15.04.2021 - 14:46 Uhr
AmbergSport

100 Jahre FC Amberg: Eine Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen

Gerade mal drei Jahre ist das Ende des Ersten Weltkrieges her. 1921 beschäftigt der Aufbau die meisten Menschen. Nur wenige denken an etwas, was damals oft noch verpönt ist: an Fußball. Wie die 27 Männer im Lokal "Bauernschänke" in Amberg.

Die Kreisliga-Elf von 1924 (sitzend von links): Krämer, Reichert, Neiberger, Popp, Fineis; Mitte von links: Schriftführer Helbig, 2. Vorsitzender Kraus, Maurer, Anton Kraus, Fröhler, Trainer Strößenreuther, Spielausschuss-Vorsitzender Giehrl; Hinten von links: Weiß, Engl, Hösl.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Ein Mittwochabend in Amberg vor 100 Jahren, 6. April 1921: Im Lokal "Bauernschänke" am Schrannenplatz - heute steht dort das Gewerkschaftshaus - treffen sich 27 Männer. Allesamt Mitglieder des TV Amberg, des Turnvereins der Stadt. Der Grund der Versammlung: Sie wollen einen eigenen Verein gründen, in dem nur eine Sportart betrieben wird, nämlich Fußball. Den Amberger Fußballverein, quasi den Vorläufer des FC Amberg.

Fußball ist krasser Gegensatz

Rudolf Strößenreuther, so steht es in der Chronik des FC, habe sich zum Wortführer an jenem Abend gemacht und "mit warmen Herzen für den Fußballsport" plädiert. Eine Sportart, die rund 40 Jahre vorher aus England auf den Kontinent gekommen ist, und die zunächst vorwiegend von Gymnasiasten gespielt wird. Denn Sport zu treiben ist damals ein Privileg der so genannten "feinen Leute". Unter Sport versteht man zu jener Zeit Turnübungen in Gruppen - in Turnvereinen, wie es der TV 1861 Amberg einer ist. Diese Übungen sollen zu Harmonie und Disziplin führen - Ideale, die im krassen Gegensatz zum Wettkampfsport Fußball stehen. Der wird als "Lümmelei" oder "Englische Krankheit" bezeichnet und seine Ausübung in den Vereinen ist fast überall verboten.

Nach der Jahrhundertwende setzt sich die "Lümmelei" aber durch und in zahlreichen deutschen Klubs wird guter Fußball gespielt. Es ist nicht verbrieft, aber die Nähe zu Franken könnte in Amberg den Ausschlag für die Gründung eines Fußballvereins gegeben haben: Denn von 1920 an bestimmen der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Fürth fast zehn Jahre lang den deutschen Spitzenfußball. So muss Rudolf Strößenreuther die restlichen 26 Herren nicht lange überzeugen - nur die Namensfindung dauert, bis die Runde sich auf Amberger FV einigt.

Schon vorher wurde gespielt

Aber bereits vor der Gründung des Amberger FV wurde von zwei Mannschaften in Amberg Fußball gespielt. Das belegt eine Vorschau in der "Amberger Volkszeitung" vom 9. April 1921. Da heißt es: "Morgen, Sonntag, finden zwei Wettspiele statt. Um 2 Uhr spielt Rosenberg 1 gegen Amberg 2. Die Spielstärke der Gäste hat sich durch neue Kräfte sehr gehoben, so dass Amberg 2 keinen leichten Stand haben dürfte, um einwandfrei zu siegen. Um 4 Uhr spielt ein aus den Verbandsspielen altbekannter, zäher Rivale, nämlich die Mannschaft des F.C. Schwandorf gegen unsere 1. Elf."

Amberger FV, VfB Amberg, TuS Amberg, 1. FC Amberg, FC Amberg im TV Amberg, FC Amberg - alles Namen im Laufe der 100-jährigen Geschichte, die im Grund einem Verein zuzuordnen sind. Eine Geschichte mit vielen Höhenflügen und Tiefen, mit vielen Anekdoten rund um den Fußball. In der jüngeren Vergangenheit spielt der FC Amberg eine Saison in der Regionalliga, im Pokal ist schon mal Bundesligist Borussia Mönchengladbach zu Gast beim 1. FC (August 1986, 0:7), gilt es eine Insolvenz (1995) zu überwinden, und holt in der Saison 1951/52 eine legendäre Truppe um Pipo Braun und Rudolf Meßmann die Meisterschaft in der 1. Bayerischen Amateurliga - im ersten Jahr nach dem Aufstieg. Das Interesse damals ist gewaltig: Rund 4000 bis 5000 Zuschauer besuchen im Schnitt die Spiele des 1. FC Amberg, zig-Tausende empfangen die Siegermannschaft auf dem Marktplatz.

