04.03.2021 - 18:58 Uhr
AmbergSport

Bayerische Fußballer von Corona-Lockerungen enttäuscht

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Vor allem die Amateurfußballer blicken gespannt auf den von Bund und Ländern ausgearbeiteten Stufenplan zur Lockerung der Corona-Maßnahmen. In der Oberpfalz bleibt die Erkenntnis: Bis zur Rückkehr auf den Platz ist es noch ein langer Weg.

Die Rufe des Nachwuchs werden immer lauter: Vor allem die jüngsten Sportler wollen wieder raus auf den Platz und sich mit ihren Freunden messen. Zumindest für die Jüngsten hält der Bund-Länder-Beschluss einige Lockerungen parat. Zumindest in Regionen mit niedrigen Inzidenzwerten.

Von Josef Maier, Fabian Leeb und dpa

Die ersten Lockerungen nach monatelangem Lockdown sorgen bei den bayerischen Sportlern nicht gerade für Jubelstimmung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs hatten am Mittwochabend verschiedene Schritte der Öffnung auch für den Sport beschlossen. Abhängig von regionalen Corona-Inzidenzwerten können die Bundesländer ab dem 8. März als erste Maßnahme kontaktfreien Sport unter freiem Himmel in kleinen Gruppen mit maximal zehn Personen vorsehen.

Allerdings ist der dafür nötige stabile Inzidenzwert von unter 50 gerade in der nördlichen und mittleren Oberpfalz Utopie. Der Besuch von Fitnessstudios und Spiele im Amateurfußball sind ohnehin erst später möglich. Frühestens ab dem 22. März - bei höheren Inzidenzen braucht es dafür einen tagesaktuellen negativen Schnell- oder Selbsttest. Hallensportarten mit Kontakt sind im März gar nicht erlaubt.

Keller hatte "mehr Mut" erwartet

Gerade die Amateurfußballer und -basketballer scharren mit den Hufen - sie sind die einzigen, die die laufende Spielzeit noch nicht abgebrochen haben. Da überrascht es nicht, dass nur wenige Stunden nach dem Beschluss von Bund und Ländern für einen Stufenplan zur schrittweisen Öffnung zuerst der Deutsche Fußball-Bund möglichst rasche und konkrete Vorgaben forderte. "Ich hätte mir mutigere Öffnungsschritte gewünscht", sagte DFB-Chef Fritz Keller, für den der Plan einen "ersten Schritt" darstellt. Gleichzeitig mahnte er "klare, umsetzbare Regelungen" an.

In dieselbe Kerbe schlug auch der Bayerische Fußball-Verband, der in einer Pressemitteilung von der Bayerischen Staatsregierung "verständliche und praxisnahe Vorgaben" zur Umsetzung der Maßnahmen verlangte. Ministerpräsident Markus Söder und seine Minister "müssen klar und unmissverständlich formulieren, was in welcher Form für das Fußball-Training fortan erlaubt ist", wird BFV-Präsident Rainer Koch zitiert: "Bis dato sind uns nur grobe Rahmenbedingungen bekannt, diese aber müssen nun von den zuständigen Ministerien detailliert formuliert werden." Der aktuelle Informationsstand lasse nach wie vor noch viele Fragen offen.

Kinder dürfen wieder kicken

Für Thomas Graml, den Chef der Oberpfälzer Fußballer, ist zunächst eines wichtig: "Jetzt gibt es zumindest eine Perspektive, damit wir wissen, ab welchen Werten wir spielen können." Er hat da vor allem die Kinder im Blick: "Die dürfen endlich wieder raus." Kontaktfrei ist ab 8. März bei einem Inzidenzwert unter 100 auch Training mit bis zu 20 Kindern erlaubt.

„Ich glaube, die Höhe des Inzidenzwerts ist als Maßstab für den Spielbetrieb völlig ungeeignet. Da muss man sich andere Faktoren überlegen.“

Thomas Graml, Vorsitzender des Fußballbezirks Oberpfalz

Thomas Graml, Vorsitzender des Fußballbezirks Oberpfalz

Mit Blick auf das Spielgeschehen und die Fortsetzung der Saison kommen vor allem auf die von teils sehr hohen Inzidenzwerten geplagte Oberpfalz heikle Wochen zu: "Von Kulmain bis Regensburg haben wir bei den Werten gravierende Unterschiede", sagt der BFV-Bezirksvorsitzende und fragt sich, wie das gehen soll, dass man in manchen Regionen bald unter die Marke von 50 komme. Hier setzen auch seine Überlegungen an: "Ich glaube, die Höhe des Inzidenzwerts ist als Maßstab für den Spielbetrieb völlig ungeeignet. Da muss man sich andere Faktoren überlegen." Graml will erst einmal abwarten, was genau in der neuen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung stehe, am Dienstag trifft er sich mit seinen Kollegen vom BFV-Vorstand.

Quotientenregel denkbar

Dass die Stimmen nach einem Saisonabbruch lauter werden, wird beim Verband auch vernommen. "Mit einem Abbruch der Saison warten wir sicherlich bis zur letzten Minute", sagt Graml. Man müsse da immer die Entscheidungen der Politik berücksichtigen. Dass in manchen Ligen nicht mehr die volle Runde durchgezogen werden könne, sei möglich. Der Verband habe da schon mit der Quotientenregel, die in Paragraf 93 der Spielordnung geregelt ist, vorgesorgt. Dann würde die Punktzahl durch die Anzahl der Spiele geteilt, Auf- und Abstieg seien genau geregelt. Spätestens um Ostern müsse es weitergehen, um die Saison beenden zu können, vermutet Graml: "Diese Deadline kann sich jeder selber ausrechnen."

Ein Kommentar von Alfred Schwarzmeier zu den geplanten Lockerungen

Amberg
Hintergrund:

Das bedeuten die Lockerungen für den Sport in Bayern

  • Ab 8. März: Inzidenzwert unter 50: kontaktfreier Außensport mit max. 10 Personen; Inzidenzwert zwischen 50 und 100: kontaktfreier Sport unter freiem Himmel mit maximal 5 Personen aus 2 Haushalten (beziehungsweise maximal 20 Kinder); Inzidenzwert über 100: keine Lockerungen
  • Ab 22. März: Inzidenzwert unter 50: keine Beschränkungen; Inzidenzwert zwischen 50 und 100: kontaktfreier Sport in der Halle, Vollkontaktsport draußen, aber mit tagesaktuellem Schnell- oder Selbsttest
  • Ab 5. April: Inzidenzwert unter 50: keine Beschränkungen; Inzidenzwert zwischen 50 und 100: kontaktfreier Sport in der Halle mit tagesaktuellem Selbst- oder Schnelltest; Vollkontaktsport draußen ohne Test
  • Wichtig: Die jeweils nächsten Lockerungsstufen greifen nur, wenn die 7-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner in den Landkreisen und kreisfreien Städten zuvor 14 Tage lang stabil geblieben und nicht mehr gestiegen ist

 

 

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