11.12.2020 - 12:38 Uhr
AmbergSport

Daniel Ernemann: Der „Pokal-Held von Berlin“ in der Talentschmiede von Red Bull Salzburg

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Ein Angebot von Bayern München änderte die Zukunftspläne des Ambergers. Er schmiss das Studium und wurde Fußballprofi, spielte mit Union Berlin das DFB-Pokal-Finale und im Uefa-Cup. Jetzt kümmert er sich in Österreich um künftige Stars.

Mit der Vereinsfahne in der Hand bejubelte Daniel Ernemann am 20. Dezember 2000 nach dem Schlusspfiff seinen 1:0-Siegtreffer für Union Berlin im Viertelfinale gegen den VfL Bochum. Im Halbfinale schaltete der Regionalligist dann Borussia Mönchengladbach aus und zog in das Endspiel gegen den FC Schalke 04 ein.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Vom Schreibtisch zur Strafraumlinie sind es Luftlinie vielleicht 50 Meter. So oft es geht, ist Daniel Ernemann draußen an den Fußballplätzen und beobachtet die Top-Talente der Red-Bull-Akademie in Salzburg beim Training. Seit knapp zwei Jahren arbeitet der Amberger dort als Teammanager des FC Liefering, der Nachwuchsschmiede von Red Bull Salzburg.

„Wir sind so etwas wie eine A-Jugend, unsere Spieler sind fast alle zwischen 17 und 19 Jahre alt, spielen aber in der 2. Liga in Österreich“, sagt Ernemann. Als Teammanager kümmert sich der ehemalige Innenverteidiger um Verträge, Trainingslager, aber auch um Schule, Ausbildungsplätze, Wohnungen und Versicherung der Jugendlichen. „Rund um die Mannschaft soll alles so reibungslos wie möglich laufen.“ Ziel sei es, die jungen Spieler so gut wie möglich auszubilden und auf ihren nächsten Schritt vorzubereiten.

Einmalige Quote in Europa

Der führt im Optimalfall zum „großen Bruder“ FC Red Bull Salzburg. „Die Quote der Spieler, die durchkommen und später ihren Weg machen im Profifußball, ist wahrscheinlich einmalig in Europa“, sagt der 44-jährige Oberpfälzer. Dayot Upamecano, derzeit einer der begehrtesten Innenverteidiger Europas, ging diesen Weg über Liefering nach Salzburg und spielt jetzt in Leipzig. Ebenso der Südkoreaner Hee-Chan Hwang. Der ungarische Mittelfeld-Star Dominik Szoboszlai könnte der nächste sein. „In den Champions-League-Spielen der Salzburger gegen Bayern München war er einer von sechs ehemaligen Liefering-Spielern in der Startelf“, sagt Ernemann.

Eine weltweit aufgestellte Akademie, bis ins kleinste Detail konzipierte Talentförderprogramme, ein Rundum-Sorglos-Wohlfühl-Paket für die jungen Fußballer – all das gab es nicht, als Vater Lutz Ernemann Profi bei Holstein Kiel war und später beim 1. FC Amberg und der SpVgg Weiden spielte. Auch nicht, als Daniel, gerade das Abitur in der Tasche, mit 18 Jahren aus der A-Jugend des 1. FC Amberg zur SG Quelle Fürth wechselte. Neben seinem Studium der Sozialwissenschaften in Nürnberg wollte der 1,94-Meter-Abwehrschlacks ein bisschen in der Landesliga Fußball spielen.

Daniel Ernemann an seinem Schreibtisch in Salzburg. Der 44-jährige Amberger arbeitet als Teammanager des Zweitligisten FC Liefering.

„Damals habe ich mir keine Chancen auf eine Profikarriere ausgerechnet“, erinnert er sich 26 Jahre später. Und 168 Spiele in der Regionalliga (damals dritthöchste Liga), 68 Einsätze in der 2. Bundesliga, 128 Partien in der 2. österreichischen Liga, ein DFB-Pokal-Finale und drei Uefa-Cup-Spiele später.

„Ich bin da so reingestolpert“, erzählt Ernemann. Zwei Aufstiege der Fürther weckten Begehrlichkeiten der Konkurrenz. Der FC Bayern München holte den Abwehrmann aus Franken für seine zweite Mannschaft. Eineinhalb Jahre später dann der Wechsel zum FC Augsburg, damals ebenfalls in der Regionalliga Süd. Die Schwaben erhielten nach der Saison keine Lizenz und mussten zwangsabsteigen.