Von VfL zu TuS

Es gibt auch Kurioses in der wechselhaften Geschichte: In der Zeit der Nationalsozialisten muss der Fußballverein seinen Namen in VfL ändern: Verein für Leibesübung hieß er. Das wiederum gefällt nach dem Krieg der amerikanischen Militärregierung nicht - und aus VfL wird der TuS, der Turn- und Sportverein. Bemerkenswert: Die Handballabteilung des SV Luitpoldhöhe schließt sich dem TuS an, und wenig später folgt eine ganz andere Sportart: die Boxer kommen hinzu. Legendär, so heißt es in der Chronik des FC Amberg, sind deren Freiluftkämpfe auf dem Platz am Mosacher Weg. Aber Handballer und Boxer sind offenbar nicht gerngesehen: "Beiden Abteilungen wurde nicht die nötige Pflege zuteil", berichtet die Chronik. So wird aus dem Fußballverein mit Anhang wieder ein reiner Fußballverein, der ab 1949 den Namen 1. FC Amberg tragen darf.

"Trainer kostet viel Geld"

In den Akten der Stadt Amberg, die der ehemalige Stadtarchivar Dr. Rudolf Regler in Bezug auf den FC Amberg fein säuberlich aufgelistet hat, sind weitere Kuriositäten vermerkt: In einem Schreiben des Amberger FV vom 5. Juni 1928 an die Stadt heißt es, dass jeden Sonntag bei den Spielen zwischen 800 und 1000 Besucher sich einfänden, weswegen ein Wirtshaus oder eine Schankstätte auf dem Vereinsgelände erforderlich sei. Ein Jahr später teilt der Verein der Stadt mit, dass der Bierkonsum eher mäßig sei, denn in einem dreiviertel Jahr seien nur 22 Hektoliter Bier ausgeschenkt worden.

Der Alkohol scheint keine große Rolle gespielt zu haben, dafür etwas anderes: Ein hauptberuflicher Trainer ist vorhanden, schreibt der Amberger FV, und der koste viel Geld. Und das bereits im Jahr 1929!

Ums Geld geht's auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab 1948 sind Sportveranstaltungen vergnügungssteuerpflichtig. Ambergs Kämmerer hält in einer Notiz von 1954 fest: Die Stadt hat diese Steuer vom 1. FC nie erhoben. Weniger schön: Am 1. September 1950 wird ein Spiel des 1. FC in Regenstauf vom dortigen Bürgermeister verboten. Begründung: Es könne nicht sein, dass vom Typhus-Sperrgebiet Amberg Fußballer nach Regenstauf kommen.

"Herzliche Aufnahme"

Ein paar Monate vorher, im April 1950, gibt es in Amberg offensichtlich keine Ansteckungsgefahr durch Krankheiten. Denn da bedankt sich der 1. FC Amberg in einem Schreiben an die Stadt, die ein Gastspiel einer Fußballmannschaft aus Innsbruck zulässt: "Die Innsbrucker haben wiederholt bestätigt, dass sie auf allen ihren bisherigen Auslandsreisen nach Italien, Jugoslawien und der Schweiz nirgends eine so herzliche Aufnahme gefunden hätten wie in unserer Stadt."

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Hintergrund:

FC Amberg - Stationen in 100 Jahren von 1921 bis 2021

  • Gegründet am 6. April 1921 in der Bauernschänke am Schrannenplatz als Amberger Fußballverein (AFV); 1. Vorsitzender Andreas Schroll, 2. Vorsitzender Emil God; Trikotfarben: blau-weiß; Spielfeld: Militärsportplatz Kaiser-Wilhelm-Kaserne an der Fleurystraße
  • Gründungsmitglieder 27 Männer, die aus dem Turnverein Amberg (TV) stammten: Albrecht Volkmann, Fritz Köhler, Karl Köhler, Andreas Schroll, Emil God, Karl Helbig, Hans Wifling, Rudolf Strößenreuther, Gottfried Meister, Hans Maier, Gustl Zimmermann, Heinrich Nicola, Willy Kießling, Ludwig Neubauer, Heinrich Stelzl, Hans Stelzl, Ernst Schoedt, Anton Giehrl, Fritz Fischer, Gustl Herchert, Kurt Haagner, Georg Geis, Johann Geist, Karl Singer, Hans Wiesnet, Jakob Zitzler, Alfred Götz
  • Nach zwei Monaten verbot die damalige Reichswehr dem Amberger FV die Nutzung des Platzes
  • 28. Juni 1921: Kauf eines "4-Tagwerk großen Grundstückes" vom Fabrikanten Jos. Wagner für 42000 Reichsmark am Mosacher Weg, ab September 1921 neues Spielfeld
  • 20. Februar 1924: Stadtrat genehmigt das Tragen des Amberger Stadtwappens (oben ein Löwe, unten die bayerischen Rauten) auf der linken Brustseite des Trikots der 1. Mannschaft
  • 1935-1939: Blütezeit des AFV, eine der stärksten Mannschaften in Bayern mit vielen Soldaten (Amberg war Garnisonstadt)
  • 17. Januar 1939: Umbenennung in VfL Amberg (Verein für Leibesübungen), vermutlich unter Druck der Nationalsozialisten
  • Während des Zweiten Weltkrieges nur Spielbetrieb für Jugendmannschaften im Zusammenschluss VfL, TV und SV Amberg
  • Mai 1945 nach Kriegsende: Vereinsverbot und Lizenzentzug durch die Militärregierung
  • 9.11.1945: Neugründung des Vereins mit Genehmigung der Militärregierung als einer der ersten Vereine in Bayern auf den Namen TuS Amberg
  • 15.7.1949: Erneute Namensänderung in 1. FC Amberg, Spielkleidung schwarz-gelb
  • 1951/52: 1. FC Amberg erstmals in der 1. Amateur Oberliga Bayern; mit dabei Rudolf Messmann, Walter Wollak, Pipo Braun; 4500 Zuschauer sahen den 5:1-Sieg im Aufstiegsspiel gegen den FC Passau
  • 1952: 1. FC Amberg ist Bayerischer Amateurmeister (Trainer Michael Grasser), Tausende feiern auf dem Marktplatz
  • 1954: 1. FC Amberg bekommt das Gelände am Mosacherweg überlassen, bleibt dort 20 Jahre lang
  • 19.Mai 1973: Einweihung des FC-Stadions am Schanzl, 10 000 Zuschauer (700 Tribüne) Fassungsvermögen, Feier mit kompletter Festwoche
  • 21. Juli 1973: 1. FC Nürnberg (1:1 vor 3000 Besuchern) spielt als erster Proficlub auf dem Rasen
  • 28. Juli 1973: FC Bayern München gastiert (2:12 vor 9000 Zuschauern) mit Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Sepp Maier, Gerd Müller
  • 1975-1995: Landesliga und Bayernliga
  • 28.Mai 1995: Freiwilliger Abstieg aus der Bayernliga
  • 3. August 1995: Konkursantrag beim Amtsgericht Amberg, der 1. FC Amberg galt als nicht mehr sanierbar
  • 1996: Rund 250 Jugendliche, darunter zwei Bayernliga-Teams, konnten unter dem Dach des TV weiterspielen aufgrund des Einsatzes des damaligen Abteilungsleiters Werner Aichner
  • Juli 1997: Umbenennung in „FC im TV Amberg“, kurz: FC Amberg
  • 13.6.2015: Aufstieg in die Regionalliga Bayern, ein Jahr später Abstieg, weitere folgten
  • 2018/19: Neuanfang in der Bezirksliga Nord
  • Bekannte Spieler: Rudolf Messmann, Peter Messmann, Uwe Scherr, Peter Zeiler, Alexander Bugera , Hans Dotzler, Lutz Ernemann, Rainer Rauffmann, Daniel Ernemann, Timo Rost, Norbert Wagner, Markus Lotter
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