24.11.2020 - 19:26 Uhr
AmbergSport

Fußballerinnen des SV Inter Bergsteig Amberg auf internationaler Bühne

Vor 50 Jahren hat der DFB Frauenfußball in Deutschland erlaubt. Der SV Inter Amberg ist mit einer Mannschaft dabei und spielt gegen die Glasgow Rangers. Trainer Josef Wifling erinnert sich - auch wie es war, seine Frau zu trainieren.

In der Saison 1990/91 spielten die Fußballerinnen des SV Inter Bergsteig Amberg so gut, dass sie am Ende den Titel in der Bezirksliga holten. Hintere Reihe von links: Gretel Schnaus, Maria Gebhardt, Anni Ernst, Birgit Diermeier, Jasmina Wifling, ihre Schwester Sakina Wiesgickl, Petra Schwarz, Trainer Josef Wifling. Vorne von links: Lisa Gall, Beate Niemiecz, Karin Rockel, Angelika Denninger, Marion Chavez und Anita Bartsch.
von Wolfgang LorenzProfil

Josef "Sepp" Wifling, langjähriger Trainer und Multifunktionär beim SV Inter Bergsteig Amberg und in regionalen Sportkreisen als eine "Granate" in Sachen Fußball bekannt, fand in den 1960er Jahren beim Kicken auf Bolzplätzen wie bei der Flaschenhütte oder beim Milchhof mit seiner Jasmina die Frau für's Leben - die damals in der Frauentruppe des SV Inter mitkickte. "Hinter jedem Haus war damals ein Bolzplatz. Wir haben Fußball gespielt und auch Handball", erinnert sich Wifling. "1967 war Frauenfußball noch verboten, aber die Mädchen haben schon mitgespielt mit den Jungs", erklärt der heute 72-Jährige.

1970 die Erlaubnis

Erst 1970 kam die Erlaubnis durch den Deutschen Fußballbund, und der SV Inter Bergsteig Amberg stand schon in den Startlöchern. Nun sollte es um Punkte gehen. Als Coach übernahm Leszek Jakimowicz (1970 bis 1972 und 1975 bis 1982) die Verantwortung, an der Seitenlinie mit Betreuer Olli Gruzska "die gute Seele der Mannschaft", beide Urväter der Frauenfußballabteilung beim SV Inter Bergsteig, und beide mittlerweile schon verstorben.

17 Mädchen hatte das Duo um sich geschart, ein wichtiger Baustein in der Vereinshistorie des rührigen Amberger Vereins. Ein zentraler Punkt war Pater Karl Küting, der 1966 auf Mission in das Stadtviertel kam und zum entscheidenden Motor für den Sportverein wurde, der 1967 gegründet werden konnte. Damals kamen etliche Spieler zum neuen Club, das Gros davon mit acht Akteuren vom TSV Kümmersbruck, darunter auch Sepp Wifling. Der spielte 14 Jahre von 1967 bis 1981 in der ersten Mannschaft, coachte schon von 1978 bis 1981 die C- Junioren.

Sieben Jahre Frauentrainer

Nach einer Verletzung wechselte Wifling komplett ins Trainermetier. Sieben Jahre zeichnete er für die Herren verantwortlich, wechselte dann für zwei Jahre zum FSV Gärbershof und stand sieben Jahre als Trainer der Inter-Frauen in der Verantwortung und 14 Jahre bei den Alten Herren. Zehn Jahre führte er Inter als Vorstand.

„1966 hat’s gefunkt“

Eine der Fußballerinnen, die damals auf den Bolzplätzen kickte, war Jasmina Jeouili, geboren in Donauwörth, und später nach Amberg umgezogen. "Jasmina war mit Gretl Schnaus und ihrem Bruder Willi recht speziell", erinnert sich die Fußball-Legende. "1966 hat es zwischen Jasmina und mir gefunkt, drei Jahre später haben wir geheiratet." Tochter Regina und Enkelin Celina spielen im Leben des Ehepaars Wifling heute eine große Rolle.