Scouts beobachten Gegenspieler

Ein Zufall brachte Ernemann nach Berlin. „Das war eine lustige Geschichte: Bei einem Spiel gegen Reutlingen beobachtete Union Berlin meinen Gegenspieler.“ Der machte offensichtlich nicht viele Stiche gegen den Oberpfälzer. Denn: „Den Anruf nach dem Spiel bekam dann ich.“

Der Wechsel in den Berliner Stadtteil Köpenick erwies sich als Glücksfall. Privat, in der Hauptstadt lernte Daniel Ernemann seine Ehefrau Franka kennen, und beruflich. „Union hat für mich wie die Faust aufs Auge gepasst, ganz einfach, weil es ein sehr familiärer, sehr emotionaler Club ist mit einer unfassbaren Atmosphäre, die Fans und das Umfeld leben dort Fußball wohl mehr als bei einem anderen Verein in Deutschland. Da habe ich mich extrem wohl gefühlt, es hat einfach gepasst.“ Auch sportlich: Meister in der Regionalliga Nord, Aufstieg in die 2. Bundesliga und der sensationelle Einzug ins Pokalfinale 2001.

"Das sind natürlich Erlebnisse, für die man Fußball spielt, das war schon toll und beeindruckend."

Daniel Ernemann

„Das waren Super-Zeiten“, schwärmt Ernemann, der nach seinem 1:0-Siegtreffer im Viertelfinale gegen den VfL Bochum als „Held von Berlin“, „Strahlemann in der Alten Försterei“ und „Millionen-Schütze“ gefeiert wurde. „Weil Endspiel-Sieger Schalke bereits für die Champions-League qualifiziert war, durften wir Uefa-Cup spielen.“ Den finnischen Pokalsieger Haka Valkeakoski warfen die Berliner aus dem Wettbewerb, „in der zweiten Runde sind wir dann am bulgarischen Pokalsieger Litex Lowetsch leider gescheitert. Das sind natürlich Erlebnisse, für die man Fußball spielt, das war schon toll und beeindruckend“.

Zu Peter Pacult nach Dresden

Trotzdem: Nach fünf Jahren hatte Ernemann das Gefühl, „dass ein Wechsel gut tun würde“. Vom Osten Berlins ging es in den Westen Österreichs, nach Vorarlberg zu Austria Lustenau. Zwei Jahre später holte ihn der österreichische Trainer Peter Pacult aus Österreich zu Dynamo Dresden (damals 3. Liga), ehe 2008 der Wechsel zurück nach Lustenau folgte. Dort war Ernemann zunächst Spieler, dann auch Manager, Sportdirektor, Spielertrainer und Trainer.

Erfahrungen, die ihm 2018 auch bei seinem Job in China halfen. Fünf Monate lang bildete er im Auftrag des VfL Wolfsburg in Peking und Guangdong Trainer aus. In erster Linie Sportlehrer. „In China spielt tatsächlich jedes Kind in der Schule Fußball. Da gibt es Wahlunterricht Fußball. Trainiert wird jeden Tag, Montag bis Freitag jeweils 90 Minuten. Nur den Trainern fehlt etwas der Background.“

Seit dieser Zeit beim VfL Wolfsburg hat die Familie Ernemann ihren Wohnsitz wieder in Berlin. Seine Frau und die Kinder Finn (16) und Leni (10) sieht Daniel Ernemann meist nur an Wochenenden, unter der Woche ist er in Salzburg und kümmert sich um die Stars von morgen.

Hintergrund:

Das ist Daniel Ernemann

  • Geboren am 18. Februar 1976 in Amberg
  • Vereine als Spieler: 1. FC Amberg (bis 1994), SG Quelle Fürth (1994–1997), FC Bayern München Amateure (1997–1999 Winterpause), FC Augsburg (Winterpause 1999 – Sommer 1999), FC Union Berlin (1999–2004), SC Austria Lustenau (2004–2006), Dynamo Dresden (2006–2008), SC Austria Lustenau (2008–2011)
  • Weitere Tätigkeiten: Manager und Sportdirektor SC Austria Lustenau (ab 2010), Spielertrainer Austria Lustenau II (2010–2014), Co-Trainer Austria Lustenau (2017–2018) und zweimal Interimstrainer, Mitarbeiter des VfL Wolfsburg (2018–2019) für internationale Projekte, Teammanager des FC Liefering (seit 2019)
  • Erfolge: Uefa-Cup-Teilnahme mit Union Berlin (2001/02), DFB-Pokal-Finalist 2001 mit Union Berlin (0:2 gegen Schalke 04), Meister Regionalliga Nord 2001 und Aufstieg in die 2. Bundesliga mit Union Berlin, ÖFB-Pokal-Finalist 2011 (0:2 gegen SV Ried)

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Weiden in der Oberpfalz

 

 

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