängerte und nun doch nicht fertiggespielte Saison "abgewickelt" werden kann.

Anschließend können die Vereine ihre Stimme bei einer Online-Abstimmung bis Dienstag, 18. Mai, 10 Uhr, einem der beiden Modelle geben. Das Ergebnis soll dann noch am Dienstagnachmittag veröffentlicht werden.

Mit oder ohne Absteiger

Zur Auswahl steht ein Abbruch nach Paragraf 93 mit einem Aufsteiger und der vor der Saison festgelegten Anzahl von Absteigern. Eine Relegation wird nicht gespielt. Bei der zweiten Variante "Nur Aufsteiger, ohne Absteiger" dürfen jeweils der Tabellenerste und -zweite eine Liga höher, absteigen muss niemand. Nicht zur Diskussion steht die Quotientenregel (Punkte geteilt durch die Anzahl der Spiele), nach der die Tabellen errechnet werden. Die gilt für beide Varianten.

„Die Einladung für die Online-Seminare haben die Vereine bereits bekommen“, sagt Thomas Graml, der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende. „Den Link zur Abstimmung erhalten sie am Freitag um 16 Uhr.“ Die Abstimmung sei nicht anonym, so Graml auf Nachfrage, welcher Verein wie abgestimmt habe, sei allerdings nicht öffentlich einsehbar. „Wir werden nur das Gesamtergebnis bekanntgeben.“

Seminare am Samstag

In den rund eineinhalb Stunden dauernden Info-Veranstaltungen - die Vereine aus Oberfranken sind am Samstag um 12 Uhr, die Oberpfälzer dann um 18 Uhr an der Reihe - werden Vertreter des BFV, im Fall der Oberpfalz Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, Bezirksvorsitzender Thomas Graml, Bezirksspielleiter Christian Wolfram und die für den Frauenfußball zuständige Kerstin Costa den Vereinen die beiden Alternativen vorstellen und auch die Auswirkungen auf die kommenden Jahre aufzeigen.

30 Aufsteiger in die Landesligen

Die wären gerade bei der zweiten Variante ohne Absteiger und mit zwei Aufsteigern gravierend. Beispiel: In Bayern gibt es 15 Bezirksligen, aus denen 30 Mannschaften in die fünf Landesligen aufsteigen. Um innerhalb von zwei, drei Jahren wieder auf die jetzigen Ligenstärken zu kommen, müssten einer Rechnung des BFV zufolge aus den Landesligen statt der normalerweise zehn Teams in der Saison 2021/22 insgesamt 21 Mannschaften direkt absteigen, ein Jahr später dann noch einmal 20.

Beispiel Bezirksliga: Aus den beiden Oberpfälzer Gruppen Nord und Süd steigen jeweils drei Mannschaften direkt ab. Beim Modell "Nur Aufsteiger, keine Absteiger" wären es in der kommenden Saison statt normalerweise 32 nun 40 Bezirksligamannschaften, von denen nach der Saison 14 direkt absteigen müssten. Ein Jahr später würde es dann erneut 14 Mannschaften treffen, ehe in der Saison 2023/24 wieder die Sollstärke von 32 Mannschaften erreicht wäre. Übervolle Ligen mit bis zu 20 Mannschaften und 38 Spieltagen werde es nicht geben können, sagt Thomas Graml. "Wenn die Vereine für die Variante ohne Absteiger votieren, müssten wir das Spielsystem ändern." Entscheiden sich die Vereine für die Variante nach Paragraf 93 blieben die Ligenstärken nahezu unverändert und es könnte wie bisher gespielt werden. Theoretisch. "Wir werden auch mit 16er-Bezirksligen und 14er-Kreisligen nächste Saison unsere Probleme bekommen können", warnt Graml. "Wir wissen nicht, ob wir im Juli schon wieder ganz normal trainieren und spielen dürfen, wir wissen nicht, ob es weitere Lockdowns gibt." Ebenso unklar sei, ob es nicht Spielausfälle durch positive Corona-Fälle und Quarantäne geben wird. Und ein weiterer Punkt, der für Terminnot sorgt: "Wir haben im nächsten Jahr so gut wie keine Feiertage unter der Woche, an denen wir spielen können."

