02.02.2021 - 19:55 Uhr
AmbergSport

Alexander Bugera und die Legenden des FC Bayern München

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Juli 1997: Alexander Bugera trainiert als 18-Jähriger das erste Mal als Fußballprofi zusammen mit Oliver Kahn, Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann. Aber seine Karriere verläuft anders als gedacht.

Alexander Bugera (links) im Kreis der "Legenden" des FC Bayern München, wie Oliver Kahn (vorne) oder Mario Basler (rechts).
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Oliver Kahn trabt über den Platz, Mehmet Scholl läuft sich warm, Bixente Lizarazu macht ein paar Übungen – und Trainer Giovanni Trapattoni hat alles im Blick. An der Seite steht der 18-jährige Alexander Bugera aus Amberg, der sein erstes Training als Fußballprofi beim FC Bayern München absolviert. Wenige Wochen zuvor hat er seinen Vertrag beim deutschen Rekordmeister unterschrieben. Ein Wechsel war nicht nötig, denn Bugera spielte bereits seit seinem 16. Lebensjahr in der Jugend des FC Bayern.

Berater hat alles geregelt

„So richtig wahrgenommen habe ich das damals nicht“, sagt Alexander Bugera heute. „Ich wollte einfach nur Fußball spielen. Verträge haben mich überhaupt nicht interessiert. Das ging meine ganze Karriere so durch. Ich wollte immer Ziele vor Augen haben, in der höchsten Klasse zu spielen.“ Was er dabei verdient, war für ihn nebensächlich. „Ich hatte damals schon einen Berater, den Fritz Bischoff. In der U15-Nationalmannschaft war es mein erster Bundestrainer, der hat vieles geregelt“ erklärt Bugera. Er lebt seit 14 Jahren in Kaiserslautern, ist Trainer der U21 des FCK und fühlt sich dort sehr wohl. Alexander Bugera hat eine 16 Jahre alte Tochter – die Tennis spielt. „Marie ist jetzt in ihrer Altersgruppe unter den Top-20 in Deutschland“, sagt der stolze Vater.

Zugkarte für 800 D-Mark

An eines kann er sich in seiner Jugend noch erinnern: „Ich habe vom FC Bayern eine Zugkarte bekommen.“ Denn er hatte mit 14 Jahren eine Ausbildung als Bürokaufmann begonnen, und als er sich entschloss, zur C-Jugend des FC Bayern München zu wechseln, pendelte Alexander Bugera das letzte Jahr zwischen der bayerischen Hauptstadt und Amberg. „Das waren damals 800 D-Mark im Monat“, sagt Bugera. Täglich München und zurück. In der Früh die Ausbildung im Betrieb in Amberg, und nachmittags mit dem Zug nach München zum Training. „Nachts um halb zwölf war ich wieder daheim.“ Jeden Tag, ein Jahr lang, fünf Stunden im Zug, dann mit der S-Bahn zum Gelände an der Säbener Straße. „Das war für einen 17-Jährigen ein ziemlicher Aufwand.“

In der Wurstfabrik

Startrainer Giovanni Trapattoni (rechts) hat Alexander Bugera im Blick - beim ersten Training des 18-Jährigen als Fußballprofi.

Der erste Kontakt mit dem FC Bayern München war zustande gekommen, als seine Eltern Roman und Maria nach Nürnberg fuhren – ohne den damals 16-jährigen Sohn Alexander – und Uli Hoeneß trafen: in dessen Wurstfabrik. Fritz Bischoff war ebenfalls dabei. „Mir war das nicht so richtig bewusst, was da abgelaufen ist. Das ist heutzutage anders,“ erzählt Alexander Bugera. Der logische Schritt: Von der Jugend des FC Bayern in die Profitruppe. Anfangs spielte er bei den Bayern-Amateuren in der Regionalliga, war aber täglich im Training mit den Profis dabei.

Worte von Uli Hoeneß

Er erinnert sich noch an die Worte von Uli Hoeneß: „Er hat gesagt, dass jedes Training wie ein Bundesligaspiel ist. Weil man mit den besten Fußballern Deutschlands, Europas, der Welt, trainieren kann. Das können nicht viele.“ In jungen Jahren wäre das für ihn ein großer Anreiz gewesen. Mit Lothar Matthäus auf dem Platz, mit Oliver Kahn, Bixente Lizarazu, Mario Basler, Jürgen Klinsmann, Giovane Elber: „Da waren ein paar Legenden dabei, das waren schon Granaten.“