"Die Mädchen waren damals einverstanden und so übernahm ich das Training", erinnert sich Josef Wifling an das Jahr 1988. Und er hatte überhaupt keine Probleme damit, auch seine Ehefrau zu trainieren. "Im Gegenteil, das lief gut", erklärt Josef Wifling. Und: "Die Frauen waren leichter zu trainieren als die Herren, sie waren immer da, bei Wind und Wetter. Dagegen könnte ich über die mitunter seltsamen Entschuldigungen der Herren der Schöpfung, die so ihre Absenz beim Training rechtfertigen wollten, ein Buch schreiben", schmunzelt Wifling. "Die Frauen waren kritischer und ehrlicher. Wenn in der Spielersitzung etwas angesprochen wurde, haben die sich schon gerührt. Die haben alles hinterfragt. Die Männer waren ein bisschen feiger, die haben erst draußen wieder das Wort geführt."

Ehefrau als Abräumer

Und zu Hause, wenn Trainer und Spielerin unter einem Dach wohnten? "Das war auch sehr harmonisch", erzählt Wifling. "Natürlich haben wir auch mal über Fußball diskutiert, aber wir konnten sehr schnell abschalten und den Fußball auf dem Platz und im Sportheim lassen", so der Coach. "Meistens hat sie Libero gespielt, oder defensives Mittelfeld. Sie war hinten der Abräumer. Das hat sie gut gemacht", sagt Wifling: "Bei ihrem 25-jährigen Jubiläum als Fußballerin hat sie 1995 aufgehört."

Trotz großer sportlicher Erfolge musste die Frauenfußballmannschaft des SV Inter Bergsteig ein Jahr nach ihrem 30. Geburtstag aufgelöst werden - der Nachwuchs fehlte. Der letzte Erfolg war der Titel in der Kreisklasse im Jahr 2000.

Viermal gegen FC Bayern

Die Glanzlichter der sportlichen Karriere waren die viermalige Finalteilnahme am Endspiel um die bayerische Frauenfußballmeisterschaft. Dabei musste der Nordmeister aus Amberg viermal gegen den Südmeister, den FC Bayern München, antreten und zum ganz großen Wurf reichte es für den SV Inter nicht. Legendär war das von Pater Küting vermittelte Spiel gegen Bergisch/Gladbach (1:6), den offiziellen Vereinsweltmeister im Frauenfußball, oder das Match vor weit über 1000 Zuschauern beim FC Amberg gegen eine Mannschaft der Stadträte. "Die Frauen konnten gut Fußball spielen und sie konnten auch gut feiern", erzählt der Ex-Trainer.

Das war die beste Zeit der Frauenfußballerinnen des SV Inter, viele klangvolle Namen wie Maxhütte/Haidhof, Post SV Regensburg, SC Eschenbach, Sinzing, Ramspau oder Deuerling, Schweinfurt oder Hösbach kennzeichneten damals die Erfolgsgeschichten des Frauenfußballs. Mit Trainer Sepp Wifling schafften die Inter-Damen sogar 1990/91 die Bezirksmeisterschaft und den Aufstieg in die Bayernliga. Die Verweildauer dort war aber nur kurz, der fehlende Nachwuchs war ein entscheidender Faktor.

Die Auflösung der Truppe verursachte natürlich Wehmut, aber "wir haben tolle über 30 Jahre erlebt, große sportliche Erfolge gefeiert und herausragende gesellschaftliche Ereignisse wie Fahrten nach Ungarn, Italien oder internationale Turniere beispielsweise mit den Frauen der Glasgow Rangers gespielt", sind sich Jasmina und Sepp Wifling einig.

"Die Frauen waren leichter zu trainieren als die Männer."

Josef Wifling, Trainer beim SV Inter Bergsteig Amberg

50 Jahre Frauenfußball in Deutschland: Von Gleichstellung noch weit entfernt

Weiden in der Oberpfalz
Jasmina und Josef Wifling im Dezember 2019 bei der Feier zu ihrer Goldenen Hochzeit.
Hintergrund:

SV Inter Bergsteig Amberg

  • 1967 entstanden aus dem Jugendwerk Inter Bergsteig von Pater Karl Küting. Die Idee dahinter: Die Menschen der 16 Nationen, die in Amberg am Bergsteig wohnten, zu integrieren
  • 1968 die ersten Punktspiele der Herrenmannschaft
    Frauenfußball seit 1970
  • 1972 der erste richtige Fußballplatz, vorher wurde auf einer ehemaligen Schutthalde gespielt
  • 2001 Pater-Karl-Küting-Anlage, eingeweiht mit Spiel gegen 1. FC Nürnberg (Trainer damals Klaus Augenthaler)
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