Alternative Spielformen

Schon seit ein paar Wochen, so Graml, beschäftige sich der Spielausschuss mit alternativen Spielformen für die kommenden ein, zwei, drei Jahre. Wie diese aussehen könnten, darüber wurde bei den Fußballern in den vergangenen Wochen bereits diskutiert: Ligen halbieren und in kleineren Gruppen spielen, im Herbst eine Qualifikationsrunde austragen wie im Juniorenfußball, nach der Winterpause dann Auf- und Abstiegsrunden spielen.

"An Ausgang gebunden"

"Wir wollen künftig flexibler in der Spielorganisation sein", sagt Graml. Um auch kurzfristig auf Ereignisse wie einen Lockdown reagieren zu können. "Es existieren einige Möglichkeiten und Vorschläge", sagt der Bezirksvorsitzende, "doch wir wollen jetzt Schritt für Schritt vorgehen. Der erste Schritt ist, die Saison abzubrechen und zu regeln, wie gewertet wird." Wie die Vereine darüber denken, können sie bis Dienstag bei der Abstimmung dokumentieren. Offiziell ist diese eine "Abfrage eines Meinungsbildes", für BFV-Vizepräsident Robert Schraudner aber auch ein klarer Auftrag der Vereine. "Der Vorstand sieht sich unabhängig vom Ausgang daran gebunden", hatte Schraudner bereits vor einigen Wochen erklärt.

Modell 1: Mit Aufsteiger und Absteiger

Die Tabellenersten steigen auf, die vor der Saison festgelegte Anzahl an Mannschaften steigt ab. Eine Relegation entfällt. Die Tabelle wird nach der Quotientenregel ermittelt, die Anzahl der Punkte wird durch die Anzahl der ausgetragenen Spiele dividiert. Die Mannschaft mit dem höchsten Quotienten führt die Rangfolge an. Bei diesem Modell greift Paragraf 93 der Spielordnung.

Vorteile

Es gilt das Leistungsprinzip. Die – nach dem Quotienten – beste Mannschaft steigt auf, die schlechteste oder schlechtesten Mannschaften steigen ab.

Durch Auf- und Abstieg behalten die Ligen überwiegend ihre Mannschaftsstärken, in der neuen Saison kann somit „normal“ gespielt werden.

Die Mannschaften auf dem Abstiegsrelegationsplatz müssen nicht in die Relegation und haben den Klassenerhalt sicher.

Nachteile

Nicht alle Mannschaften haben die gleiche Anzahl an Spielen und damit nicht die gleiche Berechnungsgrundlage. Dadurch kann es „Härtefälle“ geben.

Da die Relegation entfällt, haben die Zweitplatzierten keine Aufstiegsmöglichkeit.

Modell 2: Nur Aufsteiger, keine Absteiger

Die Tabellenersten und auch die Tabellenzweiten steigen direkt auf. Es gibt keine Absteiger. Auch hier wird die Tabelle nach der Quotientenregel erstellt.

Vorteile

Auch die Tabellenzweiten steigen auf und werden für eine erfolgreiche Saison „belohnt“.

Die Tabellenletzten bleiben in der Liga, dadurch gibt es auch keine „Härtefälle“ bei Mannschaften mit ungleicher Anzahl von Spielen.

Nachteile

In der folgenden Saison gibt es übervolle Ligen und am Saisonende einen vermehrten Abstieg.

Durch die größere Mannschaftszahl steigt der Termindruck.

Durch die große Zahl von Aufsteigern werden die Ligen sportlich abgewertet.

Die untersten Ligen, B-Klassen und A-Klassen, „bluten“ aus und werden kleiner.

BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher: Es wird bei beiden Varianten Härtefälle geben

München

"Wir wollen künftig flexibler in der Spielorganisation sein."

Thomas Graml, Vorsitzender des Fußballbezirks Oberpfalz

Thomas Graml, Vorsitzender des Fußballbezirks Oberpfalz

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