Beeindruckt von Trapattoni

Trainer bei den Bayern war Giovanni Trapattoni. Und der hat den jungen Bugera beeindruckt. „Er hat sich mit uns jungen Spielern einmal in der Woche eine halbe Stunde nach dem Training zusammengesetzt. So ein erfolgreicher Welt-Trainer – und der hat sich mit uns befasst.“ In gebrochenem Italienisch-Deutsch. „Bugera, passe di Ball – an den Satz kann ich mich noch gut erinnern“, sagt der Ex-Profi. „Das war lustig, wenn er sich so mit uns unterhalten hat.“ Die jungen Spieler, das waren Frank Wiblishauser, David Jarolim, Stefan Leitl und auch Markus Weinzierl – der spätere Trainer des SSV Jahn Regensburg und dann in der Bundesliga beim FC Augsburg und Schalke 04.

„Ich habe es nicht bereut, dass ich beim FC Bayern München geblieben bin. Der Weg war schwerer. Da gab es schon einige andere Spieler in meinem Alter, die waren in der Jugend hinter mir, sind aber dann zum 1. FC Nürnberg oder zu einem anderen kleineren Bundesligaverein gegangen. Die hatten ihre Einsätze, die ich nicht hatte.“ Er habe in den ersten beiden Jahren als Profifußballer zwar mehr auf der Bank gesessen, möchte aber die Erfahrung nicht missen – auch die bei den Spielen in der Champions-League, obwohl er nicht eingesetzt wurde. „Ich würde es genauso wieder machen, täglich mit Welt- und Europameistern zu trainieren.“

Bundeswehr ein Knackpunkt

Was ein Knackpunkt in seiner Karriere war, sieht Bugera im Nachhinein in der Zeit bei der Bundeswehr. „Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Ich war U21-Nationalspieler und musste zur Bundeswehr.“ Von Montag bis Freitag Wehrdienst, am Wochenende dann Bundesligaspiele. „Das hat meiner Karriere schon geschadet“, glaubt Bugera. Mit 18 hatte er einen Sechs-Jahres-Vertrag beim FC Bayern unterschrieben, da „musste ich ein großes Talent gewesen sein, sonst hätte das Bayern nicht gemacht“, blickt er zurück. Zwei Jahre in München, dann zweimal verliehen. „Bayern hat sich das anders vorgestellt, ich mir auch. So ist meine Karriere anders verlaufen“, sagt der 42-Jährige.

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Amberg
Hintergrund:

Zur Person: Alexander Bugera

  • Geboren am 8. August 1978 in Amberg
  • Fußballkarriere begonnen beim SV Inter Bergsteig Amberg und 1. FC Amberg, als C-Junior zum FC Bayern München
  • 15- bis U21-Nationalspieler, Teilnahme an U-17-Weltmeisterschaft 1995 in Ecuador; insgesamt 48 Jugendländerspiele, 26 Tore
  • Golden Goal zum 2:1-Sieg über Frankreich im Spiel um Platz drei bei U16-EM in Belgien
  • Juni 1997: Mit 18 Jahren Lizenzspieler beim FC Bayern München, Sechs-Jahres-Vertrag
  • Erster Einsatz am 4. April 1998 (29. Spieltag) in der 87. Minute eingewechselt für Mehmet Scholl beim Spiel bei Werder Bremen
  • Vorwiegend Einsätze bei den Bayern-Amateuren in der Regionalliga
  • Januar 1999 Wechsel zum MSV Duisburg, für den er am 20. Februar 1999 bei der 0:3-Heimniederlage gegen den FC Bayern München sein erstes Spiel bestritt
  • 2000-2002 in der Regionalliga bei SpVgg Unterhaching
  • 2002-2003 FC Bayern München Amateure
  • 2003-2007 MSV Duisburg 1. und 2. Bundesliga
  • 2007-2015 1. FC Kaiserslautern 1. und 2. Bundesliga
  • Dreimaliger Aufstieg in dieser Zeit in die 1. Bundesliga mit MSV Duisburg (2x) und 1. FC Kaiserslautern
  • Juni 2015 Ende der aktiven Karriere als Bundesligaspieler
  • 90 Spiele Bundesliga, 4 Tore; 199 Spiele 2. Liga, 17 Tore
  • Ab 2015, B- und A-Trainer-Lizenz; NLZ-Jugendtrainer des 1. FC Kaiserslautern (U16, U19)
  • 2017-18 Trainer der U19 des 1. FC Kaiserslautern
  • Ab 20. September 2017 bis September 2019 Co-Trainer des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, Abstieg in die 3. Liga
  • Seit Sommer 2020 Trainer der U21 des 1. FC Kaiserslautern

 

 

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