07.08.2004 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

"Ich-AG" statt Job-Misere - Monatlicher Zuschuss - Sabine (40), Georg (43) und Markus (27) sind ...: Mit Volldampf aus der Arbeitslosigkeit

Die Abdeckung für die Mülltonne ist mit Efeu umrankt, neben der Haustüre blühen dunkelrote Geranien und der Garten ist eine wahre Blumenpracht. Logisch, schließlich wohnt hier "Die fleißige Biene". Sabine Köppl (40) werkelt aber nicht nur im eigenen Reich. Sie gründete eine Ich-AG und bietet ihre Dienste für Haus- und Gartenpflege an.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Dieses Jahr läuft's besser als im Vorjahr", sagt Sabine Köppl und blättert in ihrem Kassenbuch. Überwiegend ältere Leute nehmen ihre Dienste war, aber auch zwei Oberviechtacher Geschäfte gehören zum festen Kundenstamm und lassen ihre Grünanlagen pflegen. "Der Bedarf ist da, die Leute wissen es nur zu wenig". Deshalb verteilte sie kürzlich auch Werbezettel und schon eine Stunde später kam der erste Anruf.

Eine Biene für den Garten

Den Tipp für eine Ich-AG erhielt sie vom Arbeitsamt. Sie war nach zwei Jahren Beschäftigung als Gardinen-Näherin arbeitslos geworden und hätte noch einen Monat Arbeitslosengeld erhalten. "Ich überlegte einige Tage und hatte plötzlich die Idee, Dienste rund um die Haus- und Gartenpflege anzubieten". Sabine Köppl meldete ihr Gewerbe im Juli 2003 bei der Stadt an, gab sich den Namen "Die fleißige Biene" und ohne größere Investitionen ging's los. "Rasenmäher, Gartenschere und weitere Geräte hatten wir ja bereits vorher", sagt die Jungunternehmerin. Oft werden die Arbeitsutensilien aber auch von den Kunden bereitgehalten. Ob Fenster- und Hausputz, kleine Wartungsarbeiten, Pflaster reinigen, Gartenabfälle beseitigen, Rasenmähen oder Entrümpeln von Wohnungen - wer wenig Zeit hat oder gesundheitlich dazu nicht mehr in der Lage ist, kann die "Biene Sabine" herbeirufen.

Sattelzug voll Futter

Bei bestimmten Arbeiten wird sie vom Ehemann unterstützt. So war kürzlich Baumausschneiden angesagt und auch das Kürzen der Hecken fällt in sein Ressort. "Es macht mir viel Spaß. Die Arbeit im Freien ist viel schöner als in der Halle", sagt Sabine Köppl und wer die Oberviechtacherin strahlen sieht, glaubt ihr das auch sofort. Ihre gute Laune überträgt sich auch auf die Kunden und gerade bei älteren Menschen nimmt sie sich gerne Zeit für einen kurzen "Ratsch".

Seit Januar 2004 hat sich Georg Scherr (43) aus Wildstein (Gemeinde Teunz) mit einer Ich-AG aus der Arbeitslosigkeit befreit. Sein "Futtermittel-Handel rund ums Tier" läuft gut. Schließlich ist der "Tauben-Joe" weit und breit bekannt. Seit 28 Jahren ist er in Brieftaubenvereinen aktiv und ein "Tauberer" mit Leib und Seele. Während er früher für den Verein mit Futter handelte, wagte er nun den Sprung in die Selbstständigkeit.

Georg Scherr machte Nägel mit Köpfen. Er baute alten Stall und Scheune zu zwei Lagerräumen aus, kaufte einen Sattelzug Tierfutter im Wert von rund 10 000 Euro ein und ging mit günstigen Preisen auf den Markt. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hatte er sich schnell eine Stammkundschaft bis in die Landkreise Cham und Neustadt an der Waldnaab aufgebaut. "Taubererkollegen" aus Schönthal, Pleystein, Nabburg sowie die Kleintierzuchtvereine Oberviechtach und Tännesberg kommen gerne nach Wildstein. Neben Taubenfutter gibt es auch Vogel-, Hunde-, Katzen- und Hamsterfutter zu kaufen. Und außerdem nimmt sich der "Schorsch" viel Zeit für seine Kundschaft.

Lange arbeitslos und in ABM-Maßnahmen beschäftigt, fühlt er sich mit seinem Handel nun richtig wohl. "Die Abrechnung haut super hin", erzählt er und zeigt seine Kasse vor. Die Freundin eines Neffen ist Steuerberaterin und ein Bekannter hilft mit guten Tipps für die Betriebsführung. Die Taubenmarktmesse in Kassel im November und die Brieftaubenausstellungen in Dortmund und Essen sind für Georg Scherr seit vielen Jahren "Pflicht". "Jetzt kaufe ich mit meinem Gewerbeschein dort viel billiger ein", freut er sich. Damit er immer frisches Futter hat, bezieht er die kleineren Mengen über einen Großhändler. Schließlich steht auf dem Schild zur Eröffnung: "Wir führen Qualitätsfutter für alle Tiere. Spitzenqualität zu kleinen Preisen". Wenn nach zweieinhalb Jahren der monatliche Zuschuss ausläuft und die vollen Beiträge zur sozialen Absicherung zu leisten sind, hofft Georg Scherr, dass er mit dem Handel nicht nur die Kleintiere im Umkreis sondern auch sich und Gattin Monika ernähren kann.

Mit Mörtel und Kelle

Erst kurz im Geschäft ist der frischgebackene Mauerermeister Markus Scheuerer (27) aus Mitterlangau. Nach dem plötzlichen Unfalltod seines Chefs im Jahr 2002, meldete er sich zum Lehrgang für die Meisterprüfung an. Seit Februar 2004 hat er das Zeugnis in der Tasche und am 15. Mai startete er seine eigene Firma als Ich-AG. "Im Arbeitsamt haben sie mir diese Variante empfohlen", sagt Scheuerer. Da er die Kosten niedrig halten und nur geringe Investitionen tätigen will, ist der Existenzgründungszuschuss (Ich-AG) für ihn günstiger als das Überbrückungsgeld (6 Monate lang 71,4 Prozent vom Arbeitslosengeld). Den Zuschuss muss man jedes Jahr neu beantragen, wobei die maximale Einkommensgrenze bei 25 000 Euro liegt.

Seit zweieinhalb Monaten ist Markus Scheuerer nun auf den Baustellen unterwegs und erledigt Mauerer- und Verputzarbeiten: "Ich habe die ganze Woche zu tun. Es läuft gut an und ich bin gespannt, wie's weitergeht". Neben Putzsanierungen und Ausbesserungen führt er derzeit auch Lehmbauarbeiten aus.